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Wenn Mutti nicht systemrelevant ist

Schon wieder sind die Kitas zu. Firmen und Eltern müssen sich neu organisieren. Das ist nicht das einzige Problem.

Zuhause arbeiten und sich gleichzeitig um den Nachwuchs kümmern, dessen Kita erneut geschlossen bleibt. Das ist eine Herausforderung, der sich Eltern schon zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten gegenüber sehen.
Zuhause arbeiten und sich gleichzeitig um den Nachwuchs kümmern, dessen Kita erneut geschlossen bleibt. Das ist eine Herausforderung, der sich Eltern schon zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten gegenüber sehen. © keystone

Region Döbeln. Homeoffice, so lautet das „Zauberwort“, das scheinbar immer mehr an Bedeutung gewinnt, je länger die Corona-Pandemie dauert. Auch jetzt, da die Kindertagesstätten schon zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten geschlossen sind.

Die Eltern sollen idealerweise den Nachwuchs Zuhause betreuen und auch dort arbeiten. Schon das ist eine doppelte Belastung und Herausforderung. Doch nicht jeder hat einen Job, der sich so einfach vom Büro an den heimischen Küchentisch verlegen lässt. Sächsische.de hat sich in Unternehmen umgehört, wie sie mit der Situation umgehen und welche Belastungen sie mit sich bringt.

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Seit den letzten Öffnungsschritten sind auch die Baumärkte systemrelevant. „Wir gelten als Grundversorger und sind den Lebensmittelläden gleichgestellt“, erklärt Torsten Hamann, Vorstand der RHG Mittelsachsen. Damit gehören die Baumärkte zur sogenannten Fallgruppe 1 „Versorgung und Logistik“.

Soweit die Theorie. Denn in der entsprechenden Verordnung seien weder der Bau- noch der Gartenmarkt expliziert genannt. „Und manche Kita pocht auf diese beiden Worte, anderen reicht die grundsätzliche Festlegung“, so Hamann. Dazu komme, dass in dieser Fallgruppe beide Eltern in einem systemrelevanten Beruf arbeiten müssen, damit für das Kind eine Notbetreuung infrage kommt.

Belastung für alle Mitarbeiter

Der RHG-Chef geht davon aus, dass die Betreuung eines Kindes in den Familien „auf Augenhöhe besprochen und organisiert wird.“ Und er fügt hinzu: „Mitarbeitern, die keine andere Möglichkeit finden, gewährleisten wir die Betreuung.“

Zuerst könnten dafür die Kind-Krank-Tage genommen werden, die jetzt auf 20 Tage erhöht und auch bezahlt werden, wenn das Kind nicht krank ist, aber zuhause betreut werden muss. Außerdem sei es möglich, die Arbeitszeit zu verlegen oder den Mitarbeiter freizustellen und diese Tage über das Arbeitszeitkonto zu regulieren.

Das sei nicht nur für die betroffenen Eltern eine zusätzliche Belastung, sondern auch für die anderen Mitarbeiter, die die Ausfallzeiten kompensieren müssen. „Aktuell bekommen wir das ohne Einschränkungen für die Kunden hin.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Aber das ist eine Momentaufnahme. Wie es weitergeht, hängt unter anderem davon ab, ob noch Infektions- oder Quarantänefälle dazukommen“, sagt Torsten Hamann.

Ein Großteil der Büromitarbeiter von Kerateam in Leisnig nutzt bereits das Homeoffice. Für andere werde das Verschieben von Schichten und im Einzelfall eine zeitversetzte Arbeit ermöglicht, sagt Barbara Meyer aus dem Personalbüro.

Sie bemängelt die große Bürokratie. „Auch wenn die Eltern nach wie vor denselben Job ausüben, müssen sie den Antrag auf die Notbetreuung immer wieder neu stellen“, sagt sie.

Für jeden eine individuelle Lösung

Jana Kettner, Chefin der sechs Salons des Friseurs Central in Döbeln, muss kaum noch organisierend eingreifen. „Den Kollegen ist es schon in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie die Situation selbst regeln. Und das gelingt ihnen echt gut“, meint sie.

Trotzdem seien veränderte Schichten oder zeitweise ausfallende Mitarbeiterinnen eine zusätzliche Herausforderung zu den bereits bestehenden. Die Friseure konnten zwar als erste wieder öffnen und dürfen auch weiterhin Kunden bedienen, aber für sie ist nicht einmal eine „Überminute“ möglich.

Die Schichten dürfen sich nicht überschneiden, damit sich nicht mehr als die vorgegebene Anzahl an Personen – Kunden und Mitarbeiter – im jeweiligen Laden aufhält.

„Es ist für die Eltern schwierig und für alle eine Herausforderung. Aber wir wollen die guten Leute nicht verlieren“, sagt Christa Müller, Prokuristin der Pietsch Haustechnik Ostrau. „Deshalb schauen wir uns jeden Fall einzeln an.“

Es werde versucht, stets eine Variante zu finden, die sowohl dem Elternteil, als auch dem Unternehmen gerecht werde. Oftmals hätten die Mitarbeiter bereits selbst Lösungsvorschläge.

Diese reichen von Minusstunden, über die Vertretung durch andere Mitarbeiter bis zu Homeoffice. Aber das sei aus ganz pragmatischen Gründen nicht überall möglich. Denn in manchem Dorf funktioniere das Internet noch immer nicht.

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