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Wie sicher sind die Corona-Impfungen?

Das Paul-Ehrlich-Institut hat rund 130.000 Krankheitsfälle nach Corona-Impfungen ausgewertet. Auch für Kinder und Jugendliche gibt es Daten.

Impfung empfohlen: Seit Ende Mai ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Die 14-jährige Lotta (vorn) hat das Angebot eines mobilen Teams gern angenommen.
Impfung empfohlen: Seit Ende Mai ist der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Die 14-jährige Lotta (vorn) hat das Angebot eines mobilen Teams gern angenommen. © Philipp Schulze/dpa

Die erste Spritze hatte Sabine Schuster (Name geändert) noch ganz gut vertragen. Sie fühlte sich ein bisschen müde, aber das ging schnell vorbei. Vier Wochen später bekam die Chemnitzerin die zweite Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer. „Nur ein paar Stunden später hatte ich über 39 Grad Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen vom Kopf bis zu den Füßen“, berichtet die 60-Jährige. Die Schmerztabletten, die sie vom Hausarzt verschrieben bekam, schlugen zwar an, aber die Übelkeit blieb. Zwei Tage war sie krankgeschrieben, erst am dritten Tag konnte sie wieder auf eigenen Beinen stehen: „Ich fühlte mich wie kurz vor einem Organversagen.“

Das Erlebnis ist kein Einzelfall. Das bestätigt auch der neue Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), der am Freitag veröffentlicht wurde. Die Daten umfassen den Zeitraum vom Start der Impfkampagne am 27. Dezember 2020 bis 31. Juli 2021. Bis dahin waren knapp 92,4 Millionen Dosen verimpft worden.

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Dem stehen insgesamt 131.671 gemeldete Komplikationen gegenüber. Pro 1.000 Impfdosen entspricht das 1,4 Verdachtsfällen. Schwerwiegende Komplikationen traten bei 0,2 Fällen je 1.000 Impfdosen auf. Die Zahlen unterscheiden sich nur unwesentlich von denen, die im vorangegangenen Bericht mit Stand 30. Juni 2021 genannt worden waren.

Bei den Angaben ist zu beachten, dass es sich nur um die gemeldeten Verdachtsfälle handelt. Die Dunkelziffer dürfte insbesondere bei nicht schwerwiegenden Reaktionen um einiges höher sein.

Die Impfstoffe

In Deutschland sind gegenwärtig vier Impfstoffe zum Schutz vor Covid-19 zugelassen: die mRNA-Impfstoffe Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) sowie die Vektorimpfstoffe Vaxzevria (Astrazeneca) und Janssen (Johnson & Johnson). Mit rund 67,2 Millionen Dosen ist Comirnaty inzwischen der am meisten eingesetzte Impfstoff, gefolgt von Vaxzevria (40,4 Millionen).

Am häufigsten wurden dem PEI Verdachtsfälle nach Vaxzevria (3,2 pro 1.000 Impfungen) und Spikevax (2,4) gemeldet. Bei Comirnaty liegt die Melderate bei 1,0 und damit unter dem Durchschnitt (1,4). Allerdings ist hier der Anteil der schwerwiegenden Fälle mit 12,3 Prozent am höchsten.

Die Geschlechter

Grundsätzlich berichten Frauen häufiger als Männer über unerwünschte Nebenwirkungen und Komplikationen nach der Corona-Impfung. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Spikevax (75,2 Prozent Frauenanteil) und Comirnaty (72,5). Lediglich beim Impfstoff Janssen, bei dem eine Dosis genügt, ist die Betroffenheit der Geschlechter annähernd gleich.

Aufgrund von Diskussionen in Internetforen und Medien hat das PEI auch Meldungen über Zyklusstörungen nach der Covid-19-Impfung ausgewertet. Bis Ende Juli gab es dabei 368 sogenannte unerwünschte Ereignisse, davon rund neun Prozent mit schwerwiegendem Charakter. Das Spektrum der Beschwerden ist breit, am häufigsten wurden starke Menstruationsblutungen genannt. Mit Blick auf die Anzahl der geimpften Frauen in den relevanten Altersgruppen und der Häufigkeit von Zyklusstörrungen „erscheint die Zahl der Meldungen nicht ungewöhnlich hoch zu sein“, schreiben die Wissenschaftler.

Kinder und Jugendliche

Seit 31. Mai 2021 ist Comirnaty auch für die Impfung von 12- bis 17-Jährigen zugelassen. In den ersten beiden Monaten registrierte das PEI 731 Meldungen über den Verdacht einer Nebenwirkung in dieser Altersgruppe – größtenteils Lokal- und bekannte Allgemeinreaktionen. Gemessen an der Anzahl der geimpften Kinder und Jugendlichen sind das laut PEI 0,54 Meldungen auf 1.000 Impfdosen. Diese Melderate sei unwesentlich niedriger als in den USA.

116 Meldungen wurden als schwerwiegend eingestuft, das entspricht einem Anteil von 0,09 Meldungen auf 1.000 Impfdosen. Häufigste schwerwiegende Reaktion war – wie bei den Erwachsenen – eine Entzündung des Herzmuskels beziehungsweise -beutels. In 22 Fällen waren Jungen betroffen, in zwei Fällen Mädchen. Sieben von ihnen waren zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht wieder genesen.

Bei sieben Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren wurden anaphylaktische Reaktionen (allergischer Schock) gemeldet, was einem Anteil von 0,52 Fällen je 100.000 Impfdosen entspricht. In der gleichen Altersgruppe erlebten drei Jungen und drei Mädchen Krampfanfälle, in zwei Fällen handelte es sich um Epileptiker.

Bei 12- bis 15-Jährigen wurden 185 Meldungen zu Nebenwirkungen gemacht, in zehn Fällen waren die Reaktionen schwerwiegend. Ein 15-jähriger Junge mit schweren Vorerkrankungen verstarb zwei Tage nach der Impfung. Ob der Tod im Zusammenhang mit der Impfung steht, konnte das PEI aufgrund fehlender Informationen nicht beurteilen.

Unter Berücksichtigung der Seltenheit der Berichte und dem offenbar zumeist milden Verlauf „ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis der mRNA-Impfstoffe weiterhin positiv“, schlussfolgert das PEI.

Unerwünschte Reaktionen

Der Sicherheitsbericht führt insgesamt 20 unerwünschte Reaktionen auf. Grundsätzlich ist kein Impfstoff frei von Nebenwirkungen, Unterschiede gibt es aber in der Häufigkeit. Menschen, die mit Comirnaty geimpft wurden, klagen am meisten über Ermüdung, Kopfschmerzen und Schmerzen an der Impfstelle.

Nach der Impfung mit Vaxzevria kommt es vor allem zu Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost – im Schnitt etwa bei jedem siebenten Patienten. Spikevax hat häufiger Schmerzen an der Impfstelle zur Folge, etwas seltener Kopfschmerzen und Ermüdung. Bei Janssen dominieren Kopfschmerzen sowie Fieber und Schüttelfrost.

Schwerwiegende Reaktionen

Rund 14.000 Meldungen betreffen schwerwiegende Reaktionen. Das sind laut PEI Fälle, bei denen die Patienten im Krankenhaus behandelt werden mussten oder die Reaktionen als „medizinisch bedeutsam“ eingeordnet wurden. Demnach wurden nach der Impfung mit den beiden mRNA-Stoffen „sehr selten“ Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen beobachtet – vorwiegend bei gesunden jungen Männern. „Die Patienten stellten sich ausnahmslos mit Brustschmerzen vor, die häufig in kurzem Abstand von zwei bis drei Tagen nach einer zweiten mRNA-Impfung auftraten“, heißt es in dem Bericht. Einige Patienten berichteten zudem auch über Fieber und Muskelschmerzen. Bei den beiden Vektorimpfstoffen sind solche Fälle deutlich seltener – wohl vor allem deshalb, weil sie in der Regel nicht an junge Leute abgegeben werden.

In vorangegangenen Berichten war bereits auf ein neues Syndrom infolge einer Impfung mit Vaxzevria und in Einzelfällen auch mit den anderen drei Impfstoffen hingewiesen worden. Beim TTS kommt es zu einer Kombination von Thrombosen (Blutgerinnsel) mit einer Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen). Betroffen sind Frauen aller Altersgruppen und vor allem jüngere Männer. Wichtig sei hier eine frühzeitige Diagnose und Behandlung.

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In 1.254 Meldungen wurde über einen tödlichen Ausgang in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung berichtet. Das PEI hält in 48 Fällen einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung für möglich oder wahrscheinlich, überwiegend nach einem TTS.

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