merken
PLUS Pirna

Was die Festung nach dem Lockdown plant

Das Team auf dem Königstein nutzt die besucherfreie Zeit, um neue Ausstellungen vorzubereiten. Eine davon sogar im Reich der Mitte.

Für Besucher derzeit geschlossen: Die Festung Königstein.
Für Besucher derzeit geschlossen: Die Festung Königstein. © Archivfoto: Marko Förster

Keine Touristen, keine Ausflügler: Die Festung Königstein war im Dezember noch nie so verwaist wie derzeit. Wegen des Corona-Lockdowns ist das rund neun Hektar große Felsplateau samt Museen und Ausstellungen seit November für Besucher geschlossen. Gearbeitet wird auf dem Königstein, der jährlich von etwa einer halben Million Gästen besucht wird, dennoch.

Das Team um Festungschefin Angelika Taube bereitet sich auf die Zeit nach den Corona-Einschränkungen vor. Wann diese aufgehoben oder gelockert werden, steht zwar im Moment noch nicht fest. Dennoch: Die Festung will vorbereitet sein, wenn Freizeiteinrichtungen wieder erste Besucher begrüßen dürfen. Für 2021 gibt es deshalb einen festen Plan. Insgesamt vier neue Ausstellungen sollen eröffnet werden.

Anzeige
Fit und ohne Erkältung durch den Winter
Fit und ohne Erkältung durch den Winter

Nicht nur ein gesunder Lebensstil, auch ein Griff in die Phytothek kann dabei helfen, den Körper zu stärken. Professionelle Beratung gibt es in den StadtApotheken.

Scherben als Sensationsfund

Die erste bereits am 27. März. Dann soll die Sonderschau "Viel früher als gedacht!" starten. Dabei geht es um den frühe Geschichte des Königstein in der Bronzezeit. Das Plateau soll bereits um 1.000 vor Christus besiedelt worden sein. Darauf deuten etwa 3.000 Jahre alte Scherben hin, die vor vier Jahren auf der Festung entdeckt wurden.

Ein Bagger schnitt damals bei Tiefbauarbeiten eine unberührte Abfallgrube an. Und legte 55 Scherben frei, die auf den ersten Blick unscheinbar schienen. Der Fund erwies sich jedoch als Sensation. Die Scherben stammten aus der Spätbronzezeit und belegten, dass bereits vor 3.000 Jahren Menschen auf dem Königstein siedelten. Die Historie des Tafelberges musste damit umgeschrieben werden. Der Fund ist der Aufhänger für die neue Sonderausstellung, die vom 27. März bis 31.Oktober in der Magdalenenburg gezeigt werden soll.

Schmuck für das Kurfürstenpaar

Ein weiterer Höhepunkt ist in der Georgenburg geplant. In einem Zimmer, das dafür umgebaut wird, werden lebensecht wirkende Figuren von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und seiner Gemahlin Magdalena Sibylla einziehen. Die Puppen werden die aufwendig gestalteten Kostüme tragen, in denen sich Schauspieler 2019 zum Renaissancefest anlässlich des 400-jährigen Jubiläums der Johann-Georgenburg auf der Festung präsentierten. "Die Kostüme sollen nicht einfach in den Fundus gehen, sondern weiter gezeigt werden", erklärt Angelika Taube, Geschäftsführerin der Festung Königstein.

Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (re.) und seine Gemahlin Magdalena Sibylla beim Renaissancefest 2019 auf der Festung Königstein. Die Kostüme sind zu schade für den Fundus.
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (re.) und seine Gemahlin Magdalena Sibylla beim Renaissancefest 2019 auf der Festung Königstein. Die Kostüme sind zu schade für den Fundus. © Archivfoto: Marko Förster

Der Kurfürst und seine Gemahlin werden nicht nur aufwendige Kostüme tragen, die für das Jubiläum per Hand maßgeschneidert wurden, sondern auch besonderen Schmuck. Auch dieser wurde für die Ausstellung gefertigt - von der Dresdner Schmuckgestalterin Brit Kolleß. Als Vorlage dafür dient ein historisches Doppelporträt von Johann Georg I. und Magdalena Sibylla, das in den staatlichen Kunstsammlungen hängt.

Schatzhaus wird neu gestaltet

Das dritte Projekt betrifft das Schatzhaus. Hier soll die Ausstellung neu gestaltet werden. Zuvor steht noch die Renovierung des Innenraums an. "Wir planen die Arbeiten für den Herbst 2021", kündigt Angelika Taube an.

Das Schatzhaus auf der Festung Königstein. Im Herbst wird der Ausstellungsraum renoviert.
Das Schatzhaus auf der Festung Königstein. Im Herbst wird der Ausstellungsraum renoviert. © Daniel Schäfer

Ende des neuen Jahres soll die Schau dann fertig sein. Diese beschäftigt sich mit der Geschichte des Schatzhauses als "Tresor". Denn das Haus auf dem Königstein diente in Kriegszeiten als sicheres Lager für den Staatsschatz, der bis zu 2 Millionen Taler umfasste.

Festung wirbt in China

Die vierte und wohl bedeutendste Ausstellung wird dagegen gar nicht auf dem Königstein stattfinden. Die Festung will sich 2021 in China präsentieren - in der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt Nanjing nahe Shanghai. Hier soll eine Schau über eine der größten Bergfestungen in Europa gezeigt werden. "Es ist sozusagen ein Gegenprojekt", wie es Angelika Taube formuliert.

Auftakt der Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Nanjing: 2017 wurde auf dem Königstein eine Ausstellung über Nanjings Stadtmauer eröffnet, die zu den längsten erhaltenen Stadtmauern der Welt gehört. 2021 folgt das Gegenprojekt im Reich der Mitte.
Auftakt der Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Nanjing: 2017 wurde auf dem Königstein eine Ausstellung über Nanjings Stadtmauer eröffnet, die zu den längsten erhaltenen Stadtmauern der Welt gehört. 2021 folgt das Gegenprojekt im Reich der Mitte. © Archivfoto: Marko Förster

Denn 2017 widmete sich eine Schau auf der Festung der Stadtmauer in Nanjing. Diese war einst 33 Kilometer lang. Heute sind rund 25 Kilometer erhalten. Damit zählt der Bau zu den längsten erhaltenen Stadtmauern der Welt. Nun ist die Festung dran, die sich ab Oktober in China präsentieren wird. "Das ist Werbung für ganz Sachsen", sagt die Festungschefin.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna