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Wie ist die Lage in den Kliniken in Görlitz und Niesky?

Görlitzer Klinikum und Nieskyer Emmaus haben wieder Corona-Patienten. Im St. Carolus liegen aktuell keine. Die Unsicherheit ist aber überall groß.

Solche Bilder wünscht sich keiner zurück: Im November hatten Ärzte und Pfleger auf der Coronastation im Städtischen Klinikum alle Hände voll zu tun.
Solche Bilder wünscht sich keiner zurück: Im November hatten Ärzte und Pfleger auf der Coronastation im Städtischen Klinikum alle Hände voll zu tun. © Städtisches Klinikum Görlitz

Ist die Zeit des Durchatmens in den Krankenhäusern vorbei? Mit steigenden Infektionszahlen wird die Lage wieder angespannter. Zumindest im Städtischen Klinikum Görlitz. Hier sind mit Stand Freitagmorgen vier Patienten auf der Intensivstation, elf auf der Coronastation, und es gibt zwei Verdachtsfälle.

Das Klinikum hat aufgrund der aktuellen Entwicklung auch seine Coronastation wieder eingerichtet. Wegen der niedrigen, stabilen Zahlen war erst Ende Februar die Unterbringung der Coronapatienten umorganisiert worden. Die vereinzelten Fälle wurden in Isolierzimmern untergebracht. „Unser Ziel war es, die Behandlungskapazität für Patienten der Region insgesamt zu erhöhen“, sagt Sprecherin Katja Pietsch. Seit Sonntagnacht aber steigt die Zahl der Covidpatienten wieder so, dass reagiert werden musste.

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Insgesamt sind kreisweit Stand Freitag 68 Menschen im Krankenhaus, 13 liegen auf Intensivstationen. Allerdings keiner davon im Görlitzer St. Carolus-Krankenhaus. Denn hier ist das Bild zurzeit noch ein anderes: Vier Wochen lag hier kein Corona-Patient mehr auf der Intensivstation, auch auf der normalen Station waren es nur wenige. Im Nieskyer Emmaus-Krankenhaus ist die Lage ebenfalls noch ruhig, drei Covid-Patienten liegen hier im Moment, aber keiner muss beatmet werden. Das Haus läuft noch im Normalbetrieb, aber die Hygienerichtlinien sind wie in den anderen Häusern auch natürlich sehr streng. Alle Patienten und Mitarbeiter werden regelmäßig getestet.

Aber in allen Häusern ist man sich sicher: So wird es wohl nicht weitergehen. „Es ist klar absehbar, dass es wieder eine deutliche Zunahme an Covid-19-Patienten geben wird. Darauf sind wir vorbereitet“, sagt etwa Dr. Uwe Scholze, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und ärztlicher Leiter der Intensivstation am Krankenhaus Emmaus Niesky. Deshalb vertritt er die Meinung vieler Chefärzte von Intensivstationen im Land. „Die britische Mutante ist ansteckender und der Verlauf schwerer. Die Zahl der Impfungen reicht noch nicht aus, um einen raschen Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern“, sagt Scholze. „Aus diesem Grund befinden wir uns am Beginn einer dritten Welle, in deren Verlauf sich die Situation in den Krankenhäusern wieder deutlich zuspitzen wird.“ Lockerungen hält er deshalb aktuell für nicht angebracht und appelliert an alle Menschen, die Maßnahmen und Verordnungen zur Reduktion der Corona-Infektionszahl zu unterstützen.

Pflegedienstleiterin Susanne Dunger und Chefarzt Dr. Uwe Scholze vom Nieskyer Emmaus-Krankehaus.
Pflegedienstleiterin Susanne Dunger und Chefarzt Dr. Uwe Scholze vom Nieskyer Emmaus-Krankehaus. © André Schulze

In Görlitz sieht man das ein kleines bisschen differenzierter. Natürlich müsse unser aller Leben Schritte in Richtung Normalität machen, heißt es vom Klinikum. Trotzdem sei der Blick des Klinikums natürlich immer auf die vorhandenen Kapazitäten und eine mögliche Überlastung gerichtet. Die harten Monate im November und Dezember als die Inzidenz lange über 300, 400 lag und die Krankenhäuser voll mit Coronapatienten waren, haben Spuren hinterlassen. Diese Situation möchte keiner zurück. Sprecherin Katja Pietsch: „Daher befürworten wir alle Maßnahmen, die bei der Senkung der Infektionszahlen helfen sollen wie Impfungen und Testungen.“ In Kombination mit den bereits bewährten Hygienemaßnahmen sollte es dann hoffentlich bald möglich sein, weitere Lockerungen zu ermöglichen.

Das Carolus-Krankenhaus wagt keine richtige Prognose, was die nächsten Wochen betrifft. Standortleiterin Daniela Kleeberg verweist auf Expertenmeinungen, die davon ausgehen, dass die neue Welle womöglich nicht so stark wie jene im Dezember sein wird. „Wie es sich wirklich entwickeln wird, wissen wir natürlich nicht und auch nicht, welche Auswirkungen Lockerungen auf zukünftige Patientenzahlen haben könnten.“ Das Carolus tauscht sich wie die anderen Kliniken auch weiterhin mit der Coronaleitstelle am Universitätsklinikum Dresden aus. „Aus diesem Grund wissen wir, dass die Situation im St. Carolus-Krankenhaus überwiegend die Situation anderer Krankenhäuser widerspiegelt, es also im Vergleich zu Dezember wesentlich geringere Patientenzahlen gibt.“

Allerdings gibt Dr. Uwe Treue, am St. Carolus Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, zu bedenken, dass es noch viele Ungeimpfte aus der Gruppe eins gebe - viele über 80-Jährige und auch jüngere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Diese Impfgruppe sind die Patienten, die am häufigsten mit schweren Komplikationen auf Intensivstationen behandelt werden. Er hofft, dass es bald mit dem Impfen bei den Hausärzten losgeht, um genau diese Gruppe vor einer folgenschweren Covid-Infektion zu schützen. „Ein 80-Jähriger, der nicht mehr gut zu Fuß ist, kommt nur schwer nach Löbau ins Impfzentrum, oder schafft es allein, sich einen Impftermin zu organisieren. Damit diese Menschen geimpft werden, ist es dringend angeraten, dass die Hausärzte das Impfen übernehmen“, sagt Treue. Daniela Kleeberg findet es wichtig, das Impfen jetzt für alle möglich zu machen - vor allem für den Fall, dass Impfstoff übrig ist.

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