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Moxy Dresden: Eröffnung mitten im Lockdown

Seit April wartet das neue Moxy-Hotel in Dresden-Neustadt auf Gäste. Dabei will es vieles anders machen als die Konkurrenz. Wie der Regelverstoß zum Konzept wird.

Hoteldirektorin Sandra von Wiecki freut sich, dass der Hotelbetrieb an der Friedrich-Wolf-Straße wieder losgeht.
Hoteldirektorin Sandra von Wiecki freut sich, dass der Hotelbetrieb an der Friedrich-Wolf-Straße wieder losgeht. © Sven Ellger

Dresden. Blau-weiße Kacheln am Gebäude. Pinke Schrift über dem Eingang. Beim Betreten schiebt sich die Glastür automatisch auf. Drinnen hört man leise Jazz-Musik. Eine freundliche Mitarbeiterin grüßt an der Rezeption. Viel zu tun hat sie im Moment allerdings nicht: Im Frühjahr wurde das viergeschossige Moxy-Hotel in Dresden-Neustadt eröffnet, Gäste hat es aber bisher wegen des Lockdowns wenige empfangen.

Dabei ist das zur Marriott-Gruppe gehörige Hotel eines der ersten seiner Art in Ostdeutschland. Unter dem Namen Moxy wollte die Marriott-Kette vor sieben Jahren etwas Neues ausprobieren. "Wir möchten damit die Millennials - also die jungen Menschen - ansprechen", erklärt die Dresdner Hoteldirektorin Sandra von Wiecki. Junge Leute, die neue Unternehmen gründen und auf den grauen Anzug keine Lust haben. "Moxy ist pink und verspielt." Von Wiecki zeigt auf kleine Graffiti-Bilder an den Wänden: Ein Hund mit Brille denkt in einer Sprechblase: "It's ok to act like a Rockstar." Es ist in Ordnung, wie ein Rockstar zu leben. Englisch gehört hier zur Grundausstattung.

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Das Motto im Moxy-Hotel in Dresden lautet angelehnt an die Sächsische Schweiz "Bergsteigen".
Das Motto im Moxy-Hotel in Dresden lautet angelehnt an die Sächsische Schweiz "Bergsteigen". © Sven Ellger
Zwischen 65 und 85 Euro kostet eine Übernachtung im Moxy-Hotel.
Zwischen 65 und 85 Euro kostet eine Übernachtung im Moxy-Hotel. © Sven Ellger
Die Vorgabe für die Außenfassaden war, dass sich das Hotel nahe dem Neustädter Bahnhof an die historischen Merkmale der Nachbarschaft anpasst
Die Vorgabe für die Außenfassaden war, dass sich das Hotel nahe dem Neustädter Bahnhof an die historischen Merkmale der Nachbarschaft anpasst © Sven Ellger

Moxy will gegen die herkömmlichen Hotel-Regeln verstoßen

In den Ecken liegen bunt genähte Sitzkissen, ein langer Holztisch steht in der Mitte. Gegessen wird gemeinsam, wenn nicht gerade Corona-Zeit ist. Kaffeemaschine, Drucker, Mikrowelle, Computer. "Self-Service ist best service" lautet hier das Motto. Lieber selber machen, statt sich bedienen zu lassen. Ein Trend, der besonders junge Menschen anspreche, so Sandra von Wiecki.

Ein paar Schritte weiter ist eine Kletterwand mitten im Raum befestigt. Die Lounge vermittelt nicht das klassische Hotel-Gefühl, es wird der Versuch unternommen, das streng Geschäftliche aufzubrechen. Diese Hotelstrategie scheint Erfolg zu haben. Insgesamt hat die Marriott-Gruppe schon 70 Moxy-Hotels in Nordamerika, Europa und Asien eröffnet. Die Dresdner Hoteldirektorin hat dafür eine Erklärung: "Auch junggebliebene Geschäftsreisende suchen gezielter nach Hotels, die etwas anderes anbieten." So gibt es in den Zimmern des Drei-Sterne-Hotels keine Schränke. Wie Sandra von Wiecki sagt, habe man festgestellt, dass die meisten Gäste nur eine Nacht bleiben und daher den Koffer sowieso nicht auspacken. Das spart Platz. Knapp 70 Euro kostet eine Übernachtung hier.

Die Marriott-Gruppe selbst zählt weltweit 7.000 Hotels. Ableger Moxy verstößt bewusst gegen die Regeln eines herkömmlichen Hotelaufenthalts. Statt eines Obstkorbs erwartet die Gäste ein Einhorn-Luftballon im Zimmer. Statt Botschaften auf Zetteln mitzuteilen, schreiben die Mitarbeitenden hier auf die Spiegel.

"Ich wusste oft nicht, was ich den Gästen in Dresden empfehlen konnte."

Auch wenn Geschäftsreisen während der Pandemiezeit erlaubt waren, blieben die Gäste im Dresdner Moxy zunächst aus. Etwa 20 Reisende pro Nacht beherbergte Sandra von Wiecki im Schnitt. Bei 185 Betten eine Auslastung von knapp 10 bis 15 Prozent. Ein Grund: Keine Kongresse, sondern Videokonferenzen. Die Geschäftsreisen fanden digital statt haben und haben den Hotelbetrieb zum Erliegen gebracht.

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Zum Schutz der Mitarbeiter und Gäste hat das Courtyard by Marriott den Service stark eingeschränkt. Die meisten anderen Hotels in Dresden sind schon geschlossen.

Die Geschäftsführung hat damit von Anfang an gerechnet und weniger Personal eingestellt. Das Hotel ist dennoch 24/7 geöffnet und bietet rund um die Uhr Essen und Getränke. Lange Zeit durften die Gäste aber nur in den Zimmern essen. Sandra von Wiecki fand das nicht schön: "Das macht nicht das Miteinander-Gefühl aus, man kann sich nicht gemeinsam unterhalten in der Lobby. Ich wusste oft nicht, was ich den Gästen in Dresden empfehlen konnte, weil ja alles geschlossen hatte." Besserung ist nun aber in Sicht. Hotelübernachtungen sind wieder für alle erlaubt. Vorausgesetzt das Zimmer wurde vorab gebucht. Außerdem benötigen die Reisenden einen tagesaktuellen Test zu Beginn ihres Aufenthalts. Sandra von Wiecki ist gespannt auf die nächsten Monate: "Wir sind zwar optimistisch gestimmt, aber noch weit davon entfernt von einer Rückkehr zur Normalität zu sprechen."

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