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Landkreis SOE: Wo Notfall-Patienten Hilfe bekommen

Die Intensivstationen der Krankenhäuser sind voll. Wem soll jetzt geholfen werden, wenn die Möglichkeiten nicht für alle reichen?

Krankenhauskoordinator Christoph Josten (r.) ist von den Corona-Maßnahmen überzeugt, die Ministerpräsident Michael Kretschmer verkündet hatte.
Krankenhauskoordinator Christoph Josten (r.) ist von den Corona-Maßnahmen überzeugt, die Ministerpräsident Michael Kretschmer verkündet hatte. © dpa-Zentralbild

Davor hatten die Schwestern auf der Intensivstation der Weißeritztalkliniken in Freital schon vor vier Wochen Angst. "Zustände wie in im Frühjahr in Bergamo, wo Ärzte entscheiden mussten, wem geholfen wird, möchte niemand erleben", sagten damals zwei Fachkrankenschwestern im Gespräch mit Sächsische.de. Das entsprechende Prozedere wird auch als Triage bezeichnet. In Katastrophen ist das eine Einteilung der Fälle nach Vorrang der Behandlung.

In den Helios-Kliniken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge war die Triage bisher etwas anderes, wie Birgit Gottschlich, die Chefärztin Anästhesie im Krankenhaus Pirna erklärt. Unter dem Begriff erfolgt die Einteilung der Patienten danach, ob sie von der Normalstation auf die Intensivstation verlegt werden müssen oder umgekehrt, weil sich der Gesundheitszustand verbessert oder verschlechtert hat. Wem zuerst geholfen wird, darum geht es dort auch jetzt noch nicht.

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Patientenzahl steigt in Pirna und Freital weiter

Die Lage in den Kliniken spitzt sich aber weiter zu. Vor vier Wochen waren es in Freital 25 Covid-19-Patienten, davon lagen vier auf der Intensivstation. Am Montag, 14. Dezember, meldete die Klinik schon 60 Covid-Patienten, davon 13 auf der Intensivstation.

In der Helios-Klinik in Pirna sind es seit drei Tagen mehr als 80 Covid-Patienten. 17 von ihnen belegen jeweils eines der 18 zur Verfügung stehenden Betten der Intensivstation. Zum Teil müssen sie invasiv beatmet werden. Zudem wird ein anderer Notfallpatient versorgt.

Wie das Krankenhaus in Pirna hatte ebenso das Krankenhaus in Sebnitz keine freien Intensivbetten mehr. Im Divi-Intensivregister sieht das im benachbarten Bischofswerda genauso aus.

Freie Intensivbetten in Dresden und Kreischa

Die Notfallversorgung ist trotzdem weiter gewährleistet, heißt es. Nur die Wege zur stationären Aufnahme in einem Krankenhaus werden weiter. "Bisher mussten noch keine sächsischen Patienten in andere Bundesländer verlegt werden", erklärte Professor Christoph Josten vom Universitätsklinikum Leipzig. Er ist einer der Krankenhauskoordinatoren in Sachsen. Aus Südsachsen wurden aber schon Pateinten in Kliniken des bisher weniger betroffenen Leipzig verlegt.

Laut Intensivregister waren im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am Montag, 14. Dezember, zwar noch 19 Intensivbetten frei. Anfang November waren es jedoch noch 70. Hinzu kommt, dass zwar die Kapazitäten der Bavaria-Klinik in Kreischa mit eingerechnet werden. Als Reha-Klinik führt sie aber keine Notfallbehandlung durch. Als Sekundär-Klinik übernimmt sie jedoch Patienten im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Freie Kapazitäten für Notfallpatienten gibt es weiterhin in Dresden beispielsweise am Universitätsklinikum oder in der Friedrichstadt. Auch in Meißen standen am Montag noch Intensivbetten zur Verfügung. Die Koordination für die Region erfolgt in der Leitstelle in Dresden.

"Querdenker" muss intubiert werden

Trotz einschneidender Maßnahmen seit 1. November bleibt die Zahl der Patienten auf hohem Niveau. Zudem steigen die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 rasant. Im hiesigen Landkreis sind es inzwischen über 200.

Bei einer Pressekonferenz forderten Josten und weitere Ärzte noch mal eindringlich, dass Kontakte der Menschen möglichst vermieden werden. Beispielhaft dafür, dass es jeden treffen könne, berichtete Josten: "Ein bekannter ,Querdenker' musste acht Tage nach der Demo in Leipzig intubiert werden - wegen Covid 19."

In den Krankenhäusern quälen sich auch immer mehr Jüngere mit den Auswirkungen von Atemnot wegen Corona herum. 40 Prozent der stationären Covid-19-Patienten in Sachsen sind unter 40 Jahren alt, erklärte dazu der Chemnitzer Infektiologe Thomas Grünewald.

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In den Kliniken indes müsse niemand von der Notwendigkeit der Kontaktbeschränkungen überzeugt werden. "Hier wissen alle genau, wogegen man sich schützen muss", sagt Schwester Anett, Fachkrankenschwester der Intensivstation in Freital.

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