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Rödertal: „Wir könnten von morgens bis abends impfen“

Seit rund drei Wochen dürfen Hausärzte die Corona-Schutzimpfung vornehmen. So sieht es seitdem in den Praxen im Rödertal aus.

In den Hausarztpraxen ist die Nachfrage nach der Corona-Schutzimpfung groß.
In den Hausarztpraxen ist die Nachfrage nach der Corona-Schutzimpfung groß. © Symbolbild: Paul Zinken/dpa

Radeberg. So viel telefoniert wie in diesen Tagen haben die Mitarbeiterinnen in Hausarztpraxen in Radeberg und Umgebung lange nicht. „Wir bekommen derzeit sehr viele Anfragen wegen der Corona-Schutzimpfung. Viele wollen einen Termin haben“, sagt Schwester Simone in der Arztpraxis von Dr. Elvira Luther in Radeberg. Die Namen werden dann in eine Liste eingetragen. „Wenn wir den Impfstoff bekommen, dann telefonieren wir wiederum diese Listen ab und vereinbaren konkrete Termine“, sagt sie. Der Aufwand ist enorm. Ähnlich ist die Situation in der Praxis von Dr. Peter Bacar in Radeberg. „Die Nachfrage ist sehr groß“, sagt Mitarbeiterin Jana Ronge. Dutzende Interessenten rufen an. „Wir könnten von morgens bis abends impfen“, sagt Schwester Simone.

Das große Problem ist jedoch nicht der Aufwand, sondern die geringe Zahl an Impfdosen, die den Praxen zur Verfügung gestellt wird. „Wir haben diese Woche ein Fläschchen Biontech und eins mit AstraZeneca bekommen. Davon können wir sechs Impfungen mit Biontech vornehmen und zehn mit AstraZeneca. Das ist viel zu wenig“, sagt Schwester Simone. Erschwerend kommt für die Praxen hinzu, dass sie nicht genau wissen, wie viel Impfstoff ihnen zugewiesen wird. In der ersten Woche nach Ostern konnten wir 18 Dosen impfen, in der zweiten waren es 24 und in der dritten Woche 16 Dosen. Wir können also erst wenn uns die konkrete Anzahl bekannt oder geliefert ist, die Termine vereinbaren.“

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In der nächsten Woche sollen wir 48 Dosen erhalten. Das wäre ja schon ein Fortschritt, mal sehen, wie viele es wirklich werden“, sagt Schwester Simone. Ausgeliefert werden die Dosen von den Apotheken, sie bekommen allerdings auch nur so viele, wie ihnen vom Großhandel zur Verfügung gestellt werden. „Anfangs wurde uns geraten, uns bei den Kassenverbänden zu beschweren, aber wir wissen ja, es kann einfach nicht so schnell produziert werden, wie der Impfstoff benötigt wird.“

Auch Jana Reinhardt, Mitarbeiterin in der Praxis Yves Reinhardt in Radeberg, empfindet das so. Hinzu kommt, dass derzeit nur bestimmte Altersgruppen geimpft werden können. „Wir müssen zunächst ermitteln, welcher der Patienten schon im betreffenden Alter ist, wen kann ich anrufen, wer darf noch keine Impfung bekommen. Das ist ein enormer Aufwand.“ Ein weiteres Hemmnis sei, dass bei AstraZeneca ist eine deutliche Verunsicherung zu bemerken ist. „Selbst über 60-Jährige, für die der Impfstoff ja empfohlen wird, halten sich zurück“, sagt Jana Reinhardt. Sie hat in dieser Woche noch einige Dosen AstraZeneca, für die noch kein Interessent vorgemerkt ist. „Ich werde jetzt weiter die Liste abtelefonieren, um für die letzten Dosen auch noch Termine zu vereinbaren.“ Inzwischen hat Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping mitgeteilt, dass die Impfpriorisierung für den AstraZeneca-Impfstoff im Freistaat aufgehoben ist. Nach einer ausführlichen Beratung durch den Arzt können sich alle Bürger mit ihm impfen lassen.

Bisher kaum Komplikationen festgestellt

Jana Reinhardt findet das gut. „So kommen wir mit dem Impfen schneller voran. Die unter 60-Jährigen fallen bei AstraZeneca weg, obwohl sich etliche impfen lassen würden.“ Komplikationen sind in ihrer Praxis bisher keine aufgetreten. „Wir hatten nur ganz wenige Patienten, die sich im Impfzentrum die Spritze haben geben lassen und die dann wegen leichterer Symptome zu uns gekommen sind. Aber das waren Einzelfälle.“ Auch in der Praxis Dr. Bacar sind bisher keine Komplikationen aufgetreten. „Wer sich unsicher ist und noch Fragen hat, spricht noch mit dem Arzt. Ansonsten werden die Patienten von uns Schwestern geimpft“, sagt Jana Ronge. Peter Bacar versuche, mit einer detaillierten Aufklärung über AstraZeneca zu informieren. Nach den Erfahrungen von Schwester Simone wollen sich rund 75 Prozent der Interessenten vorrangig mit Biontech impfen lassen. Die übrigen 25 Prozent haben gegen keinen der Impfstoffe Vorbehalte.

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Den starken Andrang in den Arztpraxen erklären sich die Mitarbeiter vor allem mit der Vertrautheit zwischen Arzt und Patient. „Beide kennen sich teils jahrelang. Der Arzt weiß um Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten oder Ähnliches. Beide sind miteinander vertraut. Das ist gerade bei einer solchen wichtigen Impfung eine große Voraussetzung.“ Gerade viele ältere Patienten würden aber auch den weiten Weg nach Kamenz ins Impfzentrum scheuen. „Das ist für ältere Menschen zu aufwendig, gerade wenn sie kein Auto haben oder niemanden, der sie fährt.“ Hausarztpraxen hätten von Anfang an in die Impfkampagne einbezogen werden sollen oder sie gleich ganz übernehmen sollen. Das wäre effektiver gewesen, sagt eine weitere Praxismitarbeiterin.

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