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Wie ein Wirt den Lockdown übersteht

Zwei seiner Häuser sind seit Wochen dicht, eines öffnet sporadisch als Imbiss. Trotzdem investiert Uwe Henkenjohann in das nächste Projekt in Gohrisch.

Uwe Henkenjohann hat aus dem früheren Annas Hof in Gohrisch mit großem Aufwand das moderne "Quartier 5" gemacht.
Uwe Henkenjohann hat aus dem früheren Annas Hof in Gohrisch mit großem Aufwand das moderne "Quartier 5" gemacht. © Steffen Unger

Wie verrückt muss man sein, um mitten im Corona-Lockdown mit einem neuen Landgasthof an den Start zu gehen? Unternehmer Uwe Henkenjohann zögert nicht mit der Antwort. Die Verträge seien ja schon vor Corona unterzeichnet worden und er sei weiter voller Optimismus. Geplant war die Neueröffnung zum 1. Dezember 2020. Das musste ausfallen.

Statt auf Biegen und Brechen zu öffnen, hat er sich für den scharfen Start mit Gästen noch mal etwas Zeit gegeben. Das gilt auch für die Restarbeiten der Sanierung im Ostflügel. Jetzt soll das "Quartier 5" am 1. April offiziell eröffnet werden. Sowie es die Corona-Maßnahmen zulassen, soll es aber schon ein "Pre-Opening" geben.

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Erfüllung eines Traums

Der Gebäudekomplex an der Neuen Hauptstraße in Gohrisch war bis Ende 2018 als "Annas Hof" bekannt. Der lief zwar gut, aber es hätte investiert werden müssen. Stattdessen verkaufte der Eigentümer die Immobilie und Uwe Henkenjohann nutzte die Chance, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen.

"Ich komme ja aus der Hotellerie, habe im Allgäu in namhaften Häusern gearbeitet", sagt er. In der Sächsischen Schweiz betreibt er bereits die Berggaststätte auf dem Papststein, die "Drehscheibe" im Bahnhof Bad Schandau und die Bergwirtschaft am Kuhstall. Mit dem Landgasthof "Quartier 5" bietet er nun auch Übernachtungen an.

Gleich nach dem Eingangsbereich folgt im Quartier 5 ein Raum mit Cafeteria- und Bistro-Atmosphäre. Ein Seminarraum mit großem Fernseher schließt sich an.
Gleich nach dem Eingangsbereich folgt im Quartier 5 ein Raum mit Cafeteria- und Bistro-Atmosphäre. Ein Seminarraum mit großem Fernseher schließt sich an. © Steffen Unger
Hier kann festlich unterm Kronenleuchter gefeiert werden - wenn es wieder erlaubt ist.
Hier kann festlich unterm Kronenleuchter gefeiert werden - wenn es wieder erlaubt ist. © Steffen Unger
Uwe Henkenjohann hat neben dem Tresen im "Wohnzimmer" Gemütlichkeit mit Kaminfeuer und Polstermöbeln geschaffen.
Uwe Henkenjohann hat neben dem Tresen im "Wohnzimmer" Gemütlichkeit mit Kaminfeuer und Polstermöbeln geschaffen. © Steffen Unger
Ein Schreibtisch aus Familienbesitz ist quasi die Rezeption des Gasthauses.
Ein Schreibtisch aus Familienbesitz ist quasi die Rezeption des Gasthauses. © Steffen Unger
Die Zimmer sind mit Echtholzmöbeln bestückt und entsprechend der fünf Elemente Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde gestaltet.
Die Zimmer sind mit Echtholzmöbeln bestückt und entsprechend der fünf Elemente Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde gestaltet. © Steffen Unger
Für Restaurantleiter Roberto Lehmann ist der Außer-Haus-Verkauf jetzt auch ein Testlauf für den scharfen Start.
Für Restaurantleiter Roberto Lehmann ist der Außer-Haus-Verkauf jetzt auch ein Testlauf für den scharfen Start. © Steffen Unger
Im Quartier 5 in Gohrisch gibt es jetzt fünf ganz unterschiedliche Raumkonzepte.
Im Quartier 5 in Gohrisch gibt es jetzt fünf ganz unterschiedliche Raumkonzepte. © Steffen Unger
Außen gab es am Quartier 5 die wenigsten Veränderungen zum früheren "Annas Hof". Innen wurde generalsaniert.
Außen gab es am Quartier 5 die wenigsten Veränderungen zum früheren "Annas Hof". Innen wurde generalsaniert. © Steffen Unger

Wegen Corona geht es ans Eingemachte

Am Kuhstall ist weiterhin etwas Betrieb. An den Wochenenden bietet er von 11 bis 16 Uhr einen Imbiss zum Mitnehmen an. "Das lohnt sich natürlich nicht ansatzweise", sagt Henkenjohann. Es dürften ja auch nur Ausflügler aus einem Umkreis von 15 Kilometern kommen. Über seine Social-Media-Kanäle im Internet macht er auf das Angebot aufmerksam. "Das wird auch eifrig geteilt", sagt er. Seine Mitarbeiter haben so wenigstens etwas zu tun.

Die anderen beiden Einrichtungen sind zu. Für Beschäftigte hat er Kurzarbeit angemeldet, stockt den fehlenden Betrag zum Gehalt aber auf. Schließlich könnte die Politik ja jederzeit die Öffnung erlauben. Da ist es gut, wenn man das Personal im Unternehmen gehalten hat.

Das funktioniert aber bei niemandem ewig. Irgendwann sind alle Rücklagen aufgebraucht. Den Glauben an die Politik hat er noch nicht verloren. "Es muss ja wieder weitergehen, das weiß man dort ja auch", sagt er.

Das Glück der guten Jahre

Für das Unternehmen lebenswichtig war, dass jetzt wenigstens mal 50 Prozent der versprochenen November- und Dezemberhilfen angekommen ist. Damit wird 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahr erstattet, abzüglich des Wareneinsatzes, der jetzt ja wegfällt. Wer also wenig Rohertrag hatte, bekommt nun auch wenig Zuschuss. Wer als Unternehmer bis dato am eigenen Einkommen gespart hat, dürfte im Lockdown erst recht Probleme haben.

Henkenjohann bezeichnet es als Glück, dass die Jahre 2018 und 2019 wirtschaftlich gute waren und auch der Sommer 2020 viel Umsatz brachte. Zeit zum Rechnen und für Bürokratie gibt es zwar im Lockdown, doch das ist auch eine Dauerbelastung. "Da lenkt die Neueröffnung ganz gut ab", sagt Henkenjohann.

Die Finanzierung für den Umbau zum "Quartier 5" hatte er schon beim Kauf der Immobilie 2019 gesichert. "Das war ein riesiger Aufwand und hat lange gedauert, hat sich aber gelohnt", sagt er. Die genaue Investitionssumme möchte er nicht nennen. Ein hoher sechsstelliger Betrag dürfte es auf alle Fälle sein. Weil er neue Arbeitsplätze geschaffen hat, bekommt er auch 30 Prozent über das Programm Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" gefördert, auch GRW-Mittel genannt.

Im Testbetrieb laufen Paninis am besten

Statt der kompletten Eröffnung läuft die Küche des "Quartier 5" nur im Testbetrieb. "Für den Außer-Haus-Verkauf haben wir eine extra Karte gemacht", sagt Restaurantleiter Roberto Lehmann. Der Sachse war einst ausgezogen, anderswo sein Glück zu finden. Nun ist er wieder zurück in der Heimat und freut sich schon riesig, wenn die ersten Gäste endlich im Haus bewirtet werden können. Derzeit laufen die Panini Americano zum Mitnehmen am besten. Einige Zutaten kommen schon von Produzenten aus der Region. Im Normalbetrieb würden weitere folgen.

Die "5" spielt immer wieder eine Rolle. So soll es nur fünf Hauptgerichte geben, die aber öfter wechseln. Auch das Raumkonzept im Erdgeschoss hat fünf Teilbereiche. Am Eingang schließt sich die Cafeteria mit Bistro-Atmosphäre an. Daneben befindet sich ein Seminarraum mit großem Bildschirm.

Noch Stellen unbesetzt

Das Herzstück bildet das "Wohnzimmer", wie Uwe Henkenjohann den Bereich vor dem Tresen nennt. Polstermöbel, flache Tische und Kaminflammen sorgen für Gemütlichkeit. Das wirkt ein bisschen wie eine Hotelbar.

In den Veranden ist das Restaurant für alle, die gern gut speisen möchten. "Da hat fast jeder Tisch die beliebten Fensterplätze", wirbt der Wirt. Der fünfte Raum mit Festtafel unterm Kronleuchter hat noch mal ein ganz anderes Flair. Die Gästezimmer im Obergeschoss sollen die fünf Elemente repräsentieren.

Noch sind Handwerker im Haus zu hören, die Internetseite ist noch nicht ganz fertig und es werden noch Mitarbeiter für Küche und Service gesucht. Da dürfte Henkenjohann aktuell einer der wenigen in einer Corona-gebeutelten Branche mit Stellenangeboten sein.

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