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Wie kommst du mit der Corona-Pandemie klar?

Bei 16- bis 21-Jährigen ist die Impfbereitschaft niedrig, viele fühlen sich gleichzeitig sehr eingeschränkt. Die Ergebnisse einer SZ-Umfrage.

Zum Schutz vor der Pandemie - ein Leben auf der Couch. Aber wie kommen junge Menschen damit klar?
Zum Schutz vor der Pandemie - ein Leben auf der Couch. Aber wie kommen junge Menschen damit klar? © Tobias Hase/dpa

"Mein Alltag ist sehr eintönig geworden." Dieses Fazit eines Befragten könnte sinnbildlich für das Leben stehen, das junge Menschen in der Corona-Zeit führen. Alltag bedeutet für viele junge Menschen seit Monaten vor allem Homeschooling, wenig persönliche Kontakte, kaum Ausgeh- und Feiermöglichkeiten und Urlaub zu Hause. Von Abwechslung kaum eine Spur und ein Ende nicht absehbar. Seine Jugend mitten in einer Pandemie zu erleben - wie fühlt sich das an? Sächsische.de hat versucht, es mit einer Umfrage herauszufinden.

330 junge Frauen, Männer und Diverse im Alter von 16 bis 21 Jahren aus ganz Sachsen haben im Januar 2021 die Fragen von Sächsische.de beantwortet und damit einen Einblick in ihre Gedanken und ihren Umgang mit der Pandemie gegeben. Selbst wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, sind die Ergebnisse interessant - auch für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

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Die Ergebnisse der Umfrage mit dem Titel "Wie gehen junge Menschen mit der Pandemiesituation um?"
Die Ergebnisse der Umfrage mit dem Titel "Wie gehen junge Menschen mit der Pandemiesituation um?" © SZ Grafik

Viele halten sich nicht an die Regeln

Selten Vorerkrankungen - keine Risikogruppe. Jüngere Menschen gelten als wesentlich weniger bedroht als Ältere. Soweit die Erkenntnis der Wissenschaft. Doch wie sehen sie selbst das? Fürchten sie sich dennoch davor, sich mit dem Virus zu infizieren? Laut der Umfrage haben 42 Prozent gar keine Angst davor und 49 Prozent nur ein bisschen. Lediglich 8,5 Prozent gaben an, sich sogar sehr vor einer Ansteckung zu fürchten. Einer der Befragten sprach von einem "ständigen mulmigen Gefühl draußen" und der "Furcht vor großen Menschenansammlungen".

Im Gegensatz dazu scheint ein überraschend großer Anteil sich nicht an die Corona-Maßnahmen zu halten. 55 Prozent gaben an, "zwar darauf zu achten, wenn es passt, die Regeln aber auch mal zu brechen." 6,4 Prozent erklärten, dass sie auf die geltenden Regeln gar nicht achten. Frauen zeigen sich dabei pflichtbewusster, als die männlichen Teilnehmer - so lag der Anteil der Frauen, die angaben, nicht auf die Regeln zu achten, bei 3,3 Prozent, während es bei den Männern fast 15 Prozent waren.

Vielen schlägt der Mangel an sozialen Kontakten zunehmend aufs Gemüt. Ein Teilnehmer schreibt: "Wenn ich meine engste Familie besuchen will, muss ich wohl oder übel die Regeln brechen, aber das ist es wert." Ein anderer plagt sich mit dem Gewissen: "Man lebt ständig in der Angst, andere zu gefährden, wenn man sich mal nicht an die Regeln hält." Immerhin gaben fast 43 Prozent der Befragten an, sehr akribisch auf die Einhaltung der Maßnahmen zu achten.

Jeder 10. hält Maßnahmen für völlig überzogen

Im Angesicht dessen, wie viele junge Menschen die Maßnahmen gegen die Ausbreitung Virus - aus welchen Gründen auch immer - wissentlich unbefolgt lassen, lohnt sich die Frage, ob sie die beschlossenen Infektionsschutzgesetze für gerechtfertigt halten. Das beantworteten knapp 47 Prozent der Befragten mit "Ja". Ihrer Auffassung nach müsse alles getan werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. 13 Prozent der Teilnehmer sind da anderer Meinung - die Maßnahmen seien von Anfang an nicht gerechtfertigt gewesen. Interessant ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Doppelt so viele männliche Teilnehmer haben sich gegen die Beschränkungen ausgesprochen, wie weibliche.

Die Meinung der Mitte teilen etwa 40 Prozent. Diese halten die Maßnahmen für durchaus wichtig, allerdings geht ihnen die Einschränkung der Grundrechte, wie beispielsweise die Versammlungsfreiheit und das Recht auf Freizügigkeit, zu weit.

Aber bedeutet das auch gleich Zuspruch zum Protest? Auf die Frage, was sie von Protesten gegen die Maßnahmen halten, geben 40 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass derartige Demonstrationen die Gesellschaft gefährden und unnötig zur Verbreitung des Virus beitragen. Fast die Hälfte ist der Meinung, dass es gut und wichtig ist, sich zu wehren, die Herangehensweise jedoch falsch ist. Die übrigen elf Prozent vertreten die Ansicht, dass die Protestaktionen gegen die Maßnahmen begründet sind und sie diese unterstützen.

In Zuge dessen erklären zehn Prozent der Befragten, dass sie sich selbst schon einmal an einer solchen Protestaktion beteiligt haben. 81 Prozent erklären, dass sie das nicht haben. Die restlichen neun Prozent enthalten sich zu diesem Thema.

Impfbereitschaft liegt bei knapp 33 Prozent

Wie weit würden sie gehen, um ihr altes Leben zurückzubekommen, wenn sich schon so viele nicht korrekt an die Maßnahmen halten? Würden sie sich gegen das Virus impfen lassen? 32,5 Prozent beantworteten diese Frage mit "Ja". Der Gedanke, eine Impfung könnte die ersehnte Normalität zurückbringen, gibt vielen Hoffnung. Dem entgegen stehen knapp 26 Prozent, die die Spritze strikt ablehnen. Zwischen diesen beiden Fronten finden sich fast 42 Prozent, die sich unentschlossen geben. Die Angst vor bislang unerforschten Langzeitfolgen lässt sie zweifeln.

Die besten Partyjahre verloren

"Ein menschenwürdiges Leben führen", lautet der Wunsch eines Befragten. Aber was macht das Leben zur Zeit so wenig "menschenwürdig"? Für mehr als 63 Prozent bedeutet es, eingeschränkten Kontakt zu Freunden und Familie haben. Für knapp vier Prozent der Teilnehmer führt der Entzug zu gesundheitlichen Beschwerden. Sie berichten von Depression und Einsamkeit. "Man kommt sich allein vor und das geht auf die Psyche", lautet eine Antwort.

Nicht leichter macht das die Schließung von Freizeiteinrichtungen und Sportstätten, die gut 41 Prozent der Befragten aufführen. Durch den Verlust von Hobbys wirkt der Alltag noch grauer - und nicht jeder schafft es, sich im Lockdown zu Hause zu beschäftigen. Viele würden gerne mal wieder in ein Restaurant oder ins Kino gehen. "Mich stört der Verlust der besten Partyjahre", schreibt jemand.

Die Bildungseinschränkungen bringen für 35 Prozent der Befragten Probleme mit sich. Vor allem der Onlineunterricht scheint für viele nicht die optimale Lösung zu sein. "Die Situation überfordert mich etwas und meine Lernmotivation fährt von Woche zu Woche weiter runter", lautet eine Stimme von vielen zu diesem Thema. Auch Studenten, die häufig nicht in ihrer Heimatstadt studieren, beklagen die Lage. "Man sitzt den gesamten Tag allein vor dem PC und lernt niemanden kennen", sagt einer von ihnen. Auch bei Azubis ist die Not groß - nicht nur ist die Ausbildung selbst erschwert, in einigen Fällen kommt auch die Sorge hinzu, ob der Ausbildungsbetrieb die Pandemie überhaupt überlebt.

Bei jedem 5. läuft es immer noch nach Plan

Doch wie viele von ihnen haben tatsächlich ihre Pläne ändern müssen? 20 Prozent der Teilnehmer geben an, dass bei ihnen trotz der erschwerten Lage alles nach Plan läuft. Für knapp 43 Prozent der Befragten bedeuteten die Auswirkungen der Pandemie, dass sie sich für einige Pläne nach Alternativen umsehen mussten. Die übrigen 39 Prozent erklärten, dass das Coronavirus ihnen jegliche Pläne zunichte gemacht hat. 55 Prozent der Teilnehmenden fühlen sich sogar ihrer Zukunft beraubt.

Auf die Frage, ob das Leben eines Tages wieder so wird, wie es vor dem Ausbruch des Virus mal war, antworten nur 8 Prozent mit "Nein". 27 Prozent der Befragten sind der gegenteiligen Auffassung. Die übrigen 65 Prozent denken nicht, dass das Virus jemals wieder ganz aus unserem Leben verschwindet, aber sie glauben, dass irgendwann wieder eine gewisse "Normalität" einkehrt.

Das Gefühl, etwas zu verpassen

Fazit: Wie es sich anfühlt, seine Jugend mitten in einer Pandemie zu erleben? Ein Umfrageteilnehmender bringt es passend auf den Punkt, indem er sagt "Ich habe das Gefühl, etwas zu verpassen." Verpassen, seinen Schulabschluss wie jeder andere zu machen. Verpassen, wie geplant seinen Weg zu gehen. Und gewissermaßen auch verpassen, seine Jugend so auszuleben, wie man es gerne wollte. Die Umfrage zeigt aber auch, dass die junge Generation gespalten ist - beispielsweise, was die Einsicht in die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen und deren Einhaltung angeht oder etwa wenn es um die Frage der Impfbereitschaft.

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