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Wer zahlt mir die Mehrkosten im Homeoffice?

Es reicht nicht, Mitarbeitern Software bereitzustellen. Arbeitgeber müssen mehr tun, sagen Arbeitsrechtler aus Dresden.

Der Chef kann nicht verlangen, dass für das Homeoffice private Geräte genutzt werden.
Der Chef kann nicht verlangen, dass für das Homeoffice private Geräte genutzt werden. © Rolf Vennenbernd/dpa

Viele Menschen arbeiten seit Monaten corona-bedingt notgedrungen von Zuhause aus. Sie tun das oft unter Bedingungen, die schlechter sind als im Büro. Um die Ansteckungsgefahr weiter einzudämmen, wollen Politiker, dass noch mehr Angestellte ins Homeoffice wechseln – und zwar, „wo immer möglich“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte. Aber vielen ist nicht klar, welche Rechte sie dabei haben. So haben Arbeitgeber oft lediglich den Zugang zu den Dienstsystemen bereitgestellt und nehmen stillschweigend in Kauf, dass Mitarbeiter ihre private Technik verwenden und alle zusätzlich entstehenden Kosten, etwa für Heizung, Strom, Wasser und Abwasser, selbst tragen. „Aber das müssen die Angestellten nicht“, sagt Manuela Wolfram, Fachanwältin für Arbeitsrecht von der Kanzlei Wolfram & Scholz in Dresden.

Ist Homeoffice das Gleiche wie mobiles Arbeiten?

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Nein, und die Unterscheidung ist wichtig. Für Juristen gibt es den Begriff Homeoffice gar nicht. Sie sagen Telearbeit dazu. „Ein Telearbeitsplatz ist ein fester Arbeitsplatz außerhalb der Arbeitsräume des Arbeitgebers“, erklärt Manuela Wolfram. Der Begriff ist in Paragraf 2 der Arbeitsstättenverordnung definiert. Das mobile Arbeiten ist hingegen gesetzlich noch nicht geregelt. Die Regierung arbeitet an einem Gesetz dazu. Aktuell gilt: „Der Arbeitnehmer kann überall arbeiten, also beispielsweise in der Bahn, im Garten, zu Hause oder wo auch immer“, sagt Bertram Petzoldt, Arbeitsrechtler von der Dresdner Anwaltskanzlei Queißer & Partner. Wer mobil arbeitet, ist meist auf Dienstreisen. „Das sind Leute ohne festen Ausgangspunkt, zum Beispiel Vertriebler“, so Wolfram. Für sie reiche oft ein Laptop als mobiles Büro.

Sollte das Arbeiten von zu Hause aus vertraglich geregelt werden?

In jedem Fall. „Die beiden Parteien müssen sich zusammensetzen und die Konditionen aushandeln und schriftlich fixieren“, rät Wolfram. Das wäre schon mit einer einfachen Änderung zum Arbeitsvertrag möglich. Darin sollte stehen, ab wann die Telearbeit gilt, was sie umfasst, in welchen Kernzeiten sowohl der Chef als auch der Angestellte zu erreichen sein muss – und wer welche Arbeitsgeräte beisteuert. Ist etwas nicht geklärt, muss der Arbeitnehmer keine Heimarbeit machen. Sie darf zwar angewiesen werden. Aber dann ist der Arbeitgeber in der Pflicht, alle Bedingungen zu erfüllen.

Muss der Arbeitgeber geeignete Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen?

Der Chef kann nicht verlangen, dass der Angestellte seine Privatgeräte verwendet. Wenn er möchte, dass sein Mitarbeiter daheim arbeitet, verpflichtet ihn die Arbeitsstättenverordnung dazu, einen Bildschirmarbeitsplatz fest einzurichten – mit Rechner, Schreibtisch, Bürostuhl und Beleuchtung. „Das wäre auch in seinem Interesse, damit die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden, wenn von außen jemand auf das betriebsinterne System Zugang erhält“, sagt die Anwältin. Notwendige Informationen für den Datenschutz haben das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Bundesregierung auf Merkblättern zusammengestellt. Doch kleine Wohnungen haben nicht den Platz für große Büromöbel. Zudem lohnt es sich für viele Arbeitgeber nicht, dort für einen begrenzten Zeitraum vollwertige Arbeitsplätze einzurichten. Viele Unternehmen könnten das in der wirtschaftlich angespannten Situation auch nicht leisten. Dann kann eine individuelle Regelung beiden Seiten helfen.

Was sollte die individuelle Absprache beinhalten?

Pauschalzahlungen könnten eine Lösung für die Unterhaltskosten des häuslichen Arbeitsplatzes sein, schlägt Manuela Wolfram vor. In einer solchen Vereinbarung könnte der Arbeitgeber auch seine Pflicht, den Arbeitsplatz ergonomisch auszustatten, an den Arbeitnehmer übertragen. „Er sollte sich dann aber davon überzeugen, dass alles passt. Denn man ist nicht davor gefeit, dass die Berufgenossenschaft klingelt und den Arbeitsplatz prüft“, so Wolfram. Habe diese etwas zu bemängeln, trage der Arbeitgeber die Konsequenzen.

Wer zahlt die privaten Mehrkosten für Strom, Heizung und Wasser?

Auch das sei eine Verhandlungsfrage, die individuell zwischen den Parteien geklärt werden muss, sagt Wolfram. Sie rät Arbeitnehmern, die Unterhaltungskosten für Geräte, Strom, Wasser, Miete herunterzubrechen und dann das Gespräch mit dem Chef zu suchen. „Freiwillig passiert da nichts“, sagt sie. Festgelegte Pauschalen gibt es jedoch nicht. Als ein Richtwert für die Stromkosten könnte die Einschätzung der SachsenEnergie dienen, einer Fusion der Dresdner Stadtwerke und der Energieversorgung Ostsachsen. „Wir schätzen, dass sich die Energiekosten um circa fünf Prozent erhöhen können und der Verbrauch in Unternehmen entsprechend sinken kann“, sagt Viola Martin-Mönnich. Der Laptop ist dabei das geringste Übel: Für typische Büroanwendungen verbraucht er bei acht Stunden Dauerbetrieb an fünf Tagen etwa eine Kilowattstunde. Das kostet pro Woche rund 30 Cent, sagt Ulrike Körber, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen. Großverbraucher sind hingegen Rooter und Wlan-Repeater.

Habe ich einen Anspruch auf Homeoffice?

Nein. Den gibt es in Deutschland auch trotz Infektionsrisiko nicht. Der Arbeitgeber muss aber in seinem Unternehmen Sorge dafür tragen, dass alle Hygieneregeln eingehalten werden und sich der Arbeitnehmer keiner Gefahr aussetzt.

Kann mein Arbeitgeber Homeoffice anordnen?

„Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen“, sagt Anwalt Bertram Petzoldt. Teilweise würde vertreten, dass der Arbeitnehmer kurzzeitig ins Homeoffice geschickt werden dürfe. Zum Beispiel dann, wenn aufgrund einer Pandemie am regulären Arbeitsplatz nicht mehr gearbeitet werden darf oder wenn Ausgangssperren das verhindern. Petzoldt sieht das aber kritisch, vor allem, wenn die Wohnung klein ist, Kinder oder Pflegebedürftige zu versorgen sind oder der Partner auch daheim arbeitet.

Inwieweit muss der Arbeitnehmer nachweisen, dass er wirklich arbeitet?

Der Arbeitnehmer muss nichts nachweisen, aber sich an dem bemessen lassen, was er tut. „Arbeitszeiterfassung und Umfang der Tätigkeit sind Vertrauenssache“, sagt Wolfram. „Im Büro ist das nicht anders, wenn der Mitarbeiter zwar da ist, aber auf dem Handy spielt oder im Netz surft“, sagt Petzoldt. Auch elektronische Zeiterfassungssysteme in der Arbeitssoftware schützen den Arbeitgeber wenig, wenn morgens der Rechner nur angeschaltet und abends ausgestellt wird. Ein gutes Controlling sei insofern der beste Weg, um Missbrauch vorzubeugen.

Wann gilt ein Unfall zu Hause als Arbeitsunfall – und wann nicht?

„Grundsätzlich gilt: Ein Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit ist ein Arbeitsunfall und steht damit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung“, erläutert Gregor Doepke vom Spitzenverband der Gesetzlichen Unfallversicherung. Entscheidend sei dabei nicht, wo es zum Unfall kam, sondern ob die Tätigkeit in einem engen Zusammenhang mit den beruflichen Aufgaben stand. Doepke nennt ein Beispiel: Ein Unfall wäre versichert, wenn ein Versicherter die Treppe hinunterfällt, weil er im Erdgeschoss die unterbrochene Internetverbindung überprüfen will, die er für Dienstzwecke benötigt. Fällt er die Treppe hinunter, weil er eine private Paketsendung entgegennehmen will, wäre das nicht versichert. Das gilt als sogenannte eigenwirtschaftliche Tätigkeit. Dazu gehören der Gang zur Toilette oder in die Küche zum Mittagessen. Beides ist auch im Büro grundsätzlich nicht gesetzlich unfallversichert, so Doepke.

Was ist die neue Homeoffice-Pauschale des Finanzamtes?

Sie gilt für alle Steuerpflichtigen, die wegen pandemiebedingter Einschränkungen am provisorischen Arbeitsplatz zu Hause arbeiten. Pro Homeoffice-Tag können sie 2020 und 2021 fünf Euro pauschal von der Steuer absetzen – maximal 600 Euro im Jahr. Eine Bestätigung vom Arbeitgeber für das Finanzamt sei hilfreich, rät Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Das gilt besonders in den Fällen, in denen Beschäftigte mal im Büro und mal zu Hause gearbeitet haben. Allerdings gibt es die Pauschale nicht zusätzlich zum Werbungskostenpauschbetrag von 1.000 Euro jährlich. Die Ausgaben mindern die Steuerlast nur, wenn sie gemeinsam mit weiteren Werbungskosten, wie Schreibtisch, Drucker oder Bürostuhl den Werbungskostenpauschbetrag überschreiten.

Kann ich Telefon- und Internetkosten absetzen?

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Wer für dienstliche Belange seinen eigenen Telefon- und Internetanschluss nutzt, kann einen Teil der Ausgaben absetzen. Arbeitnehmer können 20 Prozent der Monatsrechnung, maximal aber 20 Euro pro Monat als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Alternativ können auch Arbeitgeber die Kosten pauschal steuerfrei erstatten. (mit dpa)

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