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Wegen Corona: Forststeig boomt wie nie

Die dritte Saison der Trekkingroute in der Sächsischen Schweiz startete später und endete früher. Dennoch wurde der Besucherrekord geknackt.

Einst Forsthütte, heute Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer: "Willys Ruh" bei Rosenthal.
Einst Forsthütte, heute Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer: "Willys Ruh" bei Rosenthal. © Archivfoto: Norbert Millauer

Erst durften sie nicht kommen, dann kamen sie in Scharen: Der Forststeig Elbsandstein wurde in diesem Jahr von so vielen Wanderern bevölkert wie noch nie. Rund 8.600 Übernachtungsgäste hat der Sachsenforst auf der gut 110 Kilometer langen Trekkingroute, die im linkselbischen Teil der Sächsischen und Böhmischen Schweiz verläuft, gezählt.

Die Zahl ergibt sich aus den verkauften Trekkingtickets. Wer in den Hütten oder auf den Biwakplätzen übernachten will, muss dafür einen Obolus zahlen. Etwa 14.000 dieser Tickets wurden dieses Jahr verkauft. Der Großteil, rund 12.000 Tickets, ging an Erwachsene. Die übrigen 2.000 Karten sind für Kinder und Jugendliche bestimmt. Tatsächlich eingelöst wurden 2020 etwa 8.600 der erworbenen Trekkingtickets.

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Im vergangenen Jahr hatten knapp 6.000 Wanderer am Forststeig campiert. Dieses Jahr sind es etwa 50 Prozent mehr. Die dritte Forststeig-Saison bricht damit alle Rekorde. Und das trotz oder auch gerade wegen der Corona-Situation.

Individualtourismus gewinnt

Die Wandersaison konnte zwar planmäßig Anfang April beginnen - allerdings nur für Tagestouristen. Die Trekkinghütten und Biwakplätze mussten zu der Zeit noch geschlossen bleiben. Erst Ende Mai durfte an den ausgewiesenen Plätzen wieder gezeltet werden. Mitte Juni konnten dann auch die Trekkinghütten öffnen. Trotz verspätetem Saisonstart - die Übernachtungszahlen sind 2020 erneut gestiegen. Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt, sieht vor allem einen Grund: Wegen der Corona-Beschränkungen boomte dieses Jahr der Inlandstourismus. Vor allem die Sächsische Schweiz bekam das zu spüren. Das zeigte sich auch am Forststeig. "Gefühlt 50 Prozent der Übernachtungsgäste kamen wegen der Corona-Situation zum Forststeig", sagt Borrmeister.

Die Trekkingroute verläuft abseits besiedelter Gebiete. Nur geübte Wanderer sollten sich auf diesen Trail wagen. Viel Begegnungsverkehr gibt es deshalb nicht - ideale Bedingungen während einer Pandemie.

Biwaks voll, Hütten leer

Geboomt haben deshalb vor allem auch die Biwakplätze. Anders, als in den Trekkinghütten, in denen sich die Wanderer größere Schlafsäle teilen müssen, bieten sie noch mehr Freiraum. Zwei von drei Übernachtungsgästen - insgesamt rund 6.200 Personen - haben dieses Jahr das Zelt der Hütte vorgezogen. Im Sommer wurde es deshalb auf den Biwakplätzen eng. "Von Mitte Juli bis Ende August waren sie top besucht", sagt Uwe Borrmeister. Anfang Juli seien die Kapazitäten der Biwaks teilweise erschöpft gewesen.

Besonders gut besucht war laut Statistik das Spitzstein-Biwak nahe Cunnersdorf. Insgesamt 1.500 Camper wurden hier gezählt - und damit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 670 Gästen. Doppelt so ausgelastet wie 2019 war auch das Zschirnstein-Biwak nahe der tschechischen Grenze mit rund 1.100 Besuchern. In den fünf Trekkinghütten haben dagegen deutlich weniger Wanderer geschlafen. In der Grenzbaude schlugen 2019 noch rund 600 Ausflügler ihr Nachtlager auf, dieses Jahr waren es nur etwa 400.

Moderne Technik zählt Wanderer

Obwohl es auf den Biwaks im Sommer eng war, laut Sachsenforst hätte es unter den Wanderern keine Ansteckung mit Covid-19 gegeben. "Wir können zwar nicht ausschließen, dass ein Besucher mit dem Coronavirus infiziert war", sagt Forstbezirksleiter Uwe Borrmeister. Es hätte jedoch keine Recherchen oder Meldungen dazu von Gesundheitsämtern gegeben. Borrmeister wertet das als gute Nachricht für den Outdoor-Tourismus. "Dennoch ist und bleibt das Virus unberechenbar", sagt er.

Um die Besucherentwicklung am Forststeig künftig noch besser beobachten zu können, hat der Sachsenforst dieses Jahr auf moderne Technik gesetzt. Ende August wurde an der ersten Etappe zwischen dem Großen Zschirnstein und dem Taubenteich eine Messstelle installiert. Das Gerät registrierte seit Mitte September jeden Wanderer, der daran vorbeigeht. Pro Tag seien hier im Durchschnitt zwölf Personen gesichtet worden. An einem Spitzentag Ende September waren es 71. "Nächstes Jahr wollen wir eine zweite Messstelle schaffen", kündigt Borrmeister an - ebenfalls in einem siedlungsfernen Gebiet.

Hier geht's lang: Bis zum Start in die neue Saison 2021 müssen viele dieser Wegmarkierungen erneuert werden.
Hier geht's lang: Bis zum Start in die neue Saison 2021 müssen viele dieser Wegmarkierungen erneuert werden. © Archivfoto: Marko Förster
Die Hütten sind einfach, aber funktional eingerichtet. Es gibt Schlafsäle oder Schlaflager und einen Aufenthaltsraum mit Ofen und Sitzgelegenheiten.
Die Hütten sind einfach, aber funktional eingerichtet. Es gibt Schlafsäle oder Schlaflager und einen Aufenthaltsraum mit Ofen und Sitzgelegenheiten. © Archivfoto: Marko Förster
Unter freiem Himmel übernachten funktioniert an einem der sechs Biwakplätze. Im Sommer wurde das Zehrborn-Biwak im hinteren Bielatal eröffnet.
Unter freiem Himmel übernachten funktioniert an einem der sechs Biwakplätze. Im Sommer wurde das Zehrborn-Biwak im hinteren Bielatal eröffnet. © Uwe Borrmeister/Sachsenforst
110 Kilometer über 13 Tafelberge: der Forststeig Elbsandstein.
110 Kilometer über 13 Tafelberge: der Forststeig Elbsandstein. © Sachsenforst

Saisonstart 2021 wird vorbereitet

Derzeit ruht der Tourismus am Forststeig zwar. Hinter den Kulissen werde jedoch die neue Saison vorbereitet. Über den Winter werden beispielsweise die Trekkinghütten fit gemacht und kleinere Reparaturen ausgeführt. Am 13. März 2021 plant der Sachsenforst einen Aktionstag, an dem Freiwillige den Forststeig in Ordnung bringen, Markierungen aufstellen und den Weg freischneiden. Am 27. März soll dann die neue Saison starten - wenn es die Corona-Situation erlaubt.

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