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Wir haben nichts Besseres als die Impfung

Sollte ich mein Kind impfen lassen? Bei der Entscheidung, die auf Eltern zukommt, hilft kein Bauchgefühl. Es geht nicht nur um die eigene Familie.

Ein Kinder- und Jugendarzt impft ein Mädchen. Johanna Lemke kommentiert das Impfen von Kindern.
Ein Kinder- und Jugendarzt impft ein Mädchen. Johanna Lemke kommentiert das Impfen von Kindern. © Fabian Sommer/dpa

Der Biontech-Impfstoff wird vermutlich bald für Kinder ab fünf Jahren zugelassen werden. Jugendliche ab 12 können sich schon impfen lassen. Eine Erleichterung für das Land? Eine Chance, um aus der Pandemie herauszukommen? Endlich Schutz für die Kinder? Nicht alle sehen das so. Sie sind besorgt, Kinder könnten die Impfung nicht vertragen oder sie fürchten Langzeitschäden.

Sich für eine Impfung am eigenen Körper zu entscheiden, ist für die meisten Menschen wenig problematisch. Über die Hälfte aller Deutschen ist inzwischen vollständig gegen Covid 19 geimpft. Doch die Frage, das eigene Kind impfen zu lassen, ist für manche komplexer. Bei der Vakzinierung gegen tödliche Krankheiten wie Tetanus sagen sie noch: Klar, das machen wir. Doch bei Corona fühlt es sich anders an, da die Covid-Erkrankung für Kinder nicht unbedingt schwer verlaufen muss (wohl aber kann).

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Die Zurückhaltung hat einen löblichen Grund: Eltern tragen die 100-prozentige Verantwortung für ihre Kinder. Und eins ist sicher: Die allermeisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Sie informieren sich, lassen sich beraten, vertrauen auf Experten. Manchmal hilft auch das Internet bei der Recherche nach der idealsten Lösung, von Schnullerform bis zur Schulwahl. Am Ende bleibt zumindest eine gewisse Sicherheit, das Bestmögliche getan zu haben.

Corona hat all diese Sicherheiten aus den Angeln gehoben. Jeder fährt auf Sicht durch die Pandemie. Kultur öffnen, Schulen schließen, Masken ja oder nein – viele Maßnahmen und Lösungen waren nicht mehr als der Versuch, es richtig zu machen und daraus zu lernen. In einer Krisenlage ohne Vorbild geht das manchmal nicht anders.

Sich ernsthaft zu informieren ist das mindeste

Ähnlich verhält es sich mit der Impf-Frage: Es gibt keine Garantie, dass ein Mensch das Vakzin gut verträgt. Was es aber gibt, sind wissenschaftliche Erkenntnisse. Laut der mit großen Datenmengen gespeisten Studien sind leichte Nebenwirkungen durch die Impfung bei Kindern möglich, starke Reaktionen sehr selten, größere Schäden kommen so gut wie nie vor. Ein Restrisiko gibt es auch bei anderen Impfungen. Dennoch nimmt man dies etwa bei der Polioimpfung in Kauf, um das der Erkrankung zu verringern.

Es gehört zum Paradox der modernen Medizin, dass wir selten eine 100-prozentige Sicherheit bekommen, ob eine Maßnahme mehr hilft, als dass sie schadet. Wenige Menschen entscheiden sich etwa im Falle einer Krebserkrankung gegen eine angeratene Chemo-Therapie, weil diese Nebenwirkungen hat und überdies nicht mal die Sicherheit gibt, dass der Krebs nie wieder kommt. Sich auf Medizin zu verlassen, bedeutet auch, sich auf Statistiken zu verlassen.

Manche Eltern fürchten nun, dass ihr Kind der eine Prozentpunkt in der Statistik ist, bei dem es doch mal schief ging. Diese Sorgen darf jeder haben und es ist nicht sonderlich hilfreich, wenn besorgten Eltern nun mit Häme begegnet wird.

Doch eins kann man von Müttern und Vätern verlangen: dass sie sich wenigstens seriös informieren. Das ist neben der gesunden elterlichen Skepsis eben auch ihre Pflicht. Sie müssen dafür auch keine komplizierten Studien lesen, es reicht das Gespräch mit der Kinderärztin. Doch sich ausschließlich auf das Bauchgefühl zu verlassen, ist angesichts eines neuen, gefährlichen und wenig erforschten Virus‘ einfach töricht.

Schaut man sich die Daten an, kann man eigentlich ganz beruhigt sein: Die Wahrscheinlichkeit, schwer an Corona zu erkranken, ist für Kinder größer als die eines Impfschadens.

Kinder sind immer mehr gefährdet

Eine angeblich niedrige Gefahr, dass Kinder sich anstecken, ist hingegen kein Argument mehr: Die Zahlen bei den Unter-18-Jährigen steigen rasant, die erste sächsische Schule ist schon geschlossen, weil an einem Tag 18 Kinder positiv getestet wurden. Gleichzeitig füllen sich die Intensivstationen mit Menschen unter 50 – Ungeimpfte, die ihre Kinder anstecken, welche dann in den Schulen andere Kinder infizieren. Antigen-Schnelltests sind zu ungenau. Es ist laut Experten sehr wahrscheinlich, dass ungeimpfte Kinder in diesem Herbst und Winter eine Corona-Infektion erleben. Nicht alle kommen mit einem milden Verlauf davon.

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Die Möglichkeiten, Kinder anders als durch eine Impfung vor der Durchseuchung zu schützen, halten sich in Grenzen. Man hat sich als Mutter, als Vater damit abgefunden, dass Kultusministerium, Kitas und Schulen keine verlässlichen Konzepte für den Schutz der Kinder schaffen. Es gibt faktisch keinen Plan für die wahrscheinliche Situation, dass Klasse für Klasse, Gruppe für Gruppe in Quarantäne muss. Aus den letzten anderthalb Jahren wissen wir, dass Kinder Schulschließungen ganz gut verkraften, aber leiden, wenn sie durch Quarantäne aus ihrem Alltag gerissen werden und sich isolieren müssen. Zwar kann Quarantäne durch einen negativen PCR-Test nach fünf Tagen beendet werden, dennoch bedeutet das fünf Tage Stress für die isolierten Kinder und ihre Eltern. Stress, der in vielen Familien zu einem Anstieg der Gewalt und zu psychischen Problemen vor allem bei Jugendlichen führt.

Um Kinder, uns selbst und unser Umfeld zu schützen, haben wir derzeit einfach nichts Besseres als die Impfung. Aber die haben wir – zum Glück.

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