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Wie gefährlich Corona für Schwangere ist

Ein Register sammelt Fälle im ganzen Land und liefert wichtige Erkenntnisse.

Sollten sich Schwangere gegen Corona impfen lassen dürfen? Die Initiatoren des Cronos-Registers unterstützen die Idee – aus gutem Grund.
Sollten sich Schwangere gegen Corona impfen lassen dürfen? Die Initiatoren des Cronos-Registers unterstützen die Idee – aus gutem Grund. © Mascha Brichta/dpa

Die Auswirkungen einer Corona-Infektion auf Schwangere und Neugeborene müssen, wie so vieles rund um das neue Virus, noch erforscht werden. Schon sehr früh begannen Wissenschaftler aber damit, die Corona-Erkrankungen bei Schwangeren zu dokumentieren. Initiiert hatten das Mario Rüdiger, Professor und Gründungsdirektor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Universitätsklinikum, und Ulrich Pecks, Professor und Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Nun liegen wichtige Erkenntnisse vor.

Mehr als 2.000 während der Schwangerschaft positiv auf Sars-CoV-2 getestete Frauen wurden bisher im sogenannten Cronos-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) erfasst. Innerhalb kürzester Zeit wurden vor einigen Monaten ehrenamtlich die Voraussetzungen für das Register geschaffen, in dem mittlerweile mehr als 150 Kliniken in Deutschland registriert sind. In diesen Kliniken kamen 2020 insgesamt 180.000 Kinder und damit über ein Viertel aller Neugeborenen in Deutschland zur Welt.

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Anstieg sehr schwerer Verläufe bei Schwangeren

„Wichtig war uns, dass wir als interdisziplinäre Fachgesellschaft nicht nur Daten der Schwangeren erfassen, sondern auch Aussagen zu den Auswirkungen auf das Neugeborene machen können“, erklärt Ulrich Pecks. Mittlerweile wurden 1.619 Neugeborene Sars-CoV-2-infizierter Schwangerer geboren. „Wir können die Frauen, die während der Schwangerschaft positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, mittlerweile beruhigen“, ergänzt Mario Rüdiger. Weniger als fünf von 100 Neugeborenen wurden nach der Geburt positiv auf das Coronavirus getestet, und nur sehr wenige sind ernsthaft erkrankt.

Allerdings zeigen die Daten auch, dass eine Infektion in der Schwangerschaft mit schweren Verläufen von Covid-19 für die Betroffene einhergehen und somit eine Gefahr für die Schwangere darstellen kann. Aktuelle Presseberichte aus der Uniklinik in Hamburg zu sehr schweren Verläufen veranlassten die Verantwortlichen nun, das Cronos-Register erneut zu bewerten. „Wir finden in ganz Deutschland zurzeit einen Anstieg sehr schwerer Verläufe, bei denen die schwangeren Frauen beatmet werden müssen,“ erklärt Pecks.

In absoluten Zahlen gesprochen seien dies zwar wenige betroffene Patientinnen. Im März und April waren es mit elf Fällen jedoch etwa doppelt so viele wie in den Monaten davor. „Eine schlüssige Erklärung haben wir hierzu noch nicht, aber wir gehen der Sache nach“, erläutert der Geburtshelfer weiter. Zudem wird eine erhöhte Rate an Frühgeburten beobachtet, die dann eine intensivere Beobachtung beziehungsweise Behandlung des Neugeborenen nach sich zieht.

Empfehlung für Impfung

Daten internationaler Studien weisen aktuell darauf hin, dass die Impfung gegen Covid-19 während der Schwangerschaft sicher ist und die bei einer Infektion vermehrt auftretenden Risiken für Mutter und Kind verhindern kann. Daher hat die DGPM, gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, eine Empfehlung für eine Impfung während der Schwangerschaft ausgesprochen. „Diese schützt nicht nur die Schwangere. Auch bei dem Neugeborenen sind nach einer Impfung der Schwangeren die schützenden Antikörper nachweisbar“, erklärt Rüdiger.

Derzeit wird das Register erweitert, damit sowohl die psychischen Auswirkungen von Covid-19 beurteilt werden können, aber auch Daten zur Auswirkung der Impfung während der Schwangerschaft und zu den langfristigen Konsequenzen einer Infektion verfügbar sind. Wenngleich das Cronos-Register flächendeckende Daten für Deutschland liefert, fand sich bisher keine Möglichkeit einer hinreichenden Finanzierung dieser wichtigen Infrastruktur.

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„Der Erkenntnisgewinn, von dem die Versorgung Schwangerer in Deutschland enorm profitiert, ist einzig dem ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten zu verdanken“, sagen die beiden Initiatoren. Eigentlich sei es eine Blamage, dass die Förderanträge immer wieder abgelehnt wurden und das Projekt auf den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Beteiligten angewiesen ist.

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