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Wie Dresdner Betriebe mit Risiko-Rückkehrern umgehen

Werde ich weiter bezahlt, wenn ich in Quarantäne muss? Drei Dresdner Arbeitgeber haben darauf eine klare Antwort.

Wer nach Mallorca in den Urlaub fliegt, sollte vorher ganz genau prüfen, ob er danach an den Arbeitsplatz zurückkehren kann, sagen Dresdner Arbeitnehmer.
Wer nach Mallorca in den Urlaub fliegt, sollte vorher ganz genau prüfen, ob er danach an den Arbeitsplatz zurückkehren kann, sagen Dresdner Arbeitnehmer. © Archivbild: Ronald Bonß

Dresden. Die Ferien haben begonnen und wohl kein Urlauber will jetzt einen Gedanken daran verschwenden, wenn die Arbeit wieder beginnt. Doch viele Familien verreisen ins Ausland und mit Mallorca, der Algarve oder den Niederlanden stehen auch Reiseziele auf dem Plan, die als Hochrisikogebiete eingestuft wurden. Somit stellt sich die Frage, was Reiserückkehrer beachten müssen, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die SZ hat sich bei großen Arbeitgebern in der Stadt umgehört.

Auch vor den Sommerferien reisten bereits viele Dresdner in die Urlaubsländer und brachten Infektionen mit. "Ungefähr die Hälfte der derzeit positiv Getesteten war kurz vorher im Urlaub", sagte Dresdens Gesundheitsamtschef Frank Bauer schon vergangenen Woche gegenüber der SZ. Zu den Urlaubsländern, aus denen Infektionen mitgebracht wurden, gehörten insbesondere Tschechien, Frankreich, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Welche Regeln gelten für Reiserückkehrer?

Zunächst einmal gilt Landesrecht. So hat die sächsische Landesregierung festgelegt, dass am Tag der Rückkehr an den Arbeitsplatz ein negatives Testergebnis vorgelegt werden muss, wenn man an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Werktagen im Urlaub war oder einfach nur frei hatte. Ausgenommen sind vollständig Geimpfte und Genesene. Alternativ hat man die Möglichkeit, am ersten Tag unter Aufsicht einen Test vornehmen zu lassen. Wer im Homeoffice sitzt, ist an die Testpflicht gebunden, sobald die Arbeit erstmals wieder außerhalb der Wohnung stattfindet. Darüber hinaus gibt es von den Arbeitgebern in Dresden Empfehlungen an die Mitarbeiter.

Bei Geimpften und Genesenen reicht eine Selbstauskunft nicht aus. "Sie müssen ihren Impfstatus beziehungsweise den Genesenen-Status nachweisen", sagt Sachsen-Energie-Sprecherin Viola Martin-Mönnich.

Welche Empfehlungen sind das zum Beispiel?

Die Landeshauptstadt Dresden empfiehlt ihren rund 8.000 Mitarbeitern, sich vor Reiseantritt genau über die Infektionslage im Lage zu informieren. "Zudem soll möglichst auf Reisen in Risikogebiete verzichtet werden", teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Unabhängig von der Urlaubsrückkehr wird allen Beschäftigten in der Stadtverwaltung das Angebot zu kostenfreien Selbsttests unterbreitet.

Muss während der Quarantäne unbezahlter Urlaub genommen werden?

Das kommt ganz darauf an, ob man sich wissentlich in ein Hochrisikogebiet begeben hat und seiner Tätigkeit nur im Betrieb nachgehen kann. Zum Hintergrund: Seit der vergangenen Woche ist es Pflicht für alle Rückkehrer aus Hochrisiko- und Virusvariantengebieten, sich nach der Einreise in Quarantäne zu begeben. Bei Hochrisikogebieten ist das eine zehntägige Quarantäne. Wer bereits vor der Einreise nachweist, dass er genesen oder vollständig geimpft ist, muss sich nicht an diese Regelung halten. Der Nachweis kann über das Anmeldeportal des Bundes übermittelt werden. Nicht geimpfte Rückkehrer können einen Test machen lassen, allerdings frühestens fünf Tage nach der Einreise. Fällt dieser negativ aus, darf die Quarantäne vorzeitig beendet werden.

Somit stellt sich die Frage, ob in der Quarantäne unbezahlter Urlaub genommen werden muss, sofern man seiner Tätigkeit nicht nachgehen kann. "Eine allgemeingültige Antwort ist hier nicht möglich, vielmehr kommt es auf den Einzelfall an", sagt die Stadtverwaltung. Einen Anspruch auf Gehalt während der Quarantäne gebe es zwar nicht. Allerdings könne die Stadt in manchen Fällen einen Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz geltend machen, wenn sie einen Mitarbeiter weiterbezahlen möchte. Ausgeschlossen ist das jedoch, wenn der Mitarbeiter eine vermeidbare Reise in ein Hochrisikogebiet unternommen hat, das zum Zeitpunkt der Abreise bereits als solches eingestuft war, betont die Stadt. Dann wäre die Quarantäne vermeidbar gewesen.

"Kann während der Quarantäne im Homeoffice gearbeitet werden, so führt dies selbstverständlich nicht zum Entfall des Entgelts." Ein Anspruch auf Arbeit im Homeoffice bestehe nach den derzeitigen Regeln des Freistaats Sachsen und des Bundes jedoch nicht, heißt es aus dem Rathaus.

Wie handhaben es andere Betriebe?

Sachsen-Energie und Infineon handhaben es ähnlich. "Sofern der Mitarbeiter seine Tätigkeit per mobilem Arbeiten von zu Hause aus erbringen kann, erhält er seine Arbeitsleistung 'normal' vergütet", so die Sprecherin. Falls jemand nicht von zu Hause aus arbeiten kann, wird jeder Einzelfall geprüft. Etwa ob das Reiseziel erst nach Reiseantritt als Risikogebiet eingestuft wurde. "Wir prüfen den jeweiligen Einzelfall. Außerdem führen wir für jeden Mitarbeiter ein Arbeitszeitkonto, das in der Regel gegenüber unbezahltem Urlaub vorrangig genutzt wird", sagt Martin-Mönnich.

Auch Infineon-Sprecher Christoph Schumacher sagt klar: "Mitarbeiter, die bereits vor Reiseantritt wissen, dass sie nach ihrer Rückkehr in Quarantäne bleiben müssen, müssen sich für diesen Zeitraum unbezahlt freistellen lassen, falls sie ihre Arbeit nicht von zu Hause aus erledigen können."

Gibt es weitere Verpflichtungen für Arbeitnehmer?

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