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Corona: Grenzen sollen offen bleiben!

Hohe Infektionszahlen in Tschechien und Polen lassen Gerüchte hochkommen, dass die Grenzen wieder geschlossen werden könnten. Ein Kommentar.

SZ-Korrespondent Hans-Jörg Schmidt findet es richtig, dass sich Ministerpräsident Kretschmer und seine Kollegen aus Prag und Warschau in die Hand versprachen, die Grenzen nicht wieder zu schließen.
SZ-Korrespondent Hans-Jörg Schmidt findet es richtig, dass sich Ministerpräsident Kretschmer und seine Kollegen aus Prag und Warschau in die Hand versprachen, die Grenzen nicht wieder zu schließen. © SZ/Uwe Soeder

Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt in Prag

Es war zu erwarten: Tschechien und Polen beklagen hohe Infektionszahlen und schon machen Gerüchte die Runde, dass die Grenzen zu Sachsen wieder geschlossen werden könnten. Manche fordern es ganz direkt. Als wären die derzeit hochgezogenen imaginären Grenzen zwischen deutschen Bundesländern gegen Menschen aus benachbarten Risikogebieten ein perfekt funktionierendes Beispiel.

Ich fühle mich bei solchen Debatten immer an alte Zeiten erinnert. Die Ostberliner, so wurde uns eingeredet, könnten sich glücklich schätzen, nicht unter Smog zu leiden, weil der über Westberlin zuverlässig am antifaschistischen Schutzwall abpralle. Immerhin konnte man sich über solchen propagandistischen Blödsinn noch amüsieren, wenn auch hustend. Das Coronavirus lässt sich leider ebenso wenig wie der Westberliner Smog davon abhalten, über Grenzen hinweg zu wabern. Das sollten wir aus der ersten Welle gelernt haben, aus Erfahrungen, unter denen vor allem unschuldige Pendler gelitten haben. Die Abschottung innerhalb unseres gemeinsamen europäischen Lebens- und Wirtschaftsraumes war alles andere als sinnvoll. Sie schürte nur überflüssigen Nationalismus.

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Es war folgerichtig, dass sich Ministerpräsident Kretschmer und seine Kollegen aus Prag und Warschau in die Hand versprachen, die Grenzen nicht wieder zu schließen. Sie müssen Wort halten, gerade jetzt. Sonst käme zu all den neuerlichen Unannehmlichkeiten und wirtschaftlichen Folgen ein weiteres Stück Vertrauensverlust in die Politik. Die Ansteckungsgefahr von Corona geht zudem nicht von „den Tschechen“ oder „den Polen“ aus, sondern von Menschen, egal welcher Nationalität, die auf Regeln pfeifen. Auch wenn sie uns einschränken: Regeln braucht es. Geschlossene Grenzen nicht.

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