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Wie geht das Impfen mit Astrazeneca jetzt weiter?

Die EU-Arzneimittelbehörde hält das Serum für sicher. Was die Entscheidung für Sachsen bedeutet - die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Drei Tage nach dem vorsorglichen Stopp in Deutschland empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde trotz einiger Thrombose-Erkrankungen den weiteren Einsatz des Mittels von Astrazeneca.
Drei Tage nach dem vorsorglichen Stopp in Deutschland empfiehlt die EU-Arzneimittelbehörde trotz einiger Thrombose-Erkrankungen den weiteren Einsatz des Mittels von Astrazeneca. © Russell Cheyne/PA Wire/dpa

Die Corona-Schutzimpfungen mit dem Mittel des Herstellers Astrazeneca können fortgesetzt werden. Nachdem mehrere EU-Länder, darunter Deutschland, nach Fällen von Thrombose den Einsatz des Impfstoffs stoppten, erklärte die EU-Arzneimittelbehörde Ema das Vakzin am Donnerstag für sicher und effektiv. Behördenchefin Emer Cooke bekräftigte, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Impfungen die Vorfälle verursacht hätten. Dennoch sei es nicht ausgeschlossen. Daher würden die Prüfungen und Studien auch fortgesetzt.

Die Ema empfehle, die Produktinformation zu erweitern, um auf die möglichen Risiken hinzuweisen. Nach Ansicht der EU-Experten sei der Nutzen größer als die Gefahr: Bis zum 16. März hätten rund 20 Millionen Menschen in der EU und Großbritannien eine Astrazeneca-Impfung erhalten. Die EMA habe 18 beziehungsweise sieben Fälle bestimmter Arten von Blutgerinnseln untersucht.Die SZ erläutert die Folgen dieser Entscheidung für Sachsen:

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Wann gehen die Impfungen in Sachsen weiter?

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) legte sich am Donnerstag nicht auf einen genauen Termin fest. Es solle zeitnah weitergehen, sagte sie. Köpping war am Montag ebenso von dem vorsorglichen Astrazeneca-Stopp durch den Bund überrascht worden wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK). An dem Tag stand noch nicht fest, wie lange die Untersuchungen dauern könnten. Vermutlich werden die nächsten Erst- und Zweitimpfungen mit dem Wirkstoff des britisch-schwedischen Herstellers aus organisatorischen Gründen erst Anfang nächster Woche fortgesetzt. Allerdings hatte Köpping darauf hingewiesen, dass die Lieferungen des Impfstoffs derzeit wieder knapp ausfallen. Die Planungen müssten daher ständig geändert werden.

Müssen Impfwillige, deren Termin abgesagt wurde, im Portal neu buchen?

Wer in dieser Woche eine Absage erhalten hat, wird Köpping zufolge über seinen Ersatztermin informiert. Wer diesen Ersatztermin nicht wahrnehmen kann, muss sich, so der Stand am Donnerstag, selbst um einen neuen Termin bemühen. Das DRK begründet dies mit dem technischen und personellen Aufwand der Aktion. Die ab nächster Woche schon vereinbarten Impfungen sollen dann wie geplant fortgesetzt werden. Auch die Impfbusse, die speziell in ländlichen Regionen eingesetzt werden, nehmen die Arbeit wieder auf.

Wie schwerwiegend waren die Vorfälle?

In Deutschland gibt es 13 gemeldete Fälle von Blutgerinnsel in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, wie das Bundesgesundheitsministerium in Berlin mitteilte. Drei Patienten seien gestorben. Insgesamt handele es um zwölf Frauen und einen Mann zwischen 20 und 63 Jahren. Ob Geimpfte aus Sachsen darunter sind, ist nicht bekannt. Mit Verweis auf das Patientengeheimnis wollte der Chef der sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, die Frage nicht beantworten.

Wie sieht es derzeit in den Impfzentren aus?

Der Betrieb in den Impfzentren musste notgedrungen heruntergefahren werden. Seit dem vom Bund angeordneten Astrazeneca-Stopp konnten dort nur noch Zweitimpfungen mit dem Serum anderer Hersteller stattfinden. Eine Ausnahme ist die temporäre Außenstelle in Grimma, wo einige hundert Menschen in dieser Woche Biontech-Dosen erhielten. Vor dem Astrazeneca-Stopp meldete Sachsen bis zu 11.000 Erst- und Zweitimpfungen täglich. Seit Montag sind es nur noch 6.500, darunter weit überwiegend Zweitimpfungen. Die Impfquote in Sachsen wurde am Donnerstag mit 7,9 angegeben. Bundesweit liegt sie bei 8,4.

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