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Was die Auffrischung der Corona-Impfung bringt

Die ersten Länder beginnen mit der dritten Impfung. Sachsen positioniert sich heute. Für wen ist die dritte Spritze jetzt schon ratsam?

Vorerst nicht für alle: Der dritte Piks.
Vorerst nicht für alle: Der dritte Piks. © Sven Hoppe/dpa

Damit der Körper weiterhin gut geschützt ist, muss ein Impfschutz aufgefrischt werden. Das gilt auch beim Kampf gegen das Coronavirus.

Für wen sind die Auffrischungen jetzt schon ratsam?

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Für die vulnerablen Gruppen, also Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf – zum Beispiel über 80-Jährige, Personen mit Immunschwäche oder bestimmten Vorerkrankungen. Ihnen soll eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden, also den Vakzinen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Das gilt unabhängig davon, welchen Corona-Impfstoff sie bei der ersten Impfung bekommen haben.

Zwischen dem letzten Piks und der Auffrischung sollten in der Regel mindestens sechs Monate liegen. Wer mindestens vor einem halben Jahr mit den Impfstoffen von Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurde, soll ebenfalls von September an eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten können. Allerdings hängt das davon ab, wie das jeweilige Bundesland diesen Beschluss umsetzt.

Wie handhaben Sachsen und andere Bundesländer die Auffrischung?

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping will sich heute dazu äußern. Auf der Webseite coronavirus.sachsen.de heißt es: „Die Dauer der Schutzwirkung ist nicht bekannt, erste Analysen zeigen aber noch eine starke Immunantwort nach drei bis sechs Monaten, sodass man von einer längerfristig bestehenden Immunantwort ausgehen kann. In aktuell laufenden Untersuchungen werden genauere Erkenntnisse über die Dauer des Immunschutzes gewonnen. Damit einhergehend kann noch keine Aussage zum Zeitpunkt einer möglicherweise notwendig werdenden Auffrischungsimpfung getroffen werden.“

In Baden-Württemberg soll sich die Auffrischung zunächst auf Pflegeheime und besondere Personengruppen, wie Hochbetagte und Pflegebedürftige, beschränken. Ebenso ist es etwa in Bremen. In Schleswig-Holstein sind Auffrischungsimpfungen seit dem 24. August möglich – für ab 80-Jährige, Menschen mit Immunschwäche, etwa HIV-Infizierte oder Krebskranke in der Therapie, aber auch für mit einem Vektorimpfstoff Geimpfte. Bayern hat schon Mitte August begonnen, Drittimpfungen an Menschen aus Risikogruppen zu verabreichen.

Warum wird Risikogruppen die Impfung nahe gelegt?

Weil diese Menschen mit der ersten Impfserie häufig keine oder eine nur vergleichsweise geringe Immunität aufgebaut haben. Zum Beispiel betrifft das Personen mit geschwächtem Immunsystem, etwa in Folge einer Organtransplantation. „Da wissen wir, dass ihr Körper zum Teil gar nicht auf die beiden Impfungen reagiert hat. Der muss mitunter erst mal dahin gebracht werden, dass sich überhaupt Antikörper entwickeln“, sagt Professor Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Womöglich brauchen sie dafür sogar nicht nur eine dritte, sondern auch noch eine vierte Impfung. Wobei es etwa bei einer Chemotherapie auch Sinn ergeben könne, zunächst das Ende der Therapie abzuwarten, weil die bei der Chemo verabreichten Wirkstoffe womöglich auch die in Folge der Impfung gebildeten Immunzellen direkt zerstören.

Wieso sollten Menschen über 80 Jahre eine Auffrischung bekommen?

Unter den hochbetagten Menschen habe ein Großteil zwar auf die Corona-Impfungen reagiert, sagt Watzl, aber eben weniger stark als Jüngere. Das bedeutet, dass ihr Immunschutz gegen das Virus oft weniger gut ist. Und er nimmt mit der Zeit ab, und zwar scheinbar schneller als bei Jüngeren, so Watzl.

„Gerade die über 80-Jährigen sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – zum Beispiel Rheuma- oder Dialysepatienten – haben eine deutlich schlechtere Immunantwort“, sagt auch Anja Kwetkar. Sie ist Direktorin der Klinik für Geriatrie am Uniklinikum Jena und Leiterin der Arbeitsgruppe Impfen der deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). „Diese Abwehrkräfte können durch die zusätzliche Impfung gestärkt werden. Das sind unsere Erfahrungen auch bei anderen Impfungen“, so die Expertin.

Warum werden die Auffrischungen gerade jetzt großflächig angeboten?

Da viele Ältere, Immungeschwächte und Menschen mit Vorerkrankungen Anfang dieses Jahres als Erste geimpft wurden, sei es wichtig, dass man bei ihnen jetzt auffrischt, erklärt Watzl. Gerade angesichts steigender Infektionszahlen sollten diese Risikogruppen für den Herbst und Winter gut geschützt sein. Zwar ist bei Durchbruchsinfektionen, also wenn Geimpfte sich anstecken, die Gefahr schwerer Verläufe auch für Risikogruppen geringer, sie besteht aber. Und sie steigt, je weniger gut der aufgebaute Schutz im Körper ist. Außerdem sind Langzeitfolgen wie Long Covid nicht auszuschließen. Zudem besteht das Risiko, andere ebenfalls gefährdete Menschen anzustecken.

Hat sich die Stiko schon positioniert?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) hat noch keine Empfehlung für die Auffrischung ausgesprochen. Sie beschäftigt sich zwar schon mit der Thematik, vor Ende September/Anfang Oktober wird sie sich nach Auskunft des RKI aber voraussichtlich nicht dazu positionieren. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte sich zuletzt zu Auffrischungsimpfungen geäußert: Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten hält er eine Auffrischungsimpfung in diesem Herbst durchaus für sinnvoll. Für die meisten sei eine Auffrischung in diesem Herbst aber unnötig.

Helfen Antikörpertests bei dieser Impfentscheidung?

Es gibt Experten, die fordern: Zunächst einen Antikörpertest machen, ehe man die Auffrischung gibt. So sehe man, wie gut die Person geschützt ist und ob die dritte Spritze überhaupt nötig ist. Es gibt laut Immunologe Carsten Watzl nur ein Problem: Es fehle ein konkreter Grenzwert bei der Menge der gemessenen Antikörperkonzentration im Blut, ab dem man sicher sagen könnte, dass hier noch ein wirksamer Schutz besteht.

Bei einem Wert von 500 BAU/ml (BAU steht für Binding Antibody Units) würde Watzl sagen: „Wahrscheinlich sind sie noch gut geschützt, aber ob es ausreichend ist, ist die Frage.“ Deshalb ergebe so ein Test für die meisten Menschen im Moment keinen Sinn. Ausnahmen gibt es: Menschen mit Immunschwäche etwa können durch solch einen Test sehen, ob eine Impfung überhaupt angeschlagen hat.

Ist eine Auffrischung für alle sinnvoll?

Eine dritte Impfung für alle mit sechs bis acht Monaten Abstand zur vorherigen Impfserie ergebe aus immunologischer Sicht absolut Sinn, sagt Watzl. Grund: Das Immunsystem ist in der Lage, die Immunantwort zu verbessern, wenn es immer wieder auf den gleichen Erreger trifft. Das heißt: „Die Antikörper werden nicht nur verstärkt gebildet, sie passen sich besser an den Erreger an.“ Außerdem bildeten sich mehr sogenannte Gedächtniszellen. Diese Zellen merken sich quasi den Erreger und sorgen dafür, dass der Körper rasch wieder mit der Bildung von Antikörpern startet, sobald sie dem Erreger begegnen.

Warum bekommen dann nicht alle eine Auffrischung angeboten?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwägt das in einem zweiten Schritt, nachdem also etwa die Risikogruppen versorgt sind. Doch neben der Logistik spielen auch ethische Überlegungen eine Rolle: Ist es vertretbar, immungesunden Mittdreißigern eine Auffrischung zu geben, während in anderen, ärmeren Ländern viele Ältere, Geschwächte und Mediziner noch ungeschützt sind? Die Weltgesundheitsorganisation kritisiert die Pläne für Auffrischungen bei Gesunden. Denn gerade dort, wo viele noch ohne Impfschutz sind, bildeten sich oft neue Virusvarianten.

Warum wird nur mRNA-Impfstoff für die Auffrischung genommen?

Erst eine Spritze mit Astrazeneca, dann eine mit einem mRNA-Impfstoff zum Beispiel von Biontech/Pfizer: Diese Kombination war laut Watzl mit Blick auf die Schutzwirkung bisher am erfolgreichsten. Denn das Immunsystem kann auf unterschiedliche Arten eine Immunität aufbauen. Vereinfacht gesagt legt der Vektor-Impfstoff eine Grundlage, auf der der mRNA-Impfstoff die Immunabwehr noch mehr stärkt. Das funktioniert aber nur in dieser Reihenfolge.

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Wer also schon zweimal mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurde, dem würde eine dritte Impfung mit einem Vektor-Impfstoff nicht so viel bringen wie eine dritte mRNA-Impfung. Wer hingegen nur zweimal den Impfstoff von Astrazeneca oder einmal jenen von Johnson & Johnson bekommen hat, erhält durch die dritte Impfung mit dem mRNA-Impfstoff „wahrscheinlich einen tollen Schutz“. (dpa/rnw)

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