merken
PLUS Politik

Was passiert, wenn sich ein Schüler mit Corona infiziert?

Das Schuljahr soll für alle Kinder möglichst normal stattfinden. Streit gibt es aber um die Quarantäneregeln. Ein Blick ins Ausland könnte das Problem lösen.

Eine Schülerin macht vor Unterrichtsbeginn einen Corona-Antigen-Schnelltest.
Eine Schülerin macht vor Unterrichtsbeginn einen Corona-Antigen-Schnelltest. © Marius Becker/dpa (Symbolfoto)

Von Julia Bernewasser

In fast allen Bundesländern (bis auf Bayern und Baden-Württemberg) sind die Sommerferien inzwischen vorbei und ein neues Schuljahr hat begonnen. Ein weiteres unter Corona-Bedingungen.

Inzwischen steigt zwar die Impfquote der 12 bis 17-Jährigen (rund 34 Prozent sind erstgeimpft), doch die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt in der Altersgruppe hoch (laut RKI Wochenbericht liegt sie bei 170 für die 10 bis 19-Jährigen). "Die vierte Welle nimmt insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung weiter an Fahrt auf", schreibt das Robert Koch-Institut.

Anzeige
Natururlaub im Land der 1000 Seen
Natururlaub im Land der 1000 Seen

Die Mecklenburgische Seenplatte bildet mit 1.117 natürlichen Gewässern das größte geschlossene Seengebiet Europas.

Schule soll trotzdem stattfinden - und das am besten für alle in Präsenz. Was aber passiert, wenn sich ein Schüler mit Corona infiziert? Geht dann die gesamte Klasse in Quarantäne oder nur die Sitznachbarn?

Über diese Frage streiten aktuell die Bundesländer. Denn bislang gibt es jeweils höchst unterschiedliche Vorgaben, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden.

Abhilfe soll ein für Montag einberufenes Treffen der Gesundheitsminister schaffen. Dabei sollen in Sachen Quarantäne bei Corona-Infektionen an Schulen „möglichst einheitliche Regeln“ gefunden werden, betont der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern.

Auch Kanzleramtsminister Helge Braun ist für eine Vereinheitlichung und Verkürzung der Quarantänemaßnahmen bei Corona-Fällen an Schulen. „Ich wünsche mir eine einheitliche Regelung, die sich eng an dem orientiert, was wir in der Ministerpräsidentenkonferenz schon mal beschlossen haben, nämlich fünf Tage plus dann Freitestmöglichkeit“, sagte der CDU-Politiker am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht sich für eine einheitliche Quarantäne von fünf Tagen aus, die dann mit einem negativen Test beendet werden könne, sagte er am Montag. Gelten solle dies zudem nur für "umsitzende" Kinder und nicht die ganze Klasse. Voraussetzung dafür sei aber, dass Grundregeln umgesetzt würden, nämlich Maske tragen für alle im Unterricht, regelmäßige Tests und Lüftungskonzepte.

Einheitliche Regelungen fordert ebenso der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Und auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rief die Länder dazu auf, sich auf eine „klare Linie“ zu verständigen.

Karliczek will Quarantäne verkürzen

Zu Zurückhaltung bei der Quarantäne rief der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes auf. „Wenn eine gute Lüftung im Klassenzimmer gewährleistet ist, wenn vielleicht sogar eine Raumluftfilteranlage drin ist, dann muss man nicht die Kinder einer ganzen Klasse in Quarantäne schicken“, sagte Heinz-Peter Meidinger im RND-Podcast „Die Schulstunde“. „Dann kann man sich auch auf die unmittelbaren Banknachbarn konzentrieren.“ Eine Rolle spiele auch, ob es eine Maskenpflicht gebe. Geimpfte Kinder müsse man nicht in Quarantäne schicken.

Lohnt sich dabei für die Gesundheitsminister vielleicht ein Blick ins Ausland? In Großbritannien sollen die Schüler sich zwei Mal pro Woche zuhause testen. Wird ein Kind positiv auf das Virus getestet, so muss es zehn Tage in Quarantäne. Nur Mitschüler mit engem Kontakt zu der Personen müssen einen PCR-Test machen.

Sofern das Ergebnis negativ ist, müssen sie sich nicht in Quarantäne begeben. So soll verhindert werden, dass ganze Klassen erneut in Quarantäne gehen müssen und wieder Unterricht ausfällt.

Hohe Impfquote bei Jugendlichen in Frankreich

In Frankreich unterteilt man in Grundschüler und Schüler weiterführender Schulen. Da in Grundschulen Kinder noch nicht geimpft sind, muss sich die gesamte Klasse in Quarantäne begeben, sobald es einen positiven Fall gibt, und zwar sieben Tage lang. An weiterführenden Schulen muss nur in Quarantäne, wer nicht geimpft ist. So hofft man auch unter Schülern die Impfrate steigern zu können.

Inzwischen sind hier 48 Prozent der Jugendlichen geimpft. Vom 30. September an müssen auch Jugendliche ab 12 Jahren für den Besuch vieler Einrichtungen einen Gesundheitspass zum Nachweis von Impfung, Test oder Genesung vorlegen.

In Dänemark wiederum geht nur in Quarantäne, wer direkten Körperkontakt mit der infizierten Person hatte oder sich 15 Minuten neben ihm aufgehalten hat. Der Erkrankte muss dann sieben bis zehn Tage in Isolation, der Kontakt etwas weniger. Unter-12-Jährige sollen sich grundsätzlich häufig testen, weil es für sie noch keine Impfung gibt.

Weiterführende Artikel

Stiko für parallele Grippe-Impfung

Stiko für parallele Grippe-Impfung

Polizei schnappt Impfpass-Fälscher, 3G-Regeln ab Sonntag auch im Kreis Bautzen, Mehrheit gegen Ende aller Corona-Auflagen - der Newsblog.

Im Landkreis Meißen gibt es 92 Schulen

Im Landkreis Meißen gibt es 92 Schulen

Die Anzahl der Schüler ist im Vergleich zu den Vorjahren nur gering angestiegen. Am meisten noch in den 48 Grundschulen.

So lief der Start nach den Sommerferien

So lief der Start nach den Sommerferien

Der Schulalltag steht erneut im Zeichen von Corona. Der Auftakt klappt. Doch an manchen Schulen war der Unmut über die Corona-Regeln deutlich zu sehen.

Kultusminister bringt Zuckertüte nach Grünlichtenberg

Kultusminister bringt Zuckertüte nach Grünlichtenberg

Gleich am ersten Schultag kommt Christian Piwarz aus Dresden in die Grundschule bei Kriebstein. Vor Ort unterstreicht er die Öffnung der Schulen trotz Corona.

Insgesamt ist das skandinavische Land beim Thema Impfen aber weit fortgeschritten. In Dänemark sind rund 72 Prozent der 5,8 Millionen Einwohner gegen das Coronavirus geimpft. Die Pflicht zum Tragen einer Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln wurde schon Mitte August abgeschafft. Am 10. September sollen alle Corona-Einschränkungen wegfallen. (mit dpa)

Mehr zum Thema Politik