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Wenn das Museum geschlossen bleibt

Die Zwangspause wird in Döbeln für Arbeiten genutzt, die sonst liegenbleiben. Viele der 10.000 Objekte sind noch nicht digital erfasst. Das wird jetzt aufgeholt.

Museumsmitarbeiterin Larissa Batt katalogisiert im Depot des Stadtmuseums die Modelle von Plastiken des Bildhauers Otto Rost. Kunstobjekte stellen einen Schwerpunkt der Sammlung dar.
Museumsmitarbeiterin Larissa Batt katalogisiert im Depot des Stadtmuseums die Modelle von Plastiken des Bildhauers Otto Rost. Kunstobjekte stellen einen Schwerpunkt der Sammlung dar. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Döbelner Stadtmuseum hat ein schlechtes Jahr 2020 hinter sich. Lange musste das Museum geschlossen bleiben, Veranstaltungen und Ausstellungen wurden abgesagt. Statt 3.400 Besucher wie im Vorjahr schauten sich nur knapp 1.900 Menschen die Ausstellungen an.

Zeitweise waren nur sechs Besucher zur gleichen Zeit im Museum erlaubt, so Mitarbeiterin Kathrin Fuchs. Das schränkte Gruppenführungen und Veranstaltungen mit mehr Personen schon mal mächtig ein. „Zum ersten Mal haben wir lange Zeit ohne Besucher gearbeitet. Das ist extrem anders. Da merkst du erst einmal, wie du mit dem Besucher verbunden bist.“

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Digitale Erfassung in Döbeln bereits seit zwölf Jahren

Zu tun gibt es für die beiden Mitarbeiterinnen trotzdem eine Menge. Jetzt werden Arbeiten erledigt, die sonst auf der Strecke bleiben. Zum Beispiel die digitale Erfassung der rund 10.000 Objekte im Depot. Die Bandbreite reicht vom historischen Dokument bis zu Statuetten des Bildhauers Otto Rost.

Unter normalen Umständen ist neben den Führungen, der Organisation und dem Vorbereiten von Ausstellungen höchstens Zeit, um etwa 50 Objekte im Jahr in die Datenbank einzupflegen. Im vergangenen Jahr waren es mit 144 schon mal deutlich mehr, sagte Fuchs.

Das Museum betreibe diese Erfassung schon seit zwölf Jahren mit wechselndem Personal. „Richtig intensiv ist das seit etwa fünf Jahren“, so Kathrin Fuchs. Bisher sind etwa 2.500 Objekte und damit etwa ein Viertel des Bestandes erfasst. „Über viele Objekte wissen wir nur, wie sie wann ins Depot gelangt sind. Dann hört es meist auf.“

Schwerpunkt: Industriegeschichte

Im Datenblatt wird die Beschreibung des Objekts, das Material und die Entstehungszeit erfasst. Eventuell der Hersteller, wenn er sich feststellen lässt, und andere Informationen bis dahin, wer etwa den Verpackungskarton für ein Seifenstück entworfen hat. Die Seifenherstellung in der Seifenfabrik Hermann Otto Schmidt, später Decenta und Florena, ist eine Spezialität des Stadtmuseums.

Es hat Seifenstücken, Verpackungen aber auch Formen zur Seifenherstellung im Fundus. Überhaupt ist die Industriegeschichte einer der Sammlungsschwerpunkte des Stadtmuseums. „Wir sind gerade dabei, den Bestand an Objekten der Firma Tümmler einzuarbeiten“, sagte Kathrin Fuchs. Die Firma befand sich auf dem Gelände von Kaufland.

Exponate werden auch an andere Museen verbreitet

Eine andere Sammlungspriorität stellen Kunstobjekte dar. Das Museum hat Drucke und Bilder von Bernhard Kretzschmar und Erich Heckel. Dazu Modelle und Plastiken des Bildhauers Otto Rost, dem das Museum im vergangenen Jahr eine Ausstellung gewidmet hatte.

Mager sind die Informationen über das älteste Objekt des Museums. „Maria mit der Krone“, eine Heiligenfigur aus dem 14. Jahrhundert, die wohl von den Nonnen 1420 bei ihrem Umzug von Staucha nach Döbeln mitgebracht wurde. Sie hatte wahrscheinlich im Kloster und nach dessen Auflösung im Klostergut gestanden.

„Dort wurde sie zu DDR-Zeiten aufgefunden“, sagte Kathrin Fuchs. 1981 kam sie ins Museum. Später wurde sie restauriert, und dabei sei etwas Sensationelles zutage getreten. „Wir dachten, sie wäre aus Gips. Aber sie ist eine Holzskulptur, die mit Gips überarbeitet wurde“, sagte Kathrin Fuchs.

Die Stadt stellt die Daten ihrer Exponate auch anderen Museen zur Verfügung. „Museum digital“ heißen die Seiten, auf denen die Angaben zu den Stücken bundesweit verbreitet werden. „Die Museologen können dort sehr schnell Exponate finden und die Informationen dazu erhalten, mit denen sie arbeiten können“, sagte Kathrin Fuchs. Das erleichtere die Suche nach Leihgaben für Sonderausstellungen.

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