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Sachsen

Kritik an Sachsens geplanter Schulöffnung

Sachsen schafft Tatsachen und will ab Montag Grundschulen und Kitas öffnen. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.

Ein leeres Klassenzimmer der Oberschule Ratzelstraße in Leipzig. Sachsen will Grundschlen und Kitas ab 15. Februar wieder öffnen.
Ein leeres Klassenzimmer der Oberschule Ratzelstraße in Leipzig. Sachsen will Grundschlen und Kitas ab 15. Februar wieder öffnen. © Jan Woitas/dpa

Dresden. Die für Montag (15.2.) geplante Öffnung von Grundschulen und Kitas in Sachsen sorgt für ein geteiltes Echo: Die Bildungsgewerkschaft GEW warf der Regierung vor, "grundlos vorzupreschen" und sich "ein Siegertreppchen beim Öffnungswettbewerb" sichern zu wollen. Die GEW hält die Öffnung im eingeschränkten Regelbetrieb für verfrüht und forderte, erst die Infektionszahlen zu senken. Der Lehrerverband sprach von einem "zwiespältigen Gefühl". Die Pädagogen wünschten sich die Rückkehr zum Präsenzunterricht, sorgten sich aber vor allem angesichts der Mutationen um die eigene Gesundheit und die der Kinder.

Am Dienstag hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die Öffnung von Kitas und Grundschulen im eingeschränkten Regelbetrieb ab dem 15. Februar angekündigt - und damit noch vor den Corona-Beratungen von Bund und Ländern am Mittwochnachmittag. Für Grundschulen und Kitas gilt das Prinzip der strikten Trennung von Gruppen und Klassen mit festen Bezugspersonen. Endgültig beschlossen werden soll der Fahrplan an diesem Freitag, wenn Sachsens Kabinett die neue Corona-Schutzverordnung verabschiedet.

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Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) hatte am Dienstag die Öffnung von Kitas und Grundschulen im eingeschränkten Regelbetrieb ab dem 15. Februar angekündigt.
Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) hatte am Dienstag die Öffnung von Kitas und Grundschulen im eingeschränkten Regelbetrieb ab dem 15. Februar angekündigt. © Archivbild/Sebastian Kahnert/dpa

Die Teilöffnung sei kein Alleingang des Freistaats, betonte das Kultusministerium und verwies etwa auf Niedersachsen, Bremen und Hessen, wo Unterricht in eingeschränkter Form stattfinde. Die meisten Kitas und Schulen in Deutschland sind allerdings seit Mitte Dezember geschlossen oder nur in stark eingeschränktem Betrieb für die Notbetreuung da. Für Abschlussklassen gibt es Ausnahmen: Sie sind in Sachsen bereits am 18. Januar an die Oberschulen und Gymnasien zurückgekehrt.

"Wir hätten uns zunächst Unterricht mit halben Klassen gewünscht, um die Abstände besser einhalten zu können", sagte der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Jens Weichelt, am Mittwoch. Derzeit lasse sich das Risiko für Lehrer und Schüler nur schwer einschätzen. In Sachsen soll die Präsenzpflicht für Grundschüler vorerst ausgesetzt werden. Eltern können damit selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken. Weichelt warnte vor einer Überlastung der Lehrer. Finde Präsenzunterricht statt, sei es Lehrerinnen und Lehrern kaum möglich, umfassende Lernaufgaben für die Schüler zu Hause zu erstellen. "Da muss es Abstriche geben, das liegt auf der Hand."

"Wer eher öffnet, muss auch deutlich schneller wieder schließen"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass die meisten Eltern von dem Angebot offener Grundschulen und Kitas Gebrauch machen. Das Einhalten von Abständen und eine strikte Trennung der Gruppen sei aber angesichts des Personals schwierig. "Die Lehre aus den vergangenen Monaten muss doch langsam klar sein: Wer eher öffnet, muss auch deutlich schneller wieder schließen", unterstrich die GEW-Landesvorsitzende Uschi Kruse. Sachsen sei immer noch eines der Bundesländer mit der höchsten Inzidenz. Laut GEW sollten die Einrichtungen erst bei einem Wert von unter 50 im jeweiligen Landkreis öffnen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Sachsen, also die Zahl an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, war am Mittwoch laut Robert Koch-Institut (RKI) auf 76 gesunken. Vor einer Woche lag der Wert noch bei knapp 120. Wochenlang galt der Freistaat mit vielen Neuinfektionen als Corona-Hotspot. Bei der Linken im Landtag sorgen die Öffnungspläne daher für Unverständnis: "Ich fürchte, dass diese Öffnung zu früh kommt", sagte der Fraktionsvorsitzende Rico Gebhardt und sprach von einem "Roulettespiel". Sachsen setze die Gesundheit von Kindern, Lehrern und Erziehern aufs Spiel ohne zu wissen, wie sich die Mutationen auswirkten.

Schließung bei steigenden Infektionszahlen

Kultusminister Piwarz hatte am Dienstag auf die "erfreuliche Entwicklung" bei den Infektionszahlen verwiesen und von einem "wichtigen Schritt" für die Kinder und Familien gesprochen. Zugleich hatte er deutlich gemacht, dass bei steigenden Infektionszahlen Einrichtungen auch wieder geschlossen werden könnten.

Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser begrüßte die Entscheidung und bezeichnete die vergangenen Wochen als Herausforderung für die Eltern. "Neben den allgemeinen Einschränkungen erlebten die meisten enorme Doppelbelastungen bei der gleichzeitigen Bewältigung von Arbeitsalltag und Kinderbetreuung." Die knapp 400 Dresdner Kitas und Horteinrichtungen stünden von Montag an den Kinder wieder offen. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass Maßnahmen wie feste Gruppen wirksam seien.

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