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Wie hoch ist das Corona-Risiko in der Sauna?

Zwar haben Saunen unter Auflagen geöffnet. Doch viele fürchten dort eine Ansteckung mit dem Virus. Zu Recht?

Hendrik Pötter, Chef der Badegärten in Eibenstock, kämpft dafür, dass in Sachsens Saunen wieder Aufgüsse möglich sind.
Hendrik Pötter, Chef der Badegärten in Eibenstock, kämpft dafür, dass in Sachsens Saunen wieder Aufgüsse möglich sind. © Georg Ulrich Dostmann

Die klassische Saunazeit hat begonnen. Sachsen war das zweite Bundesland, in dem das gemeinsame Schwitzen nach dem Lockdown wieder möglich war. „Doch viele Menschen sind nach wie vor sehr vorsichtig“, hat Hendrik Pötter, Chef der Badegärten in Eibenstock, beobachtet. Seine Anlage im Westerzgebirge ist mit ihren 14 Schwitzmöglichkeiten eine der größten in Sachsen. Während der Sommermonate kamen rund ein Drittel weniger Besucher als im Vorjahr. Ob das an Corona lag oder an den außergewöhnlich heißen Tagen im August, kann Pötter nicht einschätzen. Ist ein Saunabesuch in Pandemiezeiten bedenkenlos möglich?

Unter welchen Bedingungen ist Saunieren in Sachsen erlaubt?

Öffnen dürfen Trockensaunen mit einer Temperatur von mindestens 80 Grad Celsius. Dafür muss der Sauna-Betreiber ein genehmigtes Hygiene-Konzept haben. Er muss insbesondere dafür sorgen, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten werden kann – etwa durch Beschränkungen der Besucherzahlen. So regelt es die aktuelle Allgemeinverfügung des Freistaates.

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Nach wie vor geschlossen bleiben müssen Dampfbäder und Dampfsaunen. „Es wird davon ausgegangen, dass sich möglicherweise virusbelastete Aerosole durch die hohe Luftfeuchtigkeit länger in der Raumluft halten“, teilt das Sächsische Sozialministerium mit. Heißt: Das Risiko, sich mit Corona anzustecken, könnte steigen.

Dürfen denn dann auch keine Aufgüsse stattfinden?

In Sachsen ist der bei Saunagästen beliebte Aufguss samt Verwedeln nicht gestattet, um Luftverwirbelungen zu vermeiden. Anders ist das zum Beispiel im benachbarten Thüringen oder Sachsen-Anhalt, wo es zu Aufgüssen keine konkreten Vorschriften gibt. „Die unterschiedlichen Regelungen in den Ländern wurden anfangs mit dem regionalen Infektionsgeschehen begründet. Mittlerweile sehe ich dafür aber keine Anhaltspunkte mehr“, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Sauna-Bund. Der Verband vertritt rund 600 Einrichtungen in ganz Deutschland.

Auch die Badegärten Eibenstock gehören dazu. Für sein Hygienekonzept stand Geschäftsführer Pötter in enger Abstimmung mit der Landesregierung und der European Waterpark Association, der Qualitätsverband europäischer Freizeitbäder, Thermen und Wasserparks. Er kann das Verbot von Aufgüssen nicht nachvollziehen. „Beim Aufgießen des Wassers steigt lediglich heißer Wasserdampf auf. Was soll da passieren?“, fragt er. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster hat er bereits einen Antrag an das Land erarbeitet, auf das Verbot zu verzichten. „Gerade die Aufgüsse sind für viele Besucher der Hauptgrund, zu uns zu kommen“, sagt Pötter. Er setzt derweil verstärkt auf Räucher- und Klangschalenzeremonien.

Ist die Ansteckungsgefahr in der Sauna erhöht?

„Solange der Mindestabstand eingehalten wird, ist ein Saunabesuch derzeit nicht risikoreicher als eine Fahrt im Bus“, sagt Professor Lutz Jatzwauk, Leiter des Zentralbereichs Krankenhaushygiene und Umweltschutz am Uniklinikum Dresden. Nach bisherigen Erkenntnissen wird das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen – durch Husten, Niesen oder Sprechen also. „Die meisten Gäste halten sich an den Abstand“, hat Pötter beobachtet. Seine Mitarbeiter würden dennoch alle 30 Minuten die Saunaräume kontrollieren. Pro Tag dürfen 300 Gäste die Anlage samt Außen- und Ruhebereiche besuchen. Früher waren es oft mehr als 400.

Auch Lutz Jatzwauk sieht in einem klassischen Sauna-Aufguss kein Risiko. Im Gegenteil. Die dadurch entstehende höhere Lufttemperatur würde sogar besser desinfizieren. Das Verbot des Dampf-Verwedelns dagegen ist in seinen Augen nachvollziehbar. „Tröpfchen, die eventuell mit Viren belastet sind, werden dabei durch den Raum gewirbelt.“ Gäste mit starkem Husten oder Schnupfen sollten aber ohnehin öffentliche Sauna-Anlagen meiden.

Und was ist mit Schweiß? Der ist zwar ein Träger von Keimen, steht laut Professor Jatzwauk jedoch nach aktuellem Kenntnisstand nicht im Verdacht, das Coronavirus zu übertragen. Hinzu kommt, dass öffentliche Saunabereiche regelmäßige gereinigt und desinfiziert werden.

Kann das Virus die Saunahitze überleben?

Das Coronavirus mag es nicht besonders warm und auch nicht extrem feucht. „Auf der obersten Bank in der Sauna herrschen in der Regel 90 Grad. In unserer Erdsauna werden sogar 120 Grad erreicht“, sagt Hendrik Pötter. Diese Temperaturen können laut Deutschem Sauna-Bund zu einer Verminderung des Virus führen. Ob das Virus abgetötet wird, ist fraglich. Saunagäste verbringen aber auch viel Zeit in Ruheräumen, Umkleiden und Duschen – da dort die Warmluft keine 80 Grad erreicht, sollte man besonders auf Hygiene achten.

Wie wirkt sich die Saunaluft auf die Atemwege aus?

Die im Saunaraum eingeatmete Luft hat je nach Wahl der Saunabank eine Temperatur zwischen 70 und 90 Grad. Weil sich der Körper gut darauf einstellen kann, muss laut Deutschem Sauna-Bund niemand befürchten, dass diese heiße Luft beim Einatmen schaden könne. „Im Gegenteil. Die Wärmereize auf die Schleimhäute verbessern deren Befeuchtung, und die Abwehrmöglichkeiten unseres Körpers bei Infektionen der oberen Atemwege werden gestärkt“, sagt Hans-Jürgen Gensow. Wie die Grippeviren vermehren sich die Coronaviren zuerst im Rachen und Halsbereich. „Die heiße Luft wirkt auf die Haut und die Atemwege. Es ist also gut vorstellbar, dass bei jedem Saunagang, mit jedem Atemzug Viren in den oberen Atemwegen inaktiviert werden“, sagt auch Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster in einem Interview.

Kann das Virus im Badebecken übertragen werden?

Beim Coronavirus handelt es sich nicht um ein Virus, das irgendwo im Wasser herumschwimmt, sagt Hygieniker Jatzwauk. Eine Übertragung auf diesem Wege schließe er daher aus. Wer vor oder auch zwischen seinen Saunagängen gern eine Runde schwimmt, müsse keine Angst vor einer Ansteckung haben. „Das Wasser in öffentlichen Bädern hat eine ausgezeichnete Qualität und ist durch das zugesetzte Chlor desinfiziert“, sagt Jatzwauk. Zudem sollte man laut Sauna-Bund beachten, dass möglicherweise infizierte Tröpfchen in der hohen Wassermenge enorm verdünnt werden.

Kann ein Saunabesuch einem Infekt vorbeugen?

Obwohl ein Saunabesuch anstrengend für den Organismus ist, ist er gesund. Regelmäßiges Saunabaden kann Menschen helfen, nicht an Erkältungen oder einem banalen Infekt zu erkranken, sagt Jatzwauk. Das bestätigt auch eine repräsentative Befragung des Deutschen Sauna-Bundes unter Saunabesuchern: 78 Prozent der mehr als 20.000 Befragten gaben an, völlig oder fast frei von Infekten zu sein. Zu den Gründen gehören eine bessere Durchblutung von Haut und Schleimhäuten und eine Stabilisierung des vegetativen Nervensystems.

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Zwar handele es sich laut Apotheken Umschau bei der Idee, dass das Schwitzen entgiftend wirkt, um einen Mythos. Doch ein anderer Effekt sei positiv: Die Hitze weitet die Blutgefäße und lässt das Herz schneller schlagen. Der Blutdruck steigt zunächst an, sinkt aber nach Verlassen der Hitze unter den Anfangswert. „Der Wärmereiz und auch der übliche Kältereiz nach jedem Saunagang haben Auswirkungen auf den Teil unseres Immunsystems, der aktuell besonders wichtig ist“, sagt Resch.

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