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Weihnachtsmänner im Lockdown?

Die Corona-Pandemie macht auch vor der Bescherung am Heiligen Abend nicht halt. So reagieren die Weihnachtsmann-Agenturen in Dresden.

Hendrik Scholz ist seit 20 Jahren leidenschaftlicher Weihnachtsmann. Auch dieses Jahr will er seinen Service anbieten.
Hendrik Scholz ist seit 20 Jahren leidenschaftlicher Weihnachtsmann. Auch dieses Jahr will er seinen Service anbieten. © Marion Doering

Dresden. Die gute Nachricht ist: In diesem Jahr ist die Gefahr besonders gering, dass der Nachwuchs den Weihnachtsmann als den Opa oder Nachbarn entlarvt. Zumindest dann, wenn er neben Bart und Mütze auch eine Schutzmaske trägt.

Eltern, die auf Nummer sicher gehen wollen, greifen gern auf einen gemieteten Weihnachtsmann zurück, den normalerweise diverse Agenturen bereitwillig vermitteln. Aber was ist schon normal in diesem Corona-Jahr? In Zeiten, in denen unnötige Kontakte vermieden werden sollen, kann ein Weihnachtsmann, der von Tür zu Tür sieht, schnell zum Superspreader werden. Oder nicht?

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Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Allein die Studentische Arbeitsvermittlung in Dresden ließ vergangenes Jahr mit ihren 60 Weihnachtsmännern noch fast 400 Familien bescheren. Dieses Jahr hat sie allerdings alles abgeblasen: „Leider können wir aufgrund der zu hohen Ansteckungsgefahr nicht verantworten, Weihnachtsmänner und Engel von Familie zu Familie zu schicken“, heißt es auf der Website.

Die Corona-Pandemie bringt in diesem Jahr unzählige Miet-Weihnachtsmänner um ihren Job.
Die Corona-Pandemie bringt in diesem Jahr unzählige Miet-Weihnachtsmänner um ihren Job. © dpa

Die Entscheidung im Verein sei einstimmig gefallen, sagt Luzia Franke. „Weniger Haushalte oder gar nur ein Haushalt pro Weihnachtsmann, das wäre für uns als Vermittlung nicht wirtschaftlich.“ Wer unbedingt wolle, könne selbst eine Anzeige schalten.

Abgesehen davon glaubt Luzia Franke nicht, dass Hygienekonzepte in der Praxis sicher umgesetzt werden könnten. Gerade bei kleinen Kindern. Außerdem sei das doch dann nicht mehr authentisch.

Diesen Einwand versteht auch Hendrik Scholz. Der Dresdner vermittelt mit seinem SSH Party-Team DJs und andere Künstler, bietet Kinderanimation an – und seit acht Jahren auch Weihnachtsmänner. „Dieses Jahr ist natürlich auch uns so gut wie alles weggebrochen“, sagt der 44-Jährige.

Anders als die Studentische Arbeitsvermittlung hat er sich aber dafür entschieden, am Heiligen Abend seine Leute in rote Mäntel zu stecken und auf Tour zu schicken. „Letztes Jahr waren wir zu acht. Zwei haben diesmal abgesagt, weil sie zur Risikogruppe gehören“, sagt Scholz.

Die Gefahr, dass durch seinen Service ein Virus auf dem Gabentisch landen könnte, sieht er nicht. Dafür würden schon die inzwischen allseits bekannten AHA-Regeln sorgen, auf die er Wert lege: Abstand halten, Handhygiene, Alltagsmaske.

Das bedeutet unter anderem: kein Händeschütteln, keine Umarmungen und Fotos nur mit Abstand. Die Übergabe der Geschenke erfolgt kontaktlos, wie beim Paketdienst. Vor und nach jedem Auftritt muss sich der Weihnachtsmann die Hände desinfizieren und stets eine schicke rote Stoffmaske mit passendem Motiv tragen. „Sollte jemand eine Bescherung mit noch mehr Abstand wünschen, so richten wir uns selbstverständlich nach den Wünschen unserer Kunden“, sagt Scholz. Es gebe auch schon Anfragen von Familien, für die der Weihnachtsmann diesmal nur von draußen winken soll.

„Ein Stück Normalität“

Ansonsten achte er jedoch immer auf die Qualität des Auftritts. Weihnachtsmann zu sein, das sei mehr, als nur einen Geschenkesack vor die Tür zu stellen. „Da muss man auf jedes Kind anders eingehen. Die einen haben Angst, die anderen die große Klappe.“ Wer für ihn Weihnachtsmann sein will, der müsse daher erst im Bewerbungsgespräch überzeugen.

„Ich bin mir bewusst, dass durch all die Einschränkungen vieles wegfällt, was so eine Bescherung eigentlich ausmacht“, sagt Scholz. Trotzdem zeige ihm die große Nachfrage, dass viele Menschen dankbar seien. „Gerade unsere Stammkunden sind überglücklich, dass in diesem Jahr wenigstens der Weihnachtsmann kommt, wenn schon sonst nichts stattfindet“, sagt Scholz. „Wir sehen unseren Service vor allem als unseren kleinen Beitrag zu einem Stück Normalität.“

Für den Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr ist Scholz längst ausgebucht. Vormittags und am späteren Abend gebe es noch kleinere Lücken.

Ob er seinen Service trotz der vollen Auftragsbücher letztlich wirklich umsetzen darf, hängt nun auch davon ab, ob derartige Dienstleistungen bis dahin in Sachsen womöglich explizit verboten werden. Noch sei das Thema „Weihnachtsmann“ aber in keiner Verordnung enthalten, betont Scholz.

Um jeden Preis wolle er seinen Stiefel allerdings nicht durchziehen, denn Geld verdiene er damit kaum. Hauptberuflich lebt er von seinem festen Job in einem Autohaus und kann daher halbwegs verschmerzen, dass er mit seiner Künstler-Vermittlung bei den Hilfspaketen durch alle Raster gefallen ist.

Bei den Studierenden gucken dagegen nach der Absage der Weihnachtsmann-Vermittlung einige finanziell in die Röhre. So wie Toni Arnold. Der 19-jährige Student der Verfahrens- und Naturstofftechnik an der TU hatte vergangenes Jahr noch sechs Aufträge am Heiligen Abend. „Das hat sich richtig gelohnt.“ Klar ärgere er sich nun, habe aber Verständnis für die Entscheidung.

Zum Glück trete er im Januar eine Stelle als studentische Hilfskraft an. Im Dezember 2021 will er aber auf jeden Fall wieder den roten Mantel anziehen. „Das macht einfach Spaß, die vielen lachenden Kinder zu sehen.“

Die Serie "Advent ganz anders"

Was bleibt uns noch in diesem infektiösen Advent, in dem vieles, was diese Zeit sonst ausmacht, wegen Corona nicht stattfinden kann? Dieser Frage gehen wir auf den Grund und besuchen die Menschen, die Sachsen normalerweise in ein Weihnachtsland verwandeln.

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