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Corona-Impfung: Woran hakt's in Heimen?

Pflegeeinrichtungen waren die ersten, die ein Impfangebot bekamen. Matthias Reuter vom Kreis Görlitz erklärt, warum das Thema immer noch nicht durch ist.

Matthias Reuter ist als Pflegekoordinator im Landkreis Ansprechpartner für die Senioren- und Pflegeheime im Landkreis.
Matthias Reuter ist als Pflegekoordinator im Landkreis Ansprechpartner für die Senioren- und Pflegeheime im Landkreis. © Rafael Sampedro (Archiv)

Die Nachricht von einem heftigen Corona-Ausbruch im Lawalder Pflegeheim vor einigen Tagen hat so manchen irritiert: Wie kann das sein, dass es in einem Heim noch so viele ungeimpfte Bewohner und Mitarbeiter gibt, wo doch die Heime die ersten waren, die Impfangebote erhalten haben? Schon Ende Dezember 2020 wurde der erste Impfstoff für den Kreis - an den Pflegestift Oberland - geliefert. Dann müssten doch Heime wie dieses jetzt geschützt sein, oder? Matthias Reuter, Pflegekoordinator beim Landkreis Görlitz, über den Stand der Immunisierung in Heimen, weitere Impfrunden, vorhandene Skepsis und die Frage, wieso es in manchen Heimen noch so wenig Geimpfte gibt.

Herr Reuter, wie ist die Bilanz in den Heimen im Landkreis - ist das Impfen der Bewohner und Mitarbeiter abgeschlossen?

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Matthias Reuter: Für eine endgültige Bilanz ist es noch zu früh - aber eine Zwischenbilanz kann man ziehen: Wir sind mit der ersten Impfrunde - also jeweils mit Erst- und Zweitimpfung - in den stationären Einrichtungen, die mit dem Heimgesetz erfasst werden, im Landkreis durch. Wir starten dort jetzt mit der zweiten Impfrunde. Zudem waren wir in einigen großen ambulanten Einrichtungen des Betreuten Wohnens für eine Impfaktion vor Ort.

Sie sprechen von einer zweiten Runde in den Heimen - wieso ist die nötig?

Reuter: Das hat ganz verschiedene Gründe. In manchen Einrichtungen haben sich Bewohner und Personal beim ersten Impfangebot noch nicht dazu entschließen können, sich impfen zu lassen - vielleicht weil Unsicherheit und Skepsis dabei war. Das war, wie uns Heimleiter im Gespräch erklärt haben, vielfach auch beim Personal der Fall, wo man erst einmal abwarten wollte. Dann gab es aber auch Heimbewohner oder Heimmitarbeiter, die zur Zeit der ersten Impfrunde gerade mit Corona infiziert waren, die Erkrankung gerade erst überstanden hatten oder an anderen gesundheitlichen Problemen litten und sich deshalb nicht impfen lassen konnten. Außerdem gibt es in vielen Einrichtungen inzwischen neue eingezogene Bewohner, die nun ebenfalls noch geimpft werden wollen.

Können Sie sagen, wie hoch der prozentuale Anteil der Heimbewohner und Mitarbeiter ist, der geimpft ist?

Reuter: Nein, das ist so getrennt nicht erfasst worden, Anteile kann ich deshalb nicht benennen. Generell kann man aber sagen, dass die Impf-Abdeckung unter den Heimbewohnern insgesamt sehr groß ist. Im Gegensatz dazu haben wir von vielen Heimleitern aber gehört, dass das bei den Mitarbeitern nicht ganz so ist. Hier zeigt sich oft, dass es durchaus auch eine Rolle spielen kann, wie die Heimleitung als Vorbild agiert oder sie die Mitarbeiter motivieren kann, mitzumachen.

Gibt es generell Heime oder Regionen im Kreis, wo die Impfbereitschaft weniger ausgeprägt ist?

Reuter: Nein, da gibt es kein Muster. Das ist von Haus zu Haus - auch innerhalb eines Trägers beispielsweise - ganz verschieden.

Wie erklären Sie sich, dass im Lawalder Heim laut Aussagen der Heimleitung nur 19 von 42 Bewohnern und eine von 35 Mitarbeitern geimpft sind?

Reuter: Was die Gründe dafür waren, kann ich so nicht nachvollziehen. Ich kann nur sagen, dass wir mit der Heimleitung in Kontakt waren und das Hygienekonzept der Einrichtung funktioniert hat.

Bei dem Fall in Lawalde ließ aufhorchen, dass ein geimpfter Bewohner nach der Infektion verstorben ist und weitere Geimpfte erkrankt sind. Wie oft kommt so etwas vor?

Reuter: Bei allen neuen Fällen von Corona-Infektionen, die in den Einrichtungen nach der ersten Impfrunde gemeldet wurden, hatten wir bis zum Lawalder Fall keine Hinweise auf schwere Verläufe mehr. Warum das in Lawalde anders war, muss man genau betrachten. Mit Blick auf die zeitlichen Abläufe scheint die Infektion bei den geimpften Bewohnern zwischen der ersten und der zweiten Impfung passiert zu sein. Der vollständige Impfschutz ist ja erst rund zwei Wochen nach der zweiten Serumgabe aktiviert. Auch die Frage, ob der Tod eines Bewohners im direkten Zusammenhang mit der Corona-Infektion steht, müsste man genau klären.

Inzwischen impfen ja auch die Hausärzte zunehmend ihre Patienten - warum setzen Sie weiterhin auf mobile Impfteams für die zweite Runde in den Heimen?

Reuter: Wir hatten vorab eine Umfrage bei den Heimbetreibern gestartet und da wurde uns klar signalisiert, dass Interesse an einer zweiten Runde auf diese Weise besteht. Natürlich haben manche Heimbewohner inzwischen ihre Corona-Schutzimpfung auch vom eigenen Hausarzt bekommen, weil ihnen das lieber war und sie noch Fragen hatten. Manche Heime haben auch selbst Ärzte angesprochen für das Impfen. Erkennbar ist insgesamt, dass viele Heimbetreiber großes Interesse an einer hohen Durchimpfungsrate in den Einrichtungen haben, damit sie dann die Zügel bei Besuchsregeln und Hygienekonzept endlich wieder ein bisschen lockerer lassen können.

Geht das denn schon, wenn in einem Heim sehr viele geimpft sind?

Reuter: Nur teilweise. Das Sozialministerium empfiehlt ausdrücklich bei einer hohen Durchimpfungsrate die Gruppenangebote für Bewohner wieder aufzunehmen. Das ist gut und wichtig. Für Besucher gelten momentan noch die strikten Regeln, aber eine Änderung wird erwartet. Wir haben schon erste Anfragen von Heimen dazu. Das ist nicht verwunderlich, denn die Heimbetreiber bekommen viel Druck von außen. Bei den Angehörigen, die inzwischen genau wie ihr Verwandter im Heim selbst geimpft sind, sind die Erwartungen groß. Sie wollen nun wieder ohne größere Einschränkungen zu Besuch kommen.

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