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Wie ist Dresden auf mutierte Coronaviren vorbereitet?

Dresdner Labore bereiten sich darauf vor, Coronaviren zu entschlüsseln. Was es für Infizierte und Kontaktpersonen bedeutet, wenn sie die mutierten Viren haben.

Die neue Coronavirus-Variante hat Dresden erreicht. Bekannt ist bisher nur ein Fall. Aber wie hoch ist die Dunkelziffer? Das soll nun herausgefunden werden.
Die neue Coronavirus-Variante hat Dresden erreicht. Bekannt ist bisher nur ein Fall. Aber wie hoch ist die Dunkelziffer? Das soll nun herausgefunden werden. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Die beiden neuen Coronavirus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika bereiten Virologen große Sorgen. Sie gehen davon aus, dass die Mutanten bis zu 70 Prozent ansteckender sind. Wie ist man in Dresden auf eine mögliche Verbreitung vorbereitet?

Die britische Variante war bereits Ende 2020 in der Stadt festgestellt worden. Ein Reiserückkehrer aus Großbritannien hatte sich infiziert. Die gute Nachricht: Seither sind keine weiteren mutierten Formen nachgewiesen worden, teilt das Gesundheitsamt auf SZ-Anfrage mit. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht jeder Virusnachweis standardmäßig so untersucht wird, dass man zwischen bisheriger und neuer Variante unterscheiden kann. Deshalb ist unklar, ob es tatsächlich bei diesem einen Fall geblieben ist.

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Labore bereiten groß angelegte Entschlüsselung vor

Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium alle Labore in Deutschland verpflichtet, fünf Prozent der positiven Corona-Nachweise sequenzieren zu lassen. Darauf bereitet sich aktuell auch das Medizinische Labor Ostsachsen vor, das an der Bremer Straße einen Standort hat. Man sei derzeit auf der Suche nach einem Partner, um diese große Anzahl an Proben näher untersuchen zu können, so der ärztliche Leiter, Professor Dr. Thomas Luther.

Man sei auf die neuen Virusvarianten vorbereitet, betont das Gesundheitsamt. Reiserückkehrer aus Großbritannien und Südafrika würden genau beobachtet. Ordnungsamt-Teams suchten diese Rückkehrer verstärkt zu Hause auf, um sich von der Einhaltung der Quarantäne zu überzeugen. Bei Missachtung könne ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro fällig werden. Das Ziel ist klar: Keinesfalls darf sich das mutierte Virus in der Stadt ausbreiten.

Was das für Folgen hätte, hat der Londoner Epidemiologie- und Mathematik-Professor Adam Kucharski einmal durchgerechnet. Demnach müsse man bei der bisherigen Corona-Variante nach einem Monat mit 129 Toten rechnen, sollten anfänglich 10.000 Menschen infiziert sein. Wären die neuen Varianten nur 50 Prozent ansteckender, würde dies die Zahl der möglichen Todesopfer innerhalb eines Monat auf 978 erhöhen. "Das ist nur ein Beispiel zur Veranschaulichung", schreibt Kucharski. Doch die Botschaft sei klar.

Strengere Quarantäne-Regeln für enge Kontaktpersonen

Um solch eine Ausbreitung zu verhindern, gelten für enge Kontaktpersonen von Infizierten, die sich mit der britischen oder südafrikanischen Variante angesteckt haben, ab sofort verschärfte Quarantäne-Bedingungen. Demnach darf die Quarantäne nicht nach zehn Tagen abgebrochen werden, wenn ein Corona-Test negativ ausfällt, so das Gesundheitsamt. Enge Kontaktpersonen müssen - ebenso wie Mitglieder desselben Haushalts - 14 Tage zu Hause bleiben. Infizierte selbst müssen mindestens zehn Tage isoliert bleiben. Wer Symptome hat, auch länger.

Trotz aller Vorkehrungen wird es keine absolute Sicherheit geben. Die Eindämmung der neuen Varianten steht und fällt damit, wie kooperativ die Reiserückkehrer sind. Sie sind zwar verpflichtet, ihre Einreise online anzumelden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 2.000 Euro rechnen. In der Realität lässt sich dies aber nur schwer kontrollieren. In Berlin ist die britische Mutation am Mittwoch in drei Proben festgestellt worden, berichtet der Tagesspiegel. Die Infizierten sollen in den vergangenen Monaten jedoch nicht verreist gewesen sein, was auf eine Ansteckung in Deutschland hindeutet. Demnach würde sich die neue Variante bereits im Land vermehren.

Als vorbildlich bezeichnete die Stadtverwaltung das Verhalten des Rückkehrers, der Ende letzten Jahres nach Dresden kam und positiv auf die britische Variante B.1.1.7 getestet wurde. Die Person habe sich sofort nach ihrer Ankunft in Quarantäne begeben. Kontaktpersonen gab es offenbar nicht. Herausgekommen war der Eintrag nach Dresden erst durch eine nachträgliche Stichprobenuntersuchung, deren Ergebnis erst in der zweiten Januar Woche feststand.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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