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SOE: Schule ab jetzt nur gegen Test

Die weiterführenden Schulen machen jetzt ernst. Bei manchen Eltern führt das zu Diskussionen. Wie es weitergehen könnte, zeigt das Beispiel Österreich.

Die Schüler der weiterführenden Schulen können sich jetzt selbst testen - und müssen es auch, wenn sie am Unterricht teilnehmen wollen.
Die Schüler der weiterführenden Schulen können sich jetzt selbst testen - und müssen es auch, wenn sie am Unterricht teilnehmen wollen. © Kristin Richter

Dienstagabend, 21 Uhr, brachte Volker Hegewald die Selbsttests ins Glückauf-Gymnasium Altenberg. "Rapid Antigen Test von Roche", liest der Schulleiter von der Verpackung vor. Ebenfalls Dienstagabend hielt er noch eine Videokonferenz ab - mit 350 Elternteilen vom Altenberger und Dippoldiswalder Standort der Schule. "Weil sich abzeichnete, dass es zu den Selbsttest viele Fragen gibt, habe ich noch eine Ärztin für die medizinische Seite dazu eingeladen", sagt Hegewald.

Annelie Öhlschläger, die Ärztin aus Schmiedeberg, erklärte den Eltern das Testprozedere und auch, warum schon Schüler der fünften Klassen es selbst bewältigen können. Denn nun, nachdem alle sächsischen Schulen mit ausreichend Testkits für alle Schüler der weiterführenden Klassen versorgt sind, ist ein negativer Coronatest pro Woche Pflicht für alle Kinder, die am Präsenzunterricht teilnehmen wollen.

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Selbst getestet in Dippoldiswalde und Altenberg

Die beiden Glückauf-Gymnasien in Altenberg und Dippoldiswalde waren am Mittwoch die ersten im Landkreis, in denen sich die Schüler tatsächlich bereits testeten. "Dass unsere Lehrer das so schnell organisieren konnten, war mehr als eine sportliche Leistung - das war schon Hochleistungssport", sagt Hegewald. Die Oberschule Geising, das Goethe-Gymnasium in Sebnitz und die Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt zogen am Donnerstag nach.

Ohne Test bleibt nur, zu Hause zu lernen

"Die Schüler können auch einen aktuellen Test mitbringen, den sie woanders gemacht haben", sagte Lehrerin Cornelia Hartig der Schiller-Oberschule im Vorfeld. "Doch gänzlich ohne Test bleibt den Schülern nur, zu Hause zu lernen." Die Schüler bekämen dann Aufgaben aus dem Lehrbuch.

"Doch das Lehrniveau wie beim Homeschooling werden wir nicht bieten können", sagt Hartig. "Wir müssen bereits zwei Schülergruppen im Wechselmodell unterrichten." Den Aufwand, auch noch einer dritten Gruppe speziell zugeschnittene Heimaufgaben zu übermitteln, könne die Schule nicht stemmen.

Keine Präsenzpflicht für Schulen

In Neustadt hätten sie deshalb noch keine Elternklagen auf dem Tisch: "Doch auf Lernsax müssen sich die Lehrer mit Elternmeinungen aus allen Richtungen auseinandersetzen. Die einen wollen die Kinder nicht in die Schule schicken, so lange nicht alle getestet sind, die anderen zweifeln den Sinn der Selbsttests an."

Cornelia Hartig und Volker Hegewald haben dazu eine ganz ähnliche Meinung: "Kinder haben ein Recht auf Schule, aber ihre Eltern haben als Staatsbürger auch ein paar Pflichten", sagt Hegewald. Letztlich besteht auch kein Zwang zum Test: "Die Präsenzpflicht in der Schule ist ja noch aufgehoben."

Testpflicht erst bei genügend Selbsttests

Die Testpflicht einmal pro Woche als Voraussetzung für den Schulbesuch gilt zwar bereits seit Montag. Doch das sächsische Kulturministerium hatte der aktuellen Corona-Schutzverordnung einen kleinen Passus hinzugefügt - demnach gilt die Regelung erst, wenn Selbsttestkits "in hinreichender Zahl" vorliegen.

Weil sie bisher fehlten, standen am Montagfrüh vor Unterrichtsbeginn in Geising, Altenberg, Dippoldiswalde und Neustadt Testteams des Deutschen Roten Kreuzes parat, um mit den Schülern Schnelltests durchzuführen - allerdings auf freiwilliger Basis und von den Schülern ähnlich lückenhaft in Anspruch genommen wie bereits alle anderen Testangebote bisher.

Unkomplizierte Handhabung der Tests

Warum Sachsens Kultusminister Christian Piwarz dennoch wieder auf Freiwilligkeit setzte, begründet seine Pressestelle so: "Weil diese Schnelltests durch geschultes Personal durchgeführt werden müssen und hier ein größerer Eingriff in die körperliche Unversehrtheit vorgenommen wird als im Vergleich zum Selbsttest."

Laut Pressestelle lassen sich die Selbsttests leichter handhaben: "Der Tupfer muss nicht mehr tief in die obere Nasenhöhle eingeführt werden, sondern nur etwa zwei Zentimeter tief in jedes Nasenloch. Diese einfache Anwendung ermöglicht es, dass auch ein Laie den Test durchführen kann." Dazu gibt's auch ein Erklärvideo im Internet.

Kein Würgen, kein Stochern

"Am Mittwoch kam beim Testen auch ein Vater mit, der große Bedenken hatte", sagt Volker Hegewald. "Deshalb habe ich ihm mit seiner Tochter genau gezeigt, wie alles abläuft. So ein Stäbchen muss wirklich nicht tiefer in die Nase als der Finger beim Nasebohren." Alternativ könnten die Kinder einen Rachenabstrich bei sich vornehmen - auch da muss das Stäbchen nur den Rand streifen. "Würgen muss davon keiner, es tut auch nicht weh", so Hegewald

Anschließend wird der Tupfer an der Spitze des Stäbchens in eine Flüssigkeit gegeben, die wiederum auf den Teststreifen kommt. "Und dann sind drei Ergebnisse möglich: positiv, negativ oder 'hat nicht funktioniert'", sagt Hegewald. "Dann probieren wir es eben noch mal."

Ein positives Ergebnis bei 750 Schülern

Am Mittwoch hatte einer von den 750 Schülern aus Altenberg und Dippoldiswalde ein positives Ergebnis. "Das wird gerade noch mit einem PCR-Test nachgeprüft", sagt Hegewald. Nebenher überprüfte die Schule die bisherigen Kontakte des Schülers. "Er saß ausschließlich in Kursen, in denen Masken getragen wurde", sagt Hegewald.

Angesichts der steigenden Inzidenzen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist es derzeit die größte Hoffnung der Schulen, beim Präsenzunterricht bleiben zu können. Auch das Landratsamt beobachtet die Zahlen mit Sorge.

Mittlerweile ist das Instrumentarium für erneute Schulschließungen sehr ausgeklügelt: Geschlossen wird, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen Im Landkreis an fünf Werktagen infolge überschritten wird - gültig ab Beginn der folgenden Woche. Nicht schließen müssen sie, wenn ein lokaler Corona-Hotspot die Zahlen in die Höhe treibt, der nichts mit Schulen zu tun hat - im Herbst hätte das beispielsweise für die Pflegeheime gegolten. Glücklicherweise sind die Betreuer und Betreuten dort inzwischen nahezu alle geimpft.

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Bleiben die Schulen offen, wird das Testen bald Alltag werden. "Wir haben uns bei Kollegen in Österreich erkundigt", sagt Hegewald. "Die hatten die Diskussionen um die Testpflicht am Anfang auch." Das war vor drei Wochen. Inzwischen redet keiner mehr darüber.

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