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Coronafall: Amt reagiert erst nach zehn Tagen

Ein Mitarbeiter des Bautzener Krankenhauses wurde positiv getestet. Was dann passierte, wirft Fragen auf - auch zur Arbeit des Gesundheitsamtes Dresden.

Schon zweimal ließ der Arzt Patrick Richter, der im Bautzener Klinikum tätig ist, einen Corona-Test vornehmen, in beiden Fällen war das Ergebnis positiv. Seine Erfahrungen mit der Arbeit des Gesundheitsamtes werfen bei ihm einige Fragen auf.
Schon zweimal ließ der Arzt Patrick Richter, der im Bautzener Klinikum tätig ist, einen Corona-Test vornehmen, in beiden Fällen war das Ergebnis positiv. Seine Erfahrungen mit der Arbeit des Gesundheitsamtes werfen bei ihm einige Fragen auf. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bautzen. "Meine größte Sorge ist, dass das Personal ausfällt." Das sagte kürzlich in einem Interview mit Sächsische.de Dr. Matthias Linke, Chefarzt an den Oberlausitz Kliniken in Bautzen. Wie schnell es gehen kann, dass Personal ausfällt, erlebte jetzt Linkes Arztkollege Patrick Richter am eigenen Leib.

Am 30. Oktober ließ sich Richter auf Corona testen. Drei Tage später wusste er: Der Test war positiv. "Seitdem habe ich mich selbstverständlich in Quarantäne begeben", berichtet der Arzt. Und schildert seine Versuche, vom Gesundheitsamt seiner Heimatstadt Dresden einen Quarantäne-Bescheid zu bekommen. Er versuchte es telefonisch, per E-Mail, über Bekannte - nichts, keine Reaktion vom Gesundheitsamt.

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"Ich sitze in Quarantäne, ohne einen Bescheid zu haben und kann nicht handeln", berichtete der Mediziner frustriert am 9. November - genau eine Woche, nachdem er sich selbst aus dem Verkehr gezogen hatte. "Ich bin Arzt und würde sehr gerne wieder in der Versorgung arbeiten wollen, vor allem, da mehrere meiner Kollegen ausgefallen sind. Auch wir arbeiten am Limit, aber eine Grundversorgung muss weiterhin gesichert werden."

Warum kein zweiter Test vor Quarantäne-Ende?

Am 11. November, fast zwei Wochen nach dem positiven Corona-Test, kam endlich der erwartete Quarantäne-Bescheid vom Gesundheitsamt. Drei Tage später hätte er wieder arbeiten können, aber als Arzt dürfte er das erst nach einem negativen Corona-Test. Mit dieser Hoffnung ließ Patrick Richter erneut einen Abstrich machen - das Ergebnis war wieder positiv.

Im Klinikum fehlt er nun weiter, mindestens bis Mitte nächster Woche. Dann sind die zwei Wochen seit dem neuerlichen Corona-Test vorüber.

Während seiner Zwangspause geht dem Arzt einiges durch den Kopf. Zum Beispiel, dass das Gesundheitsamt seiner Stadt erst fast zwei Wochen nach dem Beginn seiner Quarantäne begann, seine Kontaktpersonen zu benachrichtigen. Und warum eigentlich nicht für alle Infizierten ein zweiter Corona-Test vor Ablauf der Quarantäne verpflichtend ist. Er findet es "erschreckend, dass ich nach 14 Tagen theoretisch ohne weiteres Testen hätte arbeiten dürfen. Ich ließ mich nur testen, weil ich im Gesundheitswesen tätig bin. Was ist mit all jenen, die dies nicht sind?" Sie könnten das Virus weiter verbreiten, ohne es zu wissen.

Bundeswehr hilft in Gesundheitsämtern

Eine Sprecherin der Dresdener Stadtverwaltung bestätigt: "Die Kontaktaufnahme zum Gesundheitsamt war in den vergangenen zwei Wochen tatsächlich nur sehr erschwert möglich." Im Sommer seien zwar zusätzliche Mitarbeiter für die Verfolgung von Kontakten geschult worden, aber aktuell reichen sie nicht mehr aus. Normalerweise arbeiten im Infektionsschutz des Dresdener Gesundheitsamtes zehn Personen - jetzt sind es 60, immer noch zu wenige. Ab 23. November helfen Soldaten der Bundeswehr. Im Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen sind schon seit vergangener Woche Soldaten im Hilfseinsatz.

"Die positiv getesteten Personen haben bei der Vielzahl der Aufgaben die höchste Priorität. Diese erhalten nach Eingang des Befundes einen Bescheid sowie weitere Handlungsanweisungen auf postalischem Wege", berichtet die Stadtsprecherin. Im Schnitt dauere dies drei bis vier Tage - das ist schon mal ein Fortschritt gegenüber den Zeiträumen, die Patrick Richter geschildert hat. In der kommenden Woche will sich der Arzt erneut testen lassen - und hofft, dann wieder seiner Arbeit im Bautzener Klinikum nachgehen zu können.

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