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Corona: Wenn das Virus im Heim ist

Das Görlitzer DRK hat zwei Altenheime in Görlitz. Das eine blieb bislang verschont, das andere hat viele Todesfälle zu beklagen. Wie passiert das?

Das Görlitzer DRK hat zwei Altenheime in der Stadt. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ist gut, auch mit dem in Polen.
Das Görlitzer DRK hat zwei Altenheime in der Stadt. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ist gut, auch mit dem in Polen. © André Schulze

Eine Mitarbeiterin des DRK-Altenheims "Dr. Dorothea Christiane Erxleben" in Görlitz-Königshufen fühlte sich kürzlich nicht wohl. Die Reaktion der Pflegedienstleitung erfolgte prompt.

Ein Schnelltest bei der Mitarbeiterin reagierte positiv auf Covid 19. Unverzüglich wurde sie zu ihrem Hausarzt geschickt, wobei schließlich ein PCR-Test das Ergebnis des Schnelltests bestätigte. Die Frau ist derzeit noch nicht wieder im Dienst.

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Wilde Gerüchte

Die wildesten Gerüchte tauchten anschließend in der Mundpropaganda auf: Da die Mitarbeiterin Polin sei und auch in Polen wohnt, habe das Gesundheitsamt Görlitz sich nicht zuständig gefühlt, wurde da behauptet. Auch das Gesundheitsamt der polnischen Nachbarn habe die Zuständigkeit abgelehnt, da die Frau ja in Deutschland tätig sei, hieß es weiter.

Was ist da dran an den Gerüchten? "Nicht viel", sagt DRK-Vorstand Rüdiger Neumann. Der Corona-Verdachtsfall wurde ganz normal dem Görlitzer Gesundheitsamt gemeldet. Dass man nicht zuständig sei, sagte das Gesundheitsamt nicht. Oft werde auf das Gesundheitsamt geschimpft, aber Neumann findet, dass aus dem Amt immer kompetent reagiert werde, auch wenn es angesichts der Aufgabenfülle manchmal länger als 24 Stunden dauert. Auch mit der für polnische Mitarbeiter zuständigen polnischen Gesundheitsbehörde habe das DRK keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Im Altenheim des DRK im Görlitzer Frauenburgkarree arbeiten mehrere polnische Mitarbeiter. Als dort das Corona-Virus sowohl bei Bewohnern als auch Mitarbeitern auftrat, erfolgten die Meldungen an beide Gesundheitsämter. Die nötigen Maßnahmen wurden umgehend eingeleitet. Covid 19 in Alten- und Pflegeheimen macht im Landkreis Görlitz fast die Hälfte der Infektionen mit dem Corona-Virus aus.

Das DRK Altenheim in Görlitz-Königshufen. Bislang gibt es hier keine von Covid 19 betroffenen Bewohner.
Das DRK Altenheim in Görlitz-Königshufen. Bislang gibt es hier keine von Covid 19 betroffenen Bewohner. © Nikolai Schmidt

Alle tragen FFP-2-Masken

Im Alten- und Pflegeheim in Königshufen wurden die Maßnahmen nach der Virus-Infektion der Mitarbeiterin noch einmal verschärft. Unter anderem ist angewiesen, dass ausnahmslos FFP-2-Masken von den Mitarbeitern zu tragen sind. Und auch die Schnelltests, mit denen das DRK inzwischen für das Pflegeheim ausgestattet ist, kommen bei Bedarf zum Einsatz. Dafür gibt es ein mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Konzept. Die Pflegedienstleitungen sind von einem Arzt unterwiesen worden, wie die Schnelltests durchzuführen sind. Diese Tests ermöglichen es, sich in den einzelnen Wohnbereichen, die voneinander strikt getrennt sind, schnell einen Überblick zu verschaffen und reagieren zu können, falls ein Covid-19-Verdachtsfall auftritt.

Rüdiger Neumann ist froh, dass im Altenheim in Königshufen bis zum Freitagmittag keiner der 96 Bewohner mit dem Corona-Virus und auch kein weiterer Mitarbeiter infiziert ist. Nicht nur er hofft darauf, dass das so bleibt. Mit der Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen soll das erreicht werden.

Betreuung der Heimbewohner sichergestellt

Im DRK-Pflegeheim im Frauenburgkarree hatten Bewohner und Mitarbeiter nicht so viel Glück. Die Mehrzahl der 36 Bewohner infizierte sich mit dem Virus, viele erkrankten. Etwa 30 Prozent der Erkrankten starben. Ein großer Teil der Mitarbeiter infizierte sich ebenfalls, darunter mehrere, die in Polen wohnen. "Auch hier liefen die Maßnahmen sofort an", betont Neumann.

Aufgrund der Infektionen unter dem Personal war es erforderlich, zur Sicherung der Betreuung der Heimbewohner die Zwei-Wege-Quarantäne einzuführen. Für infizierte, aber symptomlose, nicht erkrankte Mitarbeiter gilt diese Art der Quarantäne. Das heißt, diese Mitarbeiter dürfen weiter arbeiten, aber ausschließlich Heimbewohner betreuen, die ebenfalls das Corona-Virus haben. Diese Mitarbeiter dürfen nur den Weg von zu Hause bis zur Arbeitsstätte und zurück absolvieren. Zwischendurch mal schnell zum Einkauf oder das Kind in der Kita abgeben, ist nicht erlaubt.

Nötig ist das, damit die Menschen in dem Heim weiter gut und zuverlässig betreut werden können, auch wenn die Bedingungen schwierig sind. Vor allem Heimbewohnern mit Demenz fällt es schwer, die neue Situation einzuordnen und zu verstehen, wenn beispielsweise plötzlich Pflegekräfte auftauchen, die sie angesichts der Schutzausrüstung kaum wiedererkennen.

DRK Altenpflegeheim an der Reichert-Straße am Frauenburgkarree. Hier waren ein Großteil der Bewohner und Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert.
DRK Altenpflegeheim an der Reichert-Straße am Frauenburgkarree. Hier waren ein Großteil der Bewohner und Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert. © Nikolai Schmidt

Plätze erst später neu belegt

Sehr traurig sind Mitarbeiter und Vorstand des DRK über die Todesopfer, die das Virus im Pflegeheim im Frauenburgkarree forderte. Die durch den Tod der Heimbewohner frei gewordenen Plätze wurden nicht sofort wieder belegt. "Wir haben bewusst gewartet mit der Neubelegung", erklärt Rüdiger Neumann. Nicht nur, weil die Zimmer zunächst gründlich gereinigt und desinfiziert werden mussten. Mittlerweile ist auch der Großteil der Mitarbeiter wieder fit. "Wir sind im Kontakt mit Krankenhäusern der Region und bereit, von dort Patienten aufzunehmen, die nach dem Krankenhausaufenthalt in eine stationäre Pflege kommen müssen", erklärt Neumann. Das könne eine Entlastung für die Krankenhäuser sein.

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