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Wie sicher ist der Covid-19-Impfstoff von Biontech?

Das Covid-19-Vakzin soll einen hohen Schutz bieten. Es sind aber noch viele Fragen offen, etwa ob der Impfstoff ältere Menschen genauso schützt wie Jüngere.

Zum Impfstoff wird Biontechs RNA erst in den Zellen im Oberarm.
Zum Impfstoff wird Biontechs RNA erst in den Zellen im Oberarm. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Von Sascha Karberg

„Das sind großartige Nachrichten“, schreibt das Netzwerk für Impfstoffsicherheit, eine Informationsplattform der Weltgesundheitsorganisation, zu den jüngsten Meldungen zur Wirksamkeit des Covid-19-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. „Aber es handelt sich nur um Zwischenergebnisse.“

In der Tat sind noch viele Fragen offen, etwa ob der Impfstoff ältere Menschen mit einem meist eingeschränkten Immunsystem genauso schützt wie Jüngere, ob er nur vor Erkrankung oder auch vor Infektion schützt, und ob der lmmunschutz mit der Zeit abnimmt. Vor allem aber wollen Milliarden impfwillige Menschen weltweit wissen, wie sicher der Impfstoff ist.

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Immerhin gibt es bislang keinen Anlass zur Sorge. Laut Biontech und Pfizer sind in der Studie keine Nebenwirkungen aufgetreten, die über leichte Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle hinausgehen. Allerdings ist zu diesem frühen Zeitpunkt, solange die Studie noch läuft, nicht mit einem abschließenden Ergebnis zu rechnen. Unerwartete Nebenwirkung könnten also noch auftreten.

Die Behörden werden bei diesem Impfstoff wohl noch genauer hinschauen als bei anderen. Denn Biontechs Entwicklung beruht auf einer neuartigen Impfstofftechnik. Bislang werden entweder komplette, abgeschwächte Viren oder Teile davon (bestimmte Proteine etwa) benutzt, um das menschliche Immunsystem mit einem ihm unbekannten Erreger zu konfrontieren, damit es ein Immungedächtnis – und damit einen gewissen Schutz vor Infektion oder Erkrankung ausbildet.

Biontech verwendet jedoch nur den „Bauplan“ für einen der Sars-CoV-2-Bestandteile, das Erbinformationsmolekül RNA. Dieser Bauplan, die RNA, wird von den Zellen um die Einstichstelle im Oberarm in ein Virusprotein übersetzt, den „Stachel“ aus der Hülle des Virus. Immunzellen erkennen das fremde Protein und bauen den Immunschutz auf. Seit Montag wissen wir: Das funktioniert tatsächlich.

Befürchtungen, dass diese Erbinformation ins menschliche Erbgut gelangt und dort Schaden anrichten könnte, sind unbegründet. Diese Möglichkeit besteht bei (einigen) DNA-Molekülen, nicht aber bei RNA. Sie bleibt in den Zellen nur begrenzte Zeit stabil und wird dann abgebaut.

Diese Instabilität ist wohl auch der Grund, warum Biontechs Impfstoff bei minus 80 Grad Celsius gekühlt werden muss. Andere RNA-Impfstoffe, die ebenfalls derzeit in der Entwicklung sind, können aber voraussichtlich auch bei höheren Temperaturen (-20 Grad Celsius) aufbewahrt werden. Das hängt von bestimmten Veränderungen ab, die die Hersteller an den RNA-Molekülen durchführen, um ihre Stabilität und Wirksamkeit zu verbessern.

In zahlreichen Tierexperimenten sowie Phase-I-Studien an Probanden zeigten RNA-basierte Impfstoffe (ob gegen Covid-19 oder andere Infektionen, etwa Tollwut) bislang keine auffälligen Nebenwirkungen.

Erst nach vielen Impfungen wird man das Sicherheitsprofil kennen

Das ist beruhigend, aber keine Garantie für die Unbedenklichkeit. Denn Nebenwirkungen, ob nun schwer oder hinnehmbar, die nur selten oder sehr selten auftreten, etwa im Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen oder individuellen genetischen Besonderheiten der Geimpften, treten womöglich erst auf, wenn sehr viele Menschen die Vakzine bekommen: Hunderttausende, Millionen.

Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts Daten über die Covid-19-Impfungen und ihre Verträglichkeit möglichst zentral zu sammeln – um rasch reagieren zu können, sollten sich häufiger als zufällig bestimmte Erkrankungen nach einer Impfung einstellen.

Nebenwirkungsmeldungen wird es geben

Sicher ist: Sobald der erste Covid-19-Impfstoff hunderttausenden von Menschen verabreicht wird, wird es auch Meldungen ans Impfregister geben, dass hier und da jemand kurz danach erkrankt ist oder Symptom X oder Y gezeigt hat. Das allein ist noch kein Grund zur Besorgnis, denn das kann auch gänzlich Zufall sein. Hellhörig werden Experten erst, wenn ähnliche Symptome gehäuft auftreten, insbesondere wenn ein Impfzusammenhang plausibel erscheint – anders als etwa eine Häufung von Beinbrüchen.

Wirklich ermutigend ist, dass bislang aus keiner der Impfstoffentwicklungen Fälle einer „Krankheitsverstärkung“ gemessen wurden – dass der Impfstoff also nicht nur nicht schützt, sondern Infizierte sogar schwerer erkranken lässt, vermutlich weil er den Viren den Weg in die Zellen erleichtert statt verbaut. Das war eine Befürchtung, weil das Phänomen bei anderen Coronaviren beobachtet worden war. Doch bislang gibt es dafür keine Hinweise.

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Ein weiterer Grund für Zuversicht ist, dass der Biontech-Impfstoff zeigt, dass das „Stachel“-Protein ausreicht, um das Immunsystem anzuregen und Schutz vor dem kompletten Virus zu entwickeln. Das bedeutet, dass auch die folgenden Impfstoffentwicklungen, die fast alle auf das Stachelprotein gesetzt haben, gute Erfolgschancen haben. Und ein paar davon werden bestimmt ein positives Nutzen-Risiko-Profil haben.

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