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Wenn der Impfarzt nicht impfen will

Ein Arzt tat sich in Döbeln schwer, Leute unter 60 Jahre zu impfen. Das liege im Rahmen seines Entscheidungsspielraums, sagt die Kassenärztliche Vereinigung.

In der Sporthalle Burgstraße hat die Stadt das Impfzentrum eingerichtet. Noch bis Sonntag läuft die Impfkampagne.
In der Sporthalle Burgstraße hat die Stadt das Impfzentrum eingerichtet. Noch bis Sonntag läuft die Impfkampagne. © Archiv/Jens Hoyer

Döbeln. Die Impfkampagne der Stadt Döbeln und des DRK ist ein durchschlagender Erfolg. 2.250 Menschen sind schon geimpft oder werden es noch. Weitere 200 Impfdosen sollen bei einer vierten Impfaktion am Sonntag verabreicht werden.

In der Regel können die Geimpften nach relativ kurzer Zeit das improvisierte Impfzentrum in der Sporthalle Burgstraße wieder verlassen. Am vergangenen Sonnabend hatte es aber eine Komplikation gegeben.

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Einer der Ärzte hatte versucht, den Leuten die Impfung mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson auszureden. Das habe die Abläufe sehr aufgehalten, sagte Michael Thürer von der Stadtverwaltung. Der Arzt sei dann aufgefordert worden, zu gehen.

Die Waldheimerin Katrin Dobritz hatte sich am Sonnabend in Döbeln impfen lassen und den Arzt als unangenehm empfunden. „Es gab keine Beratung. Er hat nur die schlimmsten Nebenwirkungen geschildert. Wenn mein Mann nicht dabei gewesen wäre, hätte ich mich nicht impfen lassen“, erzählt sie.

Das Ganze habe sich auch lange gezogen. Fast zwei Stunden hätten sie gebraucht, bis sie das Impfzentrum wieder verlassen konnten.

Ähnlicher Vorfall wie in Döbeln auch in Rochlitz

Die Freie Presse berichtete über einen ähnlichen Vorfall bei einer Impfaktion in Rochlitz. Nach Recherchen von Sächsische.de war derselbe Impfarzt daran beteiligt. Dort hätten, so die Freie Presse, gleich zwei Ärzte Personen unter 60 Jahre abgewiesen.

Die beiden Ärzte seien der Meinung gewesen, dass der Wirkstoff von Johnson & Johnson nur für Personen über 60 Jahren geeignet ist. Einige Impfwillige unter 60, die am nächsten Tag wiederkamen, hätten das Präparat anstandslos von anderen Ärzten erhalten.

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Die Entscheidung, welche Altersgruppen den Impfstoff erhalten, liege im Entscheidungsspielraum des Arztes, sagte Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Die KV stellt die Ärzte für diese Impfaktionen.

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„Das ist natürlich eine unglückliche Konstellation. Aber im Prinzip kann es von unterschiedlichen Ärzten auch unterschiedliche Entscheidungen geben, je nachdem, wie sie die Risiken einschätzen. Es gibt da unterschiedliche Empfehlungen und im Moment ist das auch ein sehr dynamischer Prozess“, so die Sprecherin.

Sächsische.de hatte bei dem betroffenen Arzt wegen einer Stellungnahme angefragt, aber bisher keine Antwort erhalten.

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