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So gehen Dresdens Schulen in den Herbst

An fünf Einrichtungen gibt es Corona-Fälle, Schüler und Lehrer sind in Quarantäne. Wann der Lehrermangel kritisch wird und welche Eltern nun das Nachsehen haben.

Seit Schuljahresbeginn sind fünf Dresdner Schulen von Corona-Fällen betroffen. Viele Schüler und Lehrer mussten in Quarantäne.
Seit Schuljahresbeginn sind fünf Dresdner Schulen von Corona-Fällen betroffen. Viele Schüler und Lehrer mussten in Quarantäne. © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Dresden. Seit Beginn des Schuljahres gab es an mittlerweile fünf Dresdner Schulen nachgewiesene Corona-Infektionen, mehr als 230 Schüler und Lehrer befinden sich in Quarantäne, damit sich das Virus nicht ausbreitet. Viele Eltern treibt derzeit die Frage um: Was passiert, wenn es an der Schule meines Kindes einen Corona-Fall gibt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schulalltag, zu Lehrermangel, Kritik am Gesundheitsamt und Quarantäne. 

Wie läuft der Corona-Alltag derzeit in den Schulen?

Bei einigen Dresdner Schulen nachgefragt wird schnell klar: Jede Einrichtung regelt den Alltag derzeit etwas anders. Vor allem an den Grundschulen verlief der Start ins neue Schuljahr recht unterschiedlich. Während etwa an der 103. und 15. Grundschule in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien ausschließlich der Klassenlehrer unterrichtete, galt in der 95. Grundschule in Laubegast schon ab 7. September der normale Stundenplan. Individuell regeln die Grundschule auch, ob sich die Klassen im Gebäude und auf dem Schulhof weitestgehend voneinander getrennt aufhalten. Masken müssen die Grundschüler in Dresden nicht tragen.

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Anders sieht das an den weiterführenden Schulen aus: Hier sollen die Schüler zumindest auf den Schulhausfluren und an der Essensausgabe einen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Im Kurssystem in den elften und zwölften Klassen an den Gymnasien ist es indes nicht möglich, Gruppen voneinander zu trennen, weil sich die Schüler in jedem Kurs neu mischen. 

Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen und Hygienevorschriften an den Schulen entscheidet das Gesundheitsamt im Einzelfall, wer in Quarantäne geschickt wird und zu Hause bleiben muss. Damit soll vermieden werden, dass ganze Schulen geschlossen werden müssen.

Können alle Stundenpläne abgedeckt werden?

Auf SZ-Nachfrage bestätigen viele Dresdner Schulen, dass derzeit zwar genug Lehrer da sind, um den geplanten Unterricht durchzuführen. Dennoch sei alles "auf Kante genäht", so Tobias Jäger, Schuleiter der 116. Oberschule in Leubnitz-Neuostra. Diese Situation schildern etwa auch Kerstin Rakowski von der 95. Grundschule in Laubegast und Jana Lüders, die seit diesem Schuljahr die 32. Oberschule in Tolkewitz leitet. Das heißt: Müssen weitere Klassen samt ihrer Lehrer in Quarantäne, könnte die Personaldecke an den Schulen knapp werden. 

Grundschulleiterin Kerstin Rakowski ordnet allerdings ein, dass die Lage mit Blick auf die Erkältungs- und Grippezeit in Herbst und Winter nicht grundsätzlich anders sei, als in anderen Jahren. Sollten von einer Quarantäne Fachlehrer betroffen sein, die auch Klassenlehrer sind, müsse sie schauen, welche Lehrer noch zur Verfügung stehen, um den Unterricht abzudecken. "Es gibt auch die Möglichkeit, Lehrer von anderen Schulen zu uns zu holen." Wenn das Gesundheitsamt das zulässt, räumt Kerstin Rakowski ein. 

Wie klappt die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt?

Jürgen Karras ist Schulleiter des Gymnasiums Cotta und an seiner Schule selbst betroffen von einem Corona-Fall. Schüler der elften Klasse sind derzeit in Quarantäne, die eigentlich an diesem Donnerstag enden soll. Ob die Schüler wirklich zurückkehren und wie die Ergebnisse der freiwilligen Corona-Tests ausgefallen sind - davon weiß der Schulleiter nach seiner Aussage am Mittwochmittag nichts. "Da muss sich die Kommunikation definitiv verbessern", fordert Karras, der sich zumindest eine E-Mail mit den wichtigen Informationen vom Gesundheitsamt erhofft hatte. 

In Bezug auf Lehrer, die ihm in der Quarantäne-Zeit womöglich fehlten, erklärt Karras: "Tatsächlich musste nur eine Lehrerin aus Pirna daheim bleiben - das hat das Gesundheitsamt in Pirna so entschieden." Die Kollegin sei seit Mittwoch wieder im Einsatz. Für Karras sei unverständlich, warum das Dresdner Gesundheitsamt im Fall der Dresdner Lehrer, die ebenfalls Kontakt mit dem infizierten Schüler hatten, anders entschieden hat. "Es ist ein Problem, dass so etwas unterschiedlich gehandhabt wird. Für mich nicht nachvollziehbar." Den Ausfall dieser einen Lehrerin habe er kompensieren können. Sollten mehrere Lehrer von einer Quarantäne betroffen sein, könne er das angesichts der knappen Personaldecke nicht gewährleisten.

Was verschärft den Lehrer-Mangel zusätzlich?

Von einer knappen Personaldecke spricht auch Jens Reichel, Schulleiter am Gymnasium Bürgerwiese. "Die Stellen sind alle besetzt, aber auf Kante", sagt auch er. Reichel hat - wie viele Schulleiter - zusätzlich zu einer möglichen Quarantäne im Falle einer Corona-Infektion noch ein weiteres Problem. "Wir haben viele junge Kolleginnen, die schwanger sind und nun wegen Corona sofort ins Beschäftigungsverbot gesetzt werden", so Reichel. Das bestätigt auch das Kultusministerium auf SZ-Anfrage. "Da sich tatsächlich einige schwangere Lehrerinnen ans Landesamt für Schule und Bildung gewandt hatten, um trotz Beschäftigungsverbot unterrichten zu dürfen, haben wir die Frage auch mit den Betriebsärzten erörtert", so Sprecher Dirk Reelfs. 

Die Betriebsärzte hätten sich dagegen ausgesprochen. Der Einsatz von Schwangeren im Präsenzunterricht sei auch im Ausnahmefall und auf freiwilliger Basis nicht verantwortbar, so die Ärzte. "Damit dürfen Schwangere nicht im Unterricht und in unmittelbarer Betreuung von Kindern und Jugendlichen an Schulen eingesetzt werden." 

Was bedeutet eine Quarantäne ihres Kindes für Eltern?

Während der häuslichen Quarantäne müssen Eltern und Kinder den Anordnungen des Gesundheitsamtes Folge leisten, teilt die Landesdirektion Sachsen auf SZ-Anfrage mit. Dazu zähle, dass sie ihr Zuhause nicht verlassen und keinen Besuch empfangen dürfen. Sie müssen ihren Gesundheitszustand beobachten, zweimal täglich Fieber messen und ein Tagebuch über mögliche Krankheitszeichen führen. Das Gesundheitsamt erkundigt sich regelmäßig nach dem Gesundheitszustand. 

Hat das Gesundheitsamt die Quarantäne angeordnet, haben Eltern von Kindern unter zwölf Jahren Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung, um ihren Verdienstausfall zu kompensieren. Das ist im Infektionsschutzgesetz geregelt. 

Wer keine Möglichkeit hat, in dieser Zeit im Homeoffice zu arbeiten, hat das Nachsehen: "Der Arzt darf nur demjenigen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, der wegen eigener Krankheit seine Tätigkeit nicht ausüben kann", so die Landesdirektion. Das heißt: Wenn die Eltern keine Krankheit haben, die zur Arbeitsunfähigkeit führt, erhalten sie auch keine entsprechende Bescheinigung.

Das Bundesamt für den Bevölkerungsschutz gibt Tipps für Eltern, deren Kinder in Quarantäne sind.

Infos und Hinweise gibt es auch von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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