merken
Deutschland & Welt

Youtube löscht "Querdenken"-Kanal

Die umstrittene "Querdenken"-Bewegung trägt ihren Protest gegen die Corona-Maßnahmen auch ins Web. Ein wichtiger Ausspielkanal wurde nun gesperrt.

Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht.
Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht. © Franz-Peter Tschauner/dpa

Berlin. Die Video-Plattform Youtube hat den Kanal der umstrittenen Gruppierung "Querdenken 711" gelöscht. "Querdenken 711" sei in einem ersten Schritt wegen des Hochladens von Inhalten, die gegen die Youtube-Richtlinien für Fehlinformationen verstoßen hätten, abgemahnt worden, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Danach sei der Kanal zunächst gesperrt worden, so dass die Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen keine weiteren Videos in dem Kanal mehr hochladen konnten. "Während dieser Suspendierung versuchten sie, die Vollstreckung zu umgehen, indem sie einen anderen Kanal benutzten, und als Ergebnis wurden beide Kanäle gelöscht." "Querdenken 711" hatte zuletzt rund 75.000 Abonnenten.

Die "Querdenken"-Initiative hat ihren Ursprung in Stuttgart, 711 steht für die Telefonvorwahl der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Ihre Anhänger gehen seit Monaten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen auf die Straße. Die "Querdenken"-Bewegung in Stuttgart und anderen Regionen Deutschlands wird inzwischen von verschiedenen Verfassungsschutzämtern beobachtet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Szene als sogenanntes Sammelbeobachtungsobjekt, ähnlich wie beim Salafismus. Bei der Überwachung können auch geheimdienstliche Mittel eingesetzt werden, sowie Bankkonten und Finanzströme zwischen den Akteuren durchleuchtet werden.

Anzeige
Story à la Romeo & Julia – inklusive Welthit
Story à la Romeo & Julia – inklusive Welthit

Die Dresdner Staatsoperette präsentiert mit "Die Fantasticks" das erste große Musical nach dem Lockdown.

"Querdenken 711" setzt nun auf Peertube

Der Sprecher von "Querdenken 711", Michael Ballweg, bestritt, dass man ein blockiertes Video ein zweites Mal auf einem anderen Kanal hochgeladen habe. "Es gibt gar keinen zweiten Kanal." Er erklärte, man habe sich Ende 2020 mehrfach gegen die Löschung einzelner Youtube-Videos mit anwaltlicher Unterstützung erfolgreich gewehrt. "Alle Klagen gegen Youtube gegen die willkürlichen Löschungen waren bis dato erfolgreich."

Weiterführende Artikel

"Querdenken": Hitzemarathon in Dresden

"Querdenken": Hitzemarathon in Dresden

Etwas mehr als 100 "Querdenker" haben am Sonnabend am Altmarkt in Dresden demonstriert. Ein kompromissloser Kraftakt.

"Querdenken" behindert Verkehr in Dresden

"Querdenken" behindert Verkehr in Dresden

Die Stadt teilt mit, dass es wegen eines Demozuges am Samstag zu Verkehrseinschränkungen kommen dürfte. Mehrere Straßen sind gesperrt.

Besonders viele Corona-Kritiker in Sachsen

Besonders viele Corona-Kritiker in Sachsen

Sachsen gilt als "Querdenker"-Kernland, mit einer teils renitenten Bevölkerung. Ergebnisse einer Studie sprechen dagegen - Auffälligkeiten gibt es aber.

"Querdenken" in Dresden: Kaum einer ist hingegangen

"Querdenken" in Dresden: Kaum einer ist hingegangen

Nachdem Gerichte "Querdenken"-Demonstrationen verboten hatten, blieb es am Samstag ruhig. Doch es steht ein weiterer Polizei-Großeinsatz bevor.

"Querdenken 711" verstärke nun die Aktivitäten zur Schaffung einer europäischen, dezentralen Alternative zu Youtube, kündigte Ballweg an. Dabei setze man auf Peertube. Das ist eine Software, mit der man selbst Plattformen zur Veröffentlichung von Videos und Streams betreiben kann. Das Projekt wirbt damit, dezentral, frei und transparent zu sein. Allerdings haben dort auch - ähnlich wie beim Messengerdienst Telegram - Extremisten Unterschlupf gefunden, die zuvor von kommerziellen Plattformen wegen Verstößen gegen die Richtlinien gelöscht wurden. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt