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Corona: Darum wird ganz Räckelwitz getestet

Erstmals werden im Landkreis Bautzen die Einwohner einer gesamten Gemeinde auf Corona untersucht. Wie das abläuft und was es bringen soll.

Mit Antigen-Schnelltests zum Covid-19-Antikörper-Nachweis sollen am Freitag alle Einwohner der Gemeinde Räckelwitz im Landkreis Bautzen getestet werden.
Mit Antigen-Schnelltests zum Covid-19-Antikörper-Nachweis sollen am Freitag alle Einwohner der Gemeinde Räckelwitz im Landkreis Bautzen getestet werden. © dpa

Bautzen. Als erste Gemeinde im Landkreis Bautzen wird an diesem Freitag Räckelwitz auf Corona getestet. Alle Einwohner sind zum Schnelltest aufgerufen. Sächsische.de nennt die wichtigsten Fakten.

Warum gerade Räckelwitz?

Die sorbische Gemeinde gehört zu den Orten mit den höchsten Infektionszahlen im ganzen Landkreis. In Räckelwitz inklusive aller Ortsteile waren am Mittwoch 59 Corona-Fälle bekannt. Bezogen auf die Einwohnerzahl von 1.131 sind das 5,2 Prozent der Räckelwitzer, also ist etwa jeder Zwanzigste infiziert - ein Spitzenwert im Landkreis. Zum Vergleich die Zahlen der Nachbargemeinden: In Nebelschütz waren am Mittwoch 1,8 Prozent der Einwohner positiv auf Corona getestet, in Crostwitz 2,4, in Puschwitz 0,9 und in Panschwitz-Kuckau 0,2 Prozent.

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Von dem Test in Räckelwitz erhoffen sich das Landratsamt und das sächsische Sozialministerium Erkenntnisse über eine mögliche Corona-Dunkelziffer. Also darüber, ob es eventuell mehr als die 59 bekannten Fälle gibt. Daraus ließen sich dann mögliche Erkenntnisse über das Corona-Geschehen im ganzen Freistaat ableiten. Auch in anderen Landkreisen finden am Freitag solche Schnelltests statt. So hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge flächendeckende Tests in der Gemeinde Rathmannsdorf angekündigt.

Wer wird getestet?

An dem Schnelltest können sich alle Einwohner von Räckelwitz einschließlich der Ortsteile Dreihäuser, Höflein, Neudörfel, Schmeckwitz und Teichhäuser beteiligen. Dazu müssen sie zwischen 10 und 18 Uhr in die Sporthalle Räckelwitz, Schulstraße 3, kommen. Wem es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, die Sporthalle aufzusuchen, der kann telefonisch unter 035796 96831 im Sekretariat der Schule einen Besuch des mobilen Testpersonals vereinbaren.

Die Tests werden durch drei Teams des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser-Dienstes vorgenommen. Ein Team des Gesundheitsamtes des Landkreises ist ebenfalls vor Ort. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos, eine möglichst hohe Beteiligung wird aber vom Sozialministerium und vom Landratsamt angestrebt. Eine Altersbegrenzung gibt es dabei laut Landratsamt nicht - vom Baby bis zum hochbetagten Senior kann jeder getestet werden.

Weitere Schnelltests in Gemeinden, Heimen oder anderen Einrichtungen sind im Moment noch nicht geplant, sagt Sprecherin Cynthia Thor vom Landratsamt.

Wie laufen die Tests ab?

Der Test erfolgt, indem ein Wattestäbchen in den Rachen eingeführt und eine Probe entnommen wird. Auf das Ergebnis können die Getesteten gleich warten. Das Landratsamt rechnet mit etwa 15 Minuten pro Test. Gibt es ein positives Testergebnis, muss dieses anschließend von einem sogenannten PCR-Test bestätigt werden. Der Schnelltest allein genügt noch nicht, um Corona zweifelsfrei zu bestätigen oder auszuschließen, heißt es aus dem Sozialministerium.

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Die Tests bezahlt der Freistaat. Das Sozialministerium hat dem Landkreis Bautzen insgesamt 10.000 Schnelltests kostenfrei zur Verfügung gestellt. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) begründet die Maßnahme so: „Wir unterstützen die Landkreise mit der Anschaffung von Schnelltests, damit in Gemeinden, in Pflegeheimen, Kitas, Schulen mit hohen Infektionszahlen flächendeckend getestet werden kann. Diese Schnelltests sind wichtig, um einen möglichst exakten Überblick zu bekommen. Nur so können wir die Infektionsketten wirksam unterbrechen und eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern.“

Was bringen solche Tests?

Dass solche Schnelltests etwas bringen, hat sich in Südtirol gezeigt. In der italienischen Provinz ließen sich im November fast 62 Prozent der Einwohner testen, berichten regionale Medien. Am Ende lag die Positiv-Quote nicht, wie von vielen befürchtet, bei zehn Prozent, sondern knapp unter einem Prozent. Von fast 350.000 Getesteten waren etwa 3.190 Menschen positiv und mussten für zehn Tage in häusliche Quarantäne.

Südtirol hofft nun auf eine vorzeitige Lockerung des Lockdowns, nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen dort zeitweise bei fast 800 lag. Zum Vergleich: Der Landkreis Bautzen meldet aktuell eine Inzidenz von mehr als 400.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, sieht Südtirol als Beispiel auch für Sachsen. Er plädiert im Gespräch mit dem MDR für obligatorische Schnelltests für die gesamte Bevölkerung: "Wenn sie wirklich in ausreichender Menge verfügbar wären, würde ich mir ja noch eine viel stärkere Ausweitung wünschen – bis zu mehr oder weniger verpflichtenden Tests für die gesamte Bevölkerung, wie man es ja zum Beispiel in der Slowakei gemacht hat."

Wenn idealerweise die gesamte Bevölkerung an so einem Massen-Schnelltest teilnehmen würde, so Heckemann weiter, könnten zunächst alle Positiven in Quarantäne geschickt werden. Nach 14 Tagen müsse das dann mit allen wiederholt werden. Dann gäbe es eine Chance, das Virus mehr oder weniger auszuhungern, erläutert der Mediziner.

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