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Was hinter der Idee mit kürzerer Quarantäne steckt

Wie lange sollte man bei einem Corona-Verdacht zu Hause bleiben? In der Debatte geht vieles drunter und drüber.

Die elektronische Anzeige auf der A 8 weist Rückkehrer aus Risikogebieten auf die Quarantäne-Pflicht hin. Über die Dauer ist eine Debatte entbrannt. Gesundheitspolitiker halten eine Verkürzung auf zehn Tage für sinnvoll.
Die elektronische Anzeige auf der A 8 weist Rückkehrer aus Risikogebieten auf die Quarantäne-Pflicht hin. Über die Dauer ist eine Debatte entbrannt. Gesundheitspolitiker halten eine Verkürzung auf zehn Tage für sinnvoll. © Marijan Murat/dpa

Von Regina Wank

Jemand hat sich mit dem Coronavirus infiziert – doch wie lange soll er oder sie zu Hause bleiben? Im Betrieb gab es einen Corona-Fall – muss das ganze Unternehmen jetzt für 14 Tage schließen? In die Diskussion um die Verkürzung der Quarantäne- und Isolationsfristen kommt nach einem Vorschlag des Berliner Virologen Christian Drosten Bewegung. Die SZ beantwortet wichtige Fragen.

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Isolierung, Quarantäne, Cluster – was bedeuten diese Begriffe?

Die Begriffe gehen oft durcheinander und werden nicht immer richtig verwendet. Eine Isolierung oder Isolation betrifft nach Angaben des Gesundheitsministeriums Menschen, die infiziert sind und das Virus ausscheiden. Quarantäne hingegen bezieht sich demnach auf diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten und möglicherweise infiziert sind. Mit der Quarantäne soll vermieden werden, dass sie während der Inkubationszeit ungewollt andere Menschen anstecken. Cluster sind bestimmte Gruppen von Menschen, in denen sich viele Leute mit dem Virus infiziert haben könnten. Das kann beispielsweise bei Familienfesten und in Unternehmen der Fall sein.

Was schlägt der Virologe Christian Drosten genau vor?

Der Berliner Virologe Christian Drosten hat einen Vorschlag zu dem Thema gemacht. Für infizierte Patienten empfiehlt er Folgendes: „Ab dem Zeitpunkt der Diagnose geht der Patient noch fünf Tage in Heimisolierung. Dann erfolgt eine Testung und bei niedriger Viruslast eine Aufhebung der Isolierung“, schrieb er am Freitag. Dies gelte natürlich nur bei milden Fällen mit geringem Risiko der Verschlechterung.

Bei einem bloßen Verdacht auf eine Infektion, also wenn jemand keine Symptome hat und noch nicht getestet wurde, sieht die Sache anders aus. „Hier macht man 14 Tage Quarantäne und wartet auf die Entwicklung von Symptomen“, sagt Drosten. Derzeit laufe auf EU-Ebene eine Diskussion, ob man diesen Zeitraum auf zehn Tage reduzieren könne. „Ich denke, das geht. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sogar noch ein paar Tage weiter reduzieren kann, zum Beispiel auf sieben Tage.

Andere Wissenschaftler befürworten auch eine Verkürzung der Quarantäne. „Ja, ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Quarantäne-Zeit deutlich kürzer als 14 Tage sein darf und sollte. Wie lange genau hängt davon ab, wie viel Sicherheits- bzw. Gewissheits-Bedürfnis die Behörden haben“, sagt Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Das gelte aber nur für asymptomatische Kontaktpersonen.

Welche Regelungen gelten bisher?

Das RKI gibt dazu auf Anfrage keine Auskunft, verweist aber auf seine Website. Demnach kommt es bei einer Covid-19-Infektion auf die Schwere des Krankheitsverlaufs an. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können die Kranken nach mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit und frühestens zehn Tage nach Symptombeginn aus der Isolierung entlassen werden – wenn zusätzlich ein negativer PCR-Test vorliegt. Bei leichten Verläufen braucht es den negativen PCR-Test nicht, sondern die Kranken können nach 48 symptomfreien Stunden und frühestens zehn Tagen wieder unter Menschen. Und bei einer Infektion ohne Symptome soll die Isolierung frühestens zehn Tage nach Erstnachweis des Erregers aufgehoben werden.

Anders sind die Regeln bei einer Quarantäne. Die wird angeordnet, weil jemand ansteckungsverdächtig ist, ohne selber krank oder krankheitsverdächtig zu sein. Dabei empfiehlt das RKI, 14 Tage lang zu Hause zu bleiben.

Was favorisieren die Gesundheitspolitiker?

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Die Bundesregierung hält sich derzeit noch bedeckt. Ihr Sprecher Steffen Seibert verwies am Freitag darauf, dass für die Regierung derzeit die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten. Wenn es wegen neuer Erkenntnisse neue Empfehlungen gebe, würden diese auch vom RKI ausgehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist offen für Überlegungen, die Quarantäne in Corona-Verdachtsfällen von derzeit 14 Tagen zu verkürzen. Auch die gesundheitspolitischen Sprecherinnen der SPD-, FDP- und Grünen-Fraktion plädierten für eine Verkürzung der häuslichen Absonderung. (dpa)

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