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Wie viele Dresdner Kinder erkranken an Corona?

Meistgelesen: Schwere Verläufe sind zwar selten, doch es gibt sie – auch in Dresden. Wie viele Kinder hier bisher erkrankten, zeigen jetzt Untersuchungen.

Kind auf dem Weg zu einem Coronatest: Zahlen aus Dresden sollen jetzt zeigen, wie oft es bei den Jüngsten zu schwereren Infektionen kommt.
Kind auf dem Weg zu einem Coronatest: Zahlen aus Dresden sollen jetzt zeigen, wie oft es bei den Jüngsten zu schwereren Infektionen kommt. © keystone

Dresden. Kinder stecken eine Corona-Infektion gut weg. Etwas Husten, vielleicht ein kurzer Fieberschub – wenn überhaupt. Mit diesen Worten haben Ärzte verängstigte Eltern beruhigt, als die Pandemie begann. Ein Jahr später liegen deutlich mehr Daten zu Infektionen bei Kindern vor. Bei Dr. Jakob Armann vom Dresdner Universitätsklinikum laufen die Ergebnisse zusammen.

Wie viele Kinder haben sich in Dresden bisher infiziert?

Bislang konnte das Coronavirus bei insgesamt 1.597 Kindern und Jugendlichen im Alter von bis zu 18 Jahren nachgewiesen werden. Das sind rund sieben Prozent aller Infizierten in Dresden. Unter ihnen befinden sich auch 41 Babys unter zwölf Monaten, wie eine Abfrage beim Robert-Koch-Institut (RKI) ergeben hat.

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Warum sind so viele Babys dabei?

„Tatsächlich ist es interessant, dass viele Neugeborene dabei sind“, sagt Jakob Armann. Die allermeisten hätten sich bei ihren Eltern infiziert. Ob bereits zur Geburt oder erst zwei, drei Tage später zu Hause, könne der Mediziner nicht sagen. Er schließt jedoch aus, dass sich die Säuglinge in Größenordnungen beim Personal der Entbindungsstationen in den Krankenhäusern ansteckten.

Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Das haben Jakob Armann und Professor Dr. Reinhard Berner von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Dresdner Universitätsklinikum im Spätherbst versucht herauszufinden. Rund 2.000 Oberschüler und Gymnasiasten sollten auf Antikörper getestet werden, ganz gleich, ob sie sich krank fühlten oder nicht. Den Forschern kam jedoch der Lockdown dazwischen – kurz vor Weihnachten mussten die Schulen schließen. Nur an drei Einrichtungen konnten die Tests abgeschlossen werden.

Das Ergebnis: Auf drei bis vier Schüler, die von ihrer Infektion wussten, kam einer, der keine Ahnung hatte, dass er sich angesteckt hatte. „Das ist eine niedrige Dunkelziffer“, sagt Armann, verweist aber auch auf die unvollständigen Daten. Die inzwischen dritte Welle der Studie soll wiederholt werden, sobald die Oberschüler und Gymnasiasten wieder an ihre Schulen zurückkehren dürfen.

Und wie viele Kinder sind erkrankt?

Rund 80 Prozent der infizierten Kinder zeigen Symptome, sagt Armann. Bei ihnen verlaufe die Infektion jedoch eher milde. Nur ein Bruchteil müsse ins Krankenhaus. In Dresden sind im vergangenen Jahr mindestens acht Kinder mit einer Corona-Infektion stationär aufgenommen worden, in diesem Jahr sind es bislang zwei gewesen. Damit befanden sich rund 0,6 Prozent der infizierten Kinder in einem Krankenhaus. Das entspricht etwa dem sachsen- und bundesweiten Durchschnitt.

Armann betont, dass nur etwa die Hälfte dieser Kinder auch wegen ihrer Corona-Infektion aufgenommen wurde. Die andere Hälfte sei während des Krankenhausaufenthalts eher zufällig positiv getestet worden und war zum Beispiel wegen eines Beinbruchs in stationärer Behandlung.

"Interessant, dass viele Neugeborene dabei sind“: Dr. Jakob Armann vom Dresdner Universitätsklinikum untersucht Covid-19-Fälle bei Kindern.
"Interessant, dass viele Neugeborene dabei sind“: Dr. Jakob Armann vom Dresdner Universitätsklinikum untersucht Covid-19-Fälle bei Kindern. © Hochschulmedizin Dresden/Thomas Albrecht/PR

Die Krankenhäuser übermitteln ihre Befunde freiwillig an die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die in Dresden ausgewertet werden. Möglicherweise sind die Zahlen deshalb nicht vollständig. „Ich gehe aber davon aus, dass es in Dresden nicht viel mehr Kinder gewesen sein werden“, sagt Armann. Denn die Fälle am Uniklinikum habe er selbst im Blick. Und vom Neustädter Krankenhaus, an dem die Kindermedizin des Städtischen Klinikums angesiedelt ist, wisse er ebenfalls, dass die Daten zuverlässig übermittelt werden.

Was heißt erkrankt? Was hatten die Kinder?

Zu den häufigsten Symptomen zählten während der stationären Behandlung Fieber sowie allgemeine Abgeschlagenheit. Mehr als 66 Prozent der in Deutschland aufgenommen, infizierten Kinder klagte darüber. 41 Prozent berichtete über Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Bei 37 Prozent zeigten sich Probleme in den unteren Atemwegen, eine Lungenentzündung zum Beispiel. Magen-Darm-Beschwerden hatten 27 Prozent der Kinder. In rund 70 Prozent aller Fälle führten die Ärzte die Symptome eindeutig auf die Corona-Infektion zurück. Grundlage bilden die Befunde stationärer Aufnahmen von Anfang Januar bis Ende Februar.

Gab es auch gefährliche Verläufe?

Nein, in Dresden nicht. Etwas anders sieht das deutschlandweit aus: In 215 Fällen stellte sich ein schweres inflammatorisches, also entzündliches Krankheitsbild, ein. Mediziner sprechen vom "pädiatrisch multisystemischen inflammatorischen Syndrom", kurz PIMS. Sie assoziieren dies mit einer Corona-Infektion, da die Häufigkeit des Krankheitsbildes den beiden Corona-Wellen folgte.

Neben Fieber traten entzündliche Prozesse in mehreren Organsystemen auf. Zweitdrittel der erkrankten Kinder und Jugendlichen waren älter als sechs Jahre. In Sachsen sind bisher sieben Fälle bekannt, alle aus dem Chemnitzer Raum.

Ein Teil der Kinder, acht Prozent, ist mit Folgeschäden nach Hause gegangen, insbesondere an den Herz-Kranz-Gefäßen. „Das heißt nicht, dass alle Patienten bleibende Schäden haben werden. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht, ob und wann sich die Gefäße regenerieren werden.“

Ziel der Befundsammlung sei es unter anderem, die Risikogruppen unter den Kindern zu identifizieren, also herauszufinden, bei welchen Kindern etwas mehr aufgepasst werden sollte. Andererseits gehe es darum, jene Kinder zu begleiten, die das Krankenhaus zunächst mit Folgeschäden verlassen, um mehr darüber erfahren.

Werden mehr kranke Kinder durch Virusmutationen befürchtet?

Bisher ist bei 87 positiv getesteten Dresdnern eine Virusvariante festgestellt worden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um die britische Mutante. Zunächst hieß, diese habe in England zu deutlich mehr schweren Verläufen bei Kindern geführt. „Diese Sorge hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Jakob Armann, der Eltern damit Ängste nehmen kann. Inzwischen sei aus den englischen Daten klar ablesbar, dass Kinder nicht schwerer erkranken, wenn sie mit der Virusvariante infiziert sind. Allerdings würden sich natürlich auch wieder mehr Kinder anstecken, wenn sich eine dritte Corona-Welle aufbauen sollte.

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