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Wie die Schönborner Käserei durch die Krise kommt

Norman Oehmichen öffnete 2016. Normalerweise beliefert er Gaststätten und verkauft auf Wochenmärkten. Dennoch kann er der Krise Gutes abgewinnen.

Norman Oehmichen hat vor fünf Jahren die Hofkäserei in Schönborn am Rande Dresdens gegründet. Drei Jahre arbeitete er auf diesen Schritt hin.
Norman Oehmichen hat vor fünf Jahren die Hofkäserei in Schönborn am Rande Dresdens gegründet. Drei Jahre arbeitete er auf diesen Schritt hin. © Christian Juppe

Radeberg. Vor fünf Jahren, im Winter 2016, setzte Norman Oehmichen seinen Traum in die Tat um. In einem Dreiseithof an der Langebrücker Straße eröffnete er die Hofkäserei Schönborn. Bio und regional sollten seine Käse sein. „Am besten beides zusammen, also die Milch ist biozertifiziert, und der Hof liegt gleich hier in der Gegend“, sagt der 49-Jährige. Angefangen hat er mit einem Milchbottich, jetzt stehen drei große Kessel für die Käseherstellung bereit. „Konnten wir in den ersten Jahren maximal 500 Liter verarbeiten, sind es jetzt 3.000 Liter.“

Auch wenn Norman Oehmichen „Wir“ sagt, meint er sich. Denn er ist es, der den Laden schmeißt. Manchmal von vier Uhr morgens bis 18 Uhr. Eine Halbtagsangestellte und eine Jugendliche im Freiwilligen Ökologischen Jahr helfen ihm. „Ich hatte schon überlegt, einen Käser einzustellen, doch der will natürlich bezahlt werden, und das Geld müssen wir erst einmal erwirtschaften.“

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Die leckeren Käse aus Schönborn wurden immer beliebter. Sie werden in den Geschäften der Verbrauchergemeinschaft (VG) in Dresden angeboten. Die Hofkäserei ist auf Märkten vertreten. Der Hofladen in Schönborn ist mittwochs und sonnabends geöffnet. Besonders am Wochenende bildet sich hier schon mal eine Schlange.

Verkauf im Käseautomaten

Mittlerweile hat der Käsemeister 50 Sorten im Angebot - vom Feta über Camembert, Gouda bis hin zum Cheddar, einer englischen Spezialität. Sie werden kombiniert mit verschiedensten Zutaten: von Trüffel über Chili und Kürbiskernen bis hin zu Koriander. Dazu Quark, Joghurt, Butter.

Der Laden wurde etwas vergrößert, es gibt einen Selbstbedienungsbereich. Sogar Käseautomaten schaffte er an. Sie stehen jetzt unter anderem beim Bio-Hof Oese in Seifersdorf, in Pirna, in Großdittmannsdorf und Döbeln. Gut gekühlt sind dort Käse, Quark oder Joghurt zu haben. Ein wichtiges Standbein sind die Restaurants, in denen handgemachter Schönborner Käse zu haben ist. Das Coselpalais und das Ontario kaufen ihn zum Beispiel ein. „Wir haben auch mit Winzern zusammengearbeitet, beispielsweise mit dem Weingut Zimmerling in Pillnitz. Wein und Käse ist eine sehr gute Kombination.“

Gelernt hat Norman Oehmichen seine Handwerkskunst quasi auf der ganzen Welt. Nach einer Ausbildung zum Landwirt ging er zunächst nach Südafrika. Auf einer Farm lernte er die Käseherstellung kennen, eher zufällig. Nach vier Jahren war in Südafrika Schluss. Nächste Station war dann Irland. „Dort habe ich eine Farm mit 200 Ziegen gemanagt. Aus der Milch dieser Tiere haben wir Käse produziert.“

Sieben Jahre blieb der gebürtige Chemnitzer dort, lernte seine Frau Franziska kennen und machte nebenbei auch einen Abschluss als „Farmhouse Cheese Maker“. Anschließend ging es ab nach Australien. Auf einer Farm half er, die Milch von 80 Kühen zu Käse zu verarbeiten. 2005 wieder zurück in Deutschland fing er in Deutschlands größter Bio-Molkerei in Münchehofe an, begann eine Meisterausbildung. Später wechselte er als Schichtführer zu Müllermilch nach Leppersdorf, bis er seinen Traum von der eigenen Käserei umsetzte.

Dieser Hartkäse wird mit einem speziellen Hobel geschnitten. Rund 50 Käsesorten stellt die Hofkäserei Schönborn her.
Dieser Hartkäse wird mit einem speziellen Hobel geschnitten. Rund 50 Käsesorten stellt die Hofkäserei Schönborn her. © Christian Juppe
Die frischen Käselaibe reifen in einem extra Raum.
Die frischen Käselaibe reifen in einem extra Raum. © Christian Juppe

Mit seinem Wissen, seinem Können traf er den Geschmack der Käsefans. Der Verkauf lief gut, der Umsatz stieg. „Anfangs haben wir alles in die Käserei gesteckt. Dann konnten wir etwas Geld zur Seite legen. Jetzt mit Corona ist das leider nicht mehr so“, sagt der Schönborner. „Die Restaurants haben geschlossen und auch viele Märkte finden nicht statt. 2019 waren wir noch auf acht Weihnachtsmärkten, im vergangenen Jahr auf keinem einzigen. Um etwa ein Drittel ist der Umsatz zurückgegangen.“ Hilfen bekommt die kleine Firma keine, sagt er. „Unsere Steuerberaterin hat das durchgerechnet. Wir passen in kein Programm so richtig rein.“

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Klagen will Norman Oehmichen dennoch nicht. „Wir haben ja noch den Vorteil, dass der Verkauf beispielsweise über die Verbrauchergemeinschaft weiter geht. Ein Glücksumstand war für uns auch, dass im vergangenen Sommer die wenigsten in den Urlaub gefahren sind. Sie sind hiergeblieben und haben bei uns weiter eingekauft. Juli, August sind für uns normalerweise schwache Monate.“

Doch der Umsatzrückgang sei enorm, schließlich laufen ja die Kosten in bisheriger Höhe weiter, der Kredit beispielsweise. „Aber wir können immerhin unsere Rechnungen bezahlen.“

Auf die Frage, ob er nach der Erfahrung der fünf Jahre Selbstständigkeit noch einmal diesen Schritt gehen würde, anstatt lieber einen sicheren Arbeitsplatz bei einer großen Molkerei hätte, kommt ein klares Ja. „Ich habe es nie bereut. Auch die bisherige Zeit mit Corona hat mich nicht zweifeln lassen. Ich weiß, dass es eine Nachfrage nach unseren Produkten gibt, und vor Corona lief es ja auch immer besser. Auch wenn es Zeit braucht, das kommt wieder.“

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