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Corona-Unsicherheit liegt über den Weihnachtsmärkten

Auf den Trubel im Dezember will im Kreis Görlitz niemand verzichten. Doch ob er stattfinden kann, hängt im Moment am seidenen Faden.

Dass es in diesem Jahr einen Christkindelmarkt in Görlitz geben wird, ist recht wahrscheinlich. Doch wie er über die Bühne geht, richtet sich nach der Entwicklung der Corona-Pandemie.
Dass es in diesem Jahr einen Christkindelmarkt in Görlitz geben wird, ist recht wahrscheinlich. Doch wie er über die Bühne geht, richtet sich nach der Entwicklung der Corona-Pandemie. ©  Archiv/André Schulze

Ob in Görlitz, Niesky oder Rothenburg - Weihnachtsmärkte sind in den Städten der Region in der Adventszeit das "Salz in der Suppe". Doch ob die Menschen den Besuch genießen können oder ob er ihnen "versalzen" wird, hängt ganz allein von der Entwicklung der Corona-Zahlen ab. Die Organisatoren sind trotzdem optimistisch.

Benedikt Hummel kann seine Hand dafür zwar nicht ins Feuer legen, aber nach dem jetzigen Stand der Dinge findet der Schlesische Christkindelmarkt auch dieses Jahr in Görlitz statt. "Unsere Planungen richten sich jedenfalls ganz danach aus. Zudem haben wir bei Veranstaltungen wie dem Tippelmarkt schon Erfahrungen gesammelt", erklärt der Chef des Städtischen Kulturservice, der für die Organisation des Spektakels in der Neißestadt zuständig ist.

Stars im Strampler aus Niesky
Stars im Strampler aus Niesky

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus Niesky und Umgebung.

So nah wird der Weihnachtsmann den Kindern in diesem Jahr nicht kommen können. Abstandsregeln und Hygienegebote gelten natürlich auch auf den Weihnachtsmärkten in der Region.
So nah wird der Weihnachtsmann den Kindern in diesem Jahr nicht kommen können. Abstandsregeln und Hygienegebote gelten natürlich auch auf den Weihnachtsmärkten in der Region. ©  Archiv/André Schulze

Allerdings wird es einige Veränderungen geben. Wegen der notwendigen größeren Abstände zwischen den Verkaufsständen soll das Festgelände Richtung Obermarkt erweitert werden. "Weniger Händler sind deswegen aber nicht vorgesehen. Wir wollen das Angebot über die größere Fläche regeln", so Hummel. Die Bühne beim Flüsterbogen kommt ebenfalls auf den Obermarkt, denn auf Kultur soll in den Vorweihnachtstagen - im Gegensatz zum Tippelmarkt - nicht verzichtet werden. "Natürlich sind auch hier Richtlinien einzuhalten. Aber wenn die Gäste mitspielen, sollte das funktionieren." Nicht praktikabel ist dagegen die komplette Absperrung des Festgeländes. Denn: "Wenn jemand ins Rathaus will, dann muss er durch. Registrierung auf öffentlichem Grund bringt da keine Punkte." 

Überhaupt haben die Organisatoren großes Vertrauen in die Besucher des Christkindelmarktes. Denn in den Versorgungsbereichen sollen freiwillige, datenschutzkonforme Registrierungen angeboten werden. "Das ist kein großer Aufwand. Und im Fall der Fälle lassen sich so Kontaktbeziehungen durch das Gesundheitsamt viel schneller nachvollziehen", stellt Hummel den Vorteil heraus. Das Gleiche könne auch bei der Eislaufbahn auf dem Obermarkt sinnvoll sein, die vom 20. November bis 10. Januar zum Besuch einlädt und um 150 auf dann etwa 440 Quadratmeter erweitert wird. Der Christkindelmarkt findet vom 4. bis 20. Dezember statt. Der zusätzliche Weihnachtsmarkt am Postplatz steht unter dem Motto "Von der Dampfmaschine zur Brennstoffzelle" und soll Genuss mit technischem Erlebnis verbinden. In der gesamten Adventszeit werden hier handwerkliches Können und Innovationen vorgestellt.

Weihnachtliches Flair auf dem Zinzendorfplatz in Niesky. Die Stadt will auch im Corona-Jahr 2020 nicht darauf verzichten. Allerdings müssen sich die Besucher des Marktes auf Einschränkungen gefasst machen.
Weihnachtliches Flair auf dem Zinzendorfplatz in Niesky. Die Stadt will auch im Corona-Jahr 2020 nicht darauf verzichten. Allerdings müssen sich die Besucher des Marktes auf Einschränkungen gefasst machen. © Archiv/André Schulze

Auch Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann möchte den Weihnachtsmarkt in ihrer Stadt stattfinden lassen. "Wir arbeiten an Lösungen, das Geschehen zu entzerren." Deshalb soll der Zinzendorfplatz noch viel umfangreicher als bisher einbezogen werden. "Die Bauleute haben uns zugesagt, dass die Mittelachse und ein weiterer, größerer Teilbereich bis dahin fertig sind."

Für das obligatorische Hygienekonzept lassen sich die Nieskyer noch ein bisschen Zeit. "Die Corona-Entwicklung ist momentan sehr dynamisch. Da ist es schwierig, schon konkrete Dinge festzulegen", macht die Rathauschefin deutlich. Von einer Umzäunung des Geländes geht sie momentan nicht aus. "Wir sind im Freien und es gibt ständig fliegenden Wechsel. Wenn sich die Leute an die Verhaltensregeln halten, sollte das am zweiten Advent  funktionieren."

Auch Udo Hübner, der den Weihnachtsmarkt in Rothenburg organisiert, hält sich noch bedeckt, was Inhalt und Ablauf betrifft. Bei allen Unwägbarkeiten scheint nur so viel klar: "Vom 18. bis 20. Dezember sollen sich die Menschen bei uns vergnügen können." Wobei: Vergnügen ist unter diesen Umständen sicherlich ein relativer Begriff. Hübner räumt ein, dass der Organisationsaufwand in dieser besonderen Zeit viel größer ist. "Das Gelände muss neu überplant werden, die Händler sind zu verständigen - immer mit der Ansage, dass sich noch einiges ändern kann."

Dicht an dicht - so haben sich die Besucher des Weihnachtsmarktes auch in Rothenburg gedrängt. In diesem Jahr ist eine solche Nähe ausgeschlossen.
Dicht an dicht - so haben sich die Besucher des Weihnachtsmarktes auch in Rothenburg gedrängt. In diesem Jahr ist eine solche Nähe ausgeschlossen. © Archiv/Rolf Ullmann

Noch gar keine Klarheit gibt es derzeit in Reichenbach. Nach Informationen von Bürgermeisterin Carina Dittrich wird erst der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 14. Oktober darüber entscheiden, wie mit dem Weihnachtsmarkt in diesem Jahr verfahren wird. In der Verwaltung würde man das Markttreiben als Abwechslung für die Einwohner und Unterstützung für die Händler gern sehen. Das letzte Wort jedoch hätten die Abgeordneten, so die Rathauschefin.

Ein Stück weiter sind die Vorbereitungen schon in Kodersdorf gediehen. Tilmann Havenstein: "Wir schauen uns natürlich jeden Tag die Infiziertenzahlen an und überlegen, was noch passieren könnte bis zum zweiten Advent." Parallel dazu würden die Vorbereitungen natürlich laufen und sich nicht nur - wie bisher - auf das Gelände am Gemeindeamt, sondern auch auf den Park dahinter konzentrieren. "Uns ist klar, dass wir eine größere Fläche brauchen, deshalb beziehen wir das komplette Gelände ein", erzählt der zuständige Mitarbeiter in der Verwaltung. Auch den Einlass- und Ausgangsbereich wolle man großzügig dimensionieren. Zudem solle es eine Registrierung der Besucher geben. Nach bisherigen Berechnungen könnten sich dann etwa 600 Gäste gleichzeitig auf dem Gelände tummeln.

In Zittau laufen die Planungen - abhängig von der Corona-Entwicklung - ebenfalls im Hintergrund. "Die Art und Weise, wie gefeiert werden soll, ist zwar noch nicht ganz klar. Dass wir aber den Weihnachtsmarkt durchführen wollen, steht außer Frage", bestätigt Stadtsprecher Kai Grebasch. So hat man noch nicht entschieden, ob es zwischen dem 5. und 13. Dezember Bühnenprogramme geben wird. "Die Zuschauer könnten zu nahe beieinander stehen", gibt Grebasch zu bedenken. Von einer kompletten Absperrung des Festgeländes hält er aber nichts. "Das wäre ein Aufwand, den könnten wir nicht stemmen." Vielmehr soll das Sicherheitspersonal aufgestockt und an die Vernunft der Menschen appelliert werden. Unabhängig davon soll schon bald die Werbung anlaufen. "Das Risiko, dass wir uns vielleicht umsonst angestrengt haben, müssen wir einfach eingehen."

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