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Weihnachtsmarkt: Wer die Reißleine zieht

Die Kommunen in der Region Döbeln müssen sich für oder gegen einen Weihnachtsmarkt entscheiden. Einige haben das schon.

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Die Weihnachtswette hat stets hunderte Menschen auf den Waldheimer Weihnachtsmarkt gezogen. Da dieser aber schon zum zweiten Mal ausfällt, kommt es auch in diesem Jahr zu keiner Wette.
Die Weihnachtswette hat stets hunderte Menschen auf den Waldheimer Weihnachtsmarkt gezogen. Da dieser aber schon zum zweiten Mal ausfällt, kommt es auch in diesem Jahr zu keiner Wette. © Foto/Archiv: Dietmar Thomas

Region Döbeln. Trotz der steigenden Infektionszahlen dürfen Weihnachtsmärkte und Bergparaden in Sachsen weiterhin stattfinden. Die Veranstalter müssen jedoch Flanier- und Verweilbereiche einrichten, wenn sie auf die 2G-Regel, Kontakterfassung und Maskenpflicht verzichten wollen.

In den Bereichen von Ständen mit Essen oder Getränken und vor den Bühnen dürfen dann nicht mehr als 1.000 Besucher gleichzeitig anwesend sein. Andernfalls müssen die Kontakte erfasst und die 2G-Nachweise kontrolliert werden, und es gilt Maskenpflicht. Diese Vorgaben veranlassen einige Städte, die Reißleine zu ziehen.

Nur verkaufsoffener Sonntag in Waldheim

Noch vor vier Wochen ist Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) optimistisch gewesen, dass es in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt in seiner Stadt geben könnte. „Dass uns das so einholt, hätte ich nicht gedacht“, sagte er angesichts der sprunghaft gestiegenen Zahl der Corona-Infektionen.

In den vergangenen Tagen habe er Gespräche unter anderem mit Hauptamtsleiterin Mandy Schützel und Citymanager Nino Richter geführt, ob die Durchführung des Weihnachtsmarktes vom 3. bis 5. Dezember sinnvoll ist. Am Donnerstagabend ist das Thema auch in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses beraten worden. Nun steht die Entscheidung fest: Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt.

Es musste eine Entscheidung getroffen werden, sagte Steffen Ernst. „Die Verträge mit den Händlern und Schaustellern müssten nächste Woche raus“, so Ernst. Zudem würde in Anbetracht der jetzigen Situation, von einem Weihnachtsmarkt wie ihn die Waldheimer gewohnt sind, nicht viel übrig bleiben. „In diesem Sinne ist weniger mehr“, so Steffen Ernst.

Die beiden verkaufsoffenen Sonntage am zweiten und vierten Advent werden jedoch über die Bühne gehen, sagte der Bürgermeister. „Wir beraten jetzt gemeinsam mit Gewerbeverein und Citymanager, ob an diesen Tagen ein kleines Rahmenprogramm organisiert werden kann“, so Ernst.

Döbelner Markt wird zur Flaniermeile

Oberbürgermeister Sven Liebhauser sagte am Donnerstagabend bei der Sitzung des Stadtrates, dass Döbeln am Weihnachtsmarkt am Wochenende 10. bis 12. Dezember festhält. Das sei mit dem Stadtwerbering entschieden worden. „Wir wollen den Menschen ein Stück Normalität zurückgeben“, sagte Liebhauser.

Zudem hänge am Weihnachtsmarkt der verkaufsoffene Sonntag der Händler. Nach den geltenden Regeln sei bei bis zu 1.000 gleichzeitigen Besuchern 3G oder sogar 2G nicht notwendig. „Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten“, so Liebhauser.

Allerdings wird diesmal auf das Bühnenprogramm, den Anschnitt des Riesenstollens und das Weihnachtssingen verzichtet. „Der Weihnachtsmann und seine Helfer werden unterwegs sein, aber ohne Weihnachtsmannsprechstunde“, so Liebhauser. Auf dem Markt, der als „Flaniermeile“ angelegt ist, sollen 25 Stände stehen. Am 16. November wird mit dem Schmücken begonnen. Die Illumination soll am 1. Advent eingeschaltet werden.

In Leisnig fällt alles aus

In Leisnig wird es auch 2021 keinen Weihnachtsmarkt geben. In ihrer Sitzung am Donnerstagabend sind die Stadträte einer Empfehlung von Vize-Bürgermeister Hans-Hermann Schleußner (Wählervereinigung) gefolgt. Der appellierte, den für das zweite Adventswochenende geplanten Weihnachtsmarkt abzusagen. Die Corona-Entwicklung sei dramatisch, die Inzidenzen höher als vor einem Jahr.

Die meisten Räte sahen das ähnlich. Rüdiger Schulze und Ronny Naumann (beide CDU) hätten es allerdings lieber gesehen, diese Frage – Weihnachtmarkt ja oder nein – am Montag noch einmal zu stellen. Dann sollten alle am Weihnachtsmarkt beteiligten Vereine am Beratungstisch zusammenkommen.

Doch mehrere Räte drängten auf eine umgehende Entscheidung: „Wir haben die Verantwortung für die Menschen hier, wir müssen das entscheiden“, so Schleußner. Elgine Tur de la Cruz und Stefan Orosz (beide Die Linke) sahen das genauso. Ausfallen wird damit auch das traditionelle Anschieben der Pyramide in Leisnig. Das war für den Nachmittag des ersten Advents geplant.

Nach einer Mini-Variante des Weihnachtsbackens bei Burgbäcker Christian Münch sollte es mit Musik und Lampions an die Kirchstraße gehen. Dort hätten dann die Mitstreiter der Badinitiative für eine Stärkung gesorgt.

Mit der Absage des Leisniger Weihnachtsmarktes kann sich Christian Münch das Backen eines Riesenstollens zur Weihnachtsmarkteröffnung sparen. „Der lässt sich, auch in Scheiben geschnitten, bei keiner anderen Gelegenheit und auch in keiner Backfiliale verkaufen“, so Münch.

Roßwein und Ostrau halten vorerst an ihren Märkten fest

Auch die Roßweiner halten vorerst an ihrem Weihnachtsmarkt vom 26. bis 28. November fest – vorbehaltlich der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche, sagt Hauptamtsleiterin Michaela Neubert. Wie von vorherein geplant, sollen die Stände nicht nur vor dem Rathaus aufgestellt, sondern bis in die Kirchstraße auseinandergezogen werden.

Da der Verkauf von Speisen und Getränken erfolgen könne, sei auch das traditionelle Verkosten von Glühwein möglich. „Nur wenn die Abstände nicht eingehalten werden können, müssten die Besucher Masken tragen“, sagt Michaela Neubert.

Die Jahnataler proben derzeit Weihnachtslieder und gehen davon aus, dass sie diese auch auf dem Weihnachtsmarkt in Ostrau am 5. Dezember spielen können, sagt Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Bisher sei dieser weiter geplant. Die Kiebitzer hätten ihren Markt abgesagt. Und Anfang kommender Woche werde endgültig entschieden, ob die Seniorenweihnachtsfeier in einem geschlossenen Raum stattfinden kann.