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Sächsische Schweiz: Die Sorgen der Wirte und Hoteliers

Elisabeth König vom Lichtenhainer Wasserfall in der Sächsischen Schweiz gibt nicht so schnell auf. Doch der Lockdown zehrt an ihr.

Vor fast genau einem Jahr entstand dieses Foto. Wirtin Elisabeth König startet am Lichtenhainer Wasserfall mit dem Außer-Haus-Verkauf.
Vor fast genau einem Jahr entstand dieses Foto. Wirtin Elisabeth König startet am Lichtenhainer Wasserfall mit dem Außer-Haus-Verkauf. © Steffen Unger

Mühsam bahnen sich Sonnenstrahlen ihren Weg ins Kirnitzschtal. Das frische Grün an den Sträuchern am Lichtenhainer Wasserfall lässt den Frühling hier erahnen, den zweiten Frühling im Lockdown, den Gastwirtin Elisabeth König hier erleben muss. Vor fast genau einem Jahr kreierte sie unter anderem Donuts und Muffins to go - für die Touristen, die im April 2020 wieder ins Kirnitzschtal drängten. Öffnen durften die Gastronomen und Hoteliers ihre Häuser nicht, heute wie auch vor einem Jahr nicht. Nur ein paar Monate dazwischen blieben ihnen Zeit. "Mensch schon ein Jahr schon? Nun sind wir alle nach einem Jahr bereits etwas schlauer geworden und doch kommt es mir vor, als ob wir in einem Strudel festhängen", sagt Elisabeth König und spricht damit auch für eine ganze Branche.

Dabei sind herausfordernde Situationen für die Gastwirtin nicht neu. So gab es Schlammlawinen im Kirnitzschtal samt gesperrten Straßen schon paar mal. Doch das jetzt ist etwas anderes. "Von Monat zu Monat verliere ich an Zuversicht. Bei allen Naturkatastrophen wusste ich, es geht bald vorüber, wir räumen auf und bauen wieder auf. Das erhoffe ich mir für uns alle nun auch jetzt schnellstmöglich", sagt sie.

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Wirte vor den Scherben ihres Lebenswerkes

Die Gaststätten und Hotels sind seit Anfang November wieder wegen der Corona-Pandemie zwangsweise geschlossen, möglich ist nur Abhol- und Lieferservice. In den Hotels sind seit über fünf Monaten nur beruflich bedingte Übernachtungen möglich - ebenfalls wegen Corona. Inzwischen beschleicht die Branche ein ungutes Gefühl, ein Gefühl, dass es immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird, dass die Gaststätten geschlossen sind. Die Befürchtung ist, dass sich die Leute, also ihre Kundschaft, irgendwann daran gewöhnen. Sie kochen mehr zu Hause oder holen sich etwas beim Imbiss - und irgendwann ist das dann für sie normal.

Experten in der Branche wissen, dass viele Gaststätten vor der Pandemie gut funktionierende Betriebe gewesen sind. Nur so konnten sie bisher die monatelange Zwangsschließung überstehen. Sicherlich gab es staatliche Hilfen, aber nicht für alle Betriebe und auch nicht sofort und in voller Höhe ausgezahlt. Nun ist bei vielen die Gefahr groß, dass bald die privaten Rücklagen aufgebraucht sind, aus denen die weiter laufenden Kosten finanziert wurden. Viele von ihnen stehen dann ohne eigenes Verschulden vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenswerkes. Manche vergleichen die Situation bereits mit einem Berufsverbot. Und sie fürchten nicht nur um ihre eigenen Betriebe, sondern um eine ganze Branche. So können zum Beispiel altersbedingte Betriebsübergaben nicht stattfinden, krankheitsbedingte sind ebenfalls ausgeschlossen. Auszubildende in den Betrieben sehen mit Sorge in die Zukunft. Wegen der Zwangsschließungen musste Mitarbeitern zum Teil gekündigt werden. Und es ist fraglich, ob sie in die Betriebe zurückkommen.

Wenn der Gast nicht kommen darf

In den Wintermonaten tourte Elisabeth König mit der Gulaschkanon durch das Land. Auf dem Sebnitzer Wochenmarkt wird sie noch bis Ende April immer freitags anzutreffen sein.
In den Wintermonaten tourte Elisabeth König mit der Gulaschkanon durch das Land. Auf dem Sebnitzer Wochenmarkt wird sie noch bis Ende April immer freitags anzutreffen sein. © Steffen Unger

Elisabeth König kennt die Sorgen der Branche und teilt sie. "Die ständigen Verlängerungen zehren mittlerweile an allem, privat wie beruflich, dringen in jede Parzelle des Lebens ein", sagt sie. Beruflich bedeute das für sei, dass sie ihre verschobenen Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Krimi-Dinner oder das Whisky-Dinner immer weiter verschiebe, dass Buchungen im Hotel für den Zeitraum storniert werden. Und sie stellt eine besorgniserregende Tendenz fest. Während im ersten Lockdown 2020 noch manche ihre Zimmer auf einen späteren Zeitpunkt umgebucht haben, wird jetzt komplett abgesagt. "Außerdem ist das allgemeine Buchungsverhalten ganz zäh und unmotiviert. Erste Lichtblicke sind im September zu sehen", sagt sie.

Der Außer-Haus-Verkauf am Wochenende ist auch für sie die einzige Möglichkeit, mit Gästen in Kontakt zu bleiben. Und sie kann somit ihrem Personal wieder eine Grundlage nach sechs Monaten ohne Arbeit bieten. Ganz wichtig für sie ist aber auch, dass sie ihren beiden vietnamesischen Azubis ebenfalls eine Perspektive geben kann.

Außer-Haus-Verkauf läuft im Kirnitzschtal zäh an

Elisabeth König ist bekannt dafür, dass sie sich immer wieder etwas neues einfallen lässt. Und so sattelte sie in den Wintermonaten um, wurde zur Suppenkönigin. Eine Gulaschkanone wurde gekauft. Frei nach dem Motto, wenn der Gast nicht kommen darf, geht die Wirtin zu ihm. Auf den Wochenmärkten in Sebnitz und Pirna verkaufte sie Suppe und anderes. "Den Außer-Haus-Verkauf und die Gulaschkanone mache ich weiter, denn mehr Perspektiven erschließen sich mir derzeit nicht", sagt sei. Sie ist optimistisch, dass es sich herumspricht, dass man am Wochenende am Lichtenhainer Wasserfall wieder einen Imbiss bekommt. Die ersten Gäste trafen noch mit Rucksäcken voll Proviant ein.

Seit Kurzem werden Wanderer an den Wochenenden wieder im Außer-Haus-Verkauf versorgt. Eine Chance ihrem Personal nach sechs Monaten ohne Arbeit wieder eine Grundlage zu bieten.
Seit Kurzem werden Wanderer an den Wochenenden wieder im Außer-Haus-Verkauf versorgt. Eine Chance ihrem Personal nach sechs Monaten ohne Arbeit wieder eine Grundlage zu bieten. © Marko Förster

Jubiläum am Lichtenhainer Wasserfall wird klein gefeiert

Der Gasthof Lichtenhainer Wasserfall, seit vier Generationen in Familienbesitz, gehört zu den alteingesessenen Ausflugsgaststätten im Elbsandsteingebirge. Die Feier zur Geschäftsübernahme ihres Ururgroßvaters fand am 5. Juni 1901 statt. 120 Jahre Familientradition wären in diesem Jahr ein guter Grund für eine Riesensause. Große Feierlichkeiten fallen in diesem Jahr aus. Da ist sie sich sicher. "Es wird ein liebevolles Gedenken im Familienkreis geben. Für Wegbegleiter und treue Gäste erarbeite ich derzeit einen Bilderband als Dankeschön", sagt Elisabeth König. Später kann der Bildband dann auch im Lichtenhainer Wasserfall erworben werden. Die Hoffnung auf eine Saison 2021 hat sie noch nicht verloren, denkt an den guten Sommer und die ersten Herbsttage im vergangenen Jahr, dem ersten in der Corona-Pandemie.

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