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Auf Weltreise gestrandet

Eigentlich wollten Christoph und Laura aus Dresden innerhalb eines Jahres mit einem ausgebauten Bus von Panama nach Kanada reisen. Doch dann kam Corona.

Wer in Corona-Zeiten reist, sollte keine langfristigen Pläne schmieden. Das haben Christoph und Laura längst gelernt.
Wer in Corona-Zeiten reist, sollte keine langfristigen Pläne schmieden. Das haben Christoph und Laura längst gelernt. © privat

Dresden/San Salvador. Der kleine Funke, der fehlte, war ein Kinofilm. Nachdem er "Expedition Happiness" gesehen hatte, kam Christoph eines Tages nach Hause, und schlug seiner Freundin vor, einen Camper auszubauen und die Panamericana von Panama bis Alaska zu bereisen. Zuerst glaubte Laura, ihren Ohren nicht trauen zu können. "Von uns beiden ist er eher der bedachte Typ", sagt die 27-Jährige. "Während ich für wilde Träume und Fantasien zuständig bin, bleibt Christoph auf dem Boden."

Als er ihr nun geradezu euphorisch von seinen Reisevisionen erzählte, war sofort klar: Das ist nicht nur ein Hirngespinst. Sie würden das wirklich angehen. Denn Laura war innerlich schon lange für das große Abenteuer bereit gewesen. Nur die Gelegenheit und der Mut hatten bis zuletzt gefehlt.

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Bis dahin war ihr Leben eher beschaulich gewesen. Schon seit Schulzeiten in Radebeul kennen sich die beiden und sind seit mehr als zehn Jahren ein Paar. Christoph lernte Metallbauer und ließ sich danach zum Techniker weiterbilden. Solche Fähigkeiten sind viel wert, wenn man einen Camper ausbauen will. Laura lernte Handelsfachwirtin und studierte anschließend in Dresden BWL. "Hätte uns vor Jahren jemand erzählt, dass wir einmal auf eine solche Reise gehen würden - wir hätten ihn sicher für verrückt erklärt", sagt Laura. "Aber mit der Zeit haben wir zusammen und jeder für sich eine Entwicklung durchlebt."

Christoph sei zwar zufrieden in seinem Job gewesen, sehnte sich aber danach, aus seiner Komfortzone auszubrechen. Und sie? Sie wollte raus. Sie wollte reisen. Weit und lange.

Mit ihrem ausgebauten Ford Transit machten sich Laura und Christoph im Herbst 2019 auf den Weg.
Mit ihrem ausgebauten Ford Transit machten sich Laura und Christoph im Herbst 2019 auf den Weg. © privat

Als die Zeit reif war und die Ersparnisse ausreichten, kauften sie sich einen Kastenwagen, einen alten und bereits weit gefahrenen Ford Transit. "Unser Budget war knapp, also war Kreativität für den Ausbau zum fahrenden Zuhause gefragt." Ein halbes Jahr lang schraubten, sägten, strichen und nähten sie an Wochenenden und nach Feierabend.

Kaum fertiggestellt, ließen sie das Auto in Hamburg in einen Container verladen und schickten es schon mal vor nach Panama. Zwei Wochen später, im Herbst 2019, flogen Christoph und Laura hinterher.

Der Plan war recht ausgeklügelt: Innerhalb eines Jahres wollten sie von Panama nach Kanada fahren. Das ist nun 15 Monate her, und besonders weit sind sie noch nicht gekommen. Als sie gerade El Salvador durchquerten, holte sie die Corona-Pandemie ein. Die Grenzen wurden geschlossen und ein langer Lockdown verhängt.

"Seit neun Monaten sind wir nun bereits in diesem kleinen Land, haben ein Zuhause in der Ferne gefunden, neue Freunde kennengelernt, unser neues Familienmitglied, den Hund Molly bei uns aufgenommen und das Land so richtig kennengelernt", sagt Laura. Inzwischen seien die Grenzen wieder offen und es könne in Richtung Guatemala weitergehen.

Höhepunkt Vulkan-Boarding: In Nicaragua rutschte das Paar ins nächste Abenteuer.
Höhepunkt Vulkan-Boarding: In Nicaragua rutschte das Paar ins nächste Abenteuer. © privat

Und auch wenn Laura und Christoph noch nicht so viele Kilometer auf dem Tacho haben, wie vorgesehen - erlebt haben sie dennoch schon reichlich, betont Laura: "Wir haben uns am schönsten Sandstrand festgefahren, den höchsten Gipfel Panamas bestiegen, kleine Schildkröten ins Meer begleitet, Faultiere und Affen beobachtet, in einer deutschen Bäckerei in Costa Rica gearbeitet, atemberaubende Natur und beeindruckende Städte gesehen und uns in jedes Land auf seine Weise verliebt."

In Nicaragua erklommen sie den nicht mehr aktiven Vulkan Cerro Negro, um dann auf einem Brett den steilen Abhang aus Lava-Geröll wieder nach unten zu rutschen. "Außerdem haben wir den brodelnden Vulkan Masaya besichtigt und am Fuße des rauchenden Vulkans Momotombo übernachtet."

Ihre Eindrücke und Erlebnisse halten Christoph und Laura seit Anfang an in einem wort- und bildgewaltigen Blog fest, den nicht nur ihre Familien interessiert verfolgen.

"Wenn uns diese Reise etwas lehrt, dann dass Pläne zwar ganz nett sind, aber in den seltensten Fällen aufgehen", sagt Laura. "Vielleicht ist es ja genau das, was wir lernen sollten. Mehr Gelassenheit und Vertrauen, denn bisher hat sich noch in jeder Situation ein neuer Weg ergeben."

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