merken
PLUS Wirtschaft

Sachsens Arbeitsagentur rechnet mit Herbstbelebung

Die Arbeitslosigkeit sinkt, ist aber noch immer höher als vor Corona. Doch auch die Zahl der freien Stellen wächst - auf einen Rekordwert.

Stellensuche im August ist häufig wegen der Ferien nicht einfach. Doch die Zahl der freien Stellen in Sachsen ist so hoch wie nie.
Stellensuche im August ist häufig wegen der Ferien nicht einfach. Doch die Zahl der freien Stellen in Sachsen ist so hoch wie nie. © Sina Schuldt/dpa (Symbolbild)

Dresden. Sommerpause bei sächsischen Personalchefs: Im August sind lediglich rund 8.500 Menschen eingestellt worden, die zuvor in Sachsen arbeitslos waren. Selbst voriges Jahr im August waren es etwas mehr.

Auch im Deutschland-Vergleich liegt Sachsen derzeit zurück: Während insgesamt die Zahl der Arbeitslosen im August schrumpfte, wuchs sie in Sachsen um 330. Jetzt sind 121.719 Sachsen offiziell arbeitslos gemeldet.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Das sind zwar gut 16.000 weniger als voriges Jahr, aber damals bremste Corona noch stärker den Arbeitsmarkt. Vor zwei Jahren, im August vor Corona, waren rund 6.400 Sachsen weniger arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit ist also noch immer höher als vor Corona.

Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen rechnet nun damit, dass im September die „Herbstbelebung“ nach den Schulferien zu mehr Beschäftigung führt. Davon würden auch die jetzt arbeitslosen Jungfacharbeiter profitieren. Rund 3.300 junge Leute haben sich in den vergangenen Wochen arbeitslos gemeldet, davon 1.300 nach der Ausbildung – weil sie nicht von ihren Lehrbetrieben übernommen wurden.

Handwerkskammer Dresden: Lehrstellen wie 2019

Die Jugendarbeitslosigkeit ist daher im August stark gestiegen. Das sei im Sommer üblich, sagt Hansen. Ein Teil der erwerbslosen jungen Leute beginne bald mit weiterführender Schule, Ausbildung oder Studium. Wo noch Erfahrung und Wissen fehle, könne die Behörde mit Praktika oder Lohnzuschüssen helfen. Die Arbeitsagenturen beenden ihre Corona-Schließzeiten und nehmen auch Arbeitslos-Meldungen nur noch persönlich an.

Die Handwerkskammer Dresden bestätigte am Dienstag den Trend: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben sich dort 1.365 Männer und 381 Frauen für eine Karriere im Handwerk entschieden. Diese insgesamt 1.746 neuen Lehrverträge sind genau einer weniger als im Vor-Corona Jahr 2019. Voriges Jahr gab es sogar 1.794. Kammer-Geschäftsführer Andreas Brzezinski betonte, Kurzentschlossene könnten noch immer eine Ausbildung im Handwerk beginnen. In der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Dresden sind noch 870 offene Ausbildungsplätze in Ostsachsen zu finden.

Die Rangliste der beliebtesten Lehrstellen führt der Beruf Kraftfahrzeugmechatroniker an. Es folgen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Tischler und Elektroniker.

Die Arbeitslosenquote in Sachsen liegt bei 5,7 Prozent - also etwa im deutschen Durchschnitt.
Die Arbeitslosenquote in Sachsen liegt bei 5,7 Prozent - also etwa im deutschen Durchschnitt. © SZ Grafik

20 Prozent der freien Stellen für Ungelernte

Auch im August haben noch einmal 159 sächsische Unternehmen Kurzarbeit angezeigt – etwa aus der Auto- und Autozulieferindustrie. Laut Arbeitsagentur sind Ausfälle in der Lieferkette häufig ein Grund dafür. Die Kurzarbeit lag nach jüngster Statistik für Mai weiter auf hohem Niveau: rund 109.000 Kurzarbeiter wurden gezählt, nach 164.000 im Februar.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe und im Handel ist nach jüngsten Zahlen im Juni weiter zurückgegangen. Trotzdem stieg die Zahl der Beschäftigten in Sachsen insgesamt von Mai zu Juni auf 1,62 Millionen, ohne Minijobber. Das waren fast 16.000 mehr als voriges Jahr im Juni.

„Einstellungsbereitschaft ist da“, sagte Frank Vollgold, Pressesprecher der Arbeitsagentur. In den Computern stehen 43.679 freie Stellen. Das sind fast 10.000 mehr als vor einem Jahr - so viele waren es noch nie. Laut Vollgold werden beispielsweise rund 1.400 Kraftfahrer gesucht, ebenso viele Altenpfleger und 1.800 Verkäufer. Logistik und Maschinenbau suchen noch mehr Mitarbeiter. 60 Prozent der freien Stellen seien für Fachkräfte, etwa 20 Prozent kämen für Ungelernte infrage.

Jugendliche fördern - aber auch Zuwanderer einstellen

Weiterführende Artikel

Arbeitslose in Sachsen stecken lange in Hartz IV fest

Arbeitslose in Sachsen stecken lange in Hartz IV fest

Bei der Zahl der Langzeitarbeitslosen gibt es erhebliche Unterschiede in Sachsen. In einer Region ist die Quote besonders hoch.

Sachsens Industrie spürt kräftigen Aufschwung

Sachsens Industrie spürt kräftigen Aufschwung

Nach der Corona-Krise haben Auto- und Maschinenbauer in Sachsen wieder viel zu tun. Doch andere Branchen stecken noch im Minus.

Warum auf die Corona-Krise kein Super-Aufschwung folgt

Warum auf die Corona-Krise kein Super-Aufschwung folgt

Die Unternehmen in Sachsen werden die Corona-Krise rasch überwinden, sagt der Dresdner Forscher Joachim Ragnitz. Trotzdem ist etwas verloren gegangen.

Corona kostet Sachsen 30.000 Jobs

Corona kostet Sachsen 30.000 Jobs

Die sächsischen Statistiker in Kamenz ziehen eine erste Bilanz des Krisenjahres. Darin stehen aber nicht nur Minuszeichen vor der Wirtschaft in Sachsen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte im RBB-Inforadio, er setze zur Behebung des Fachkräftemangels zunächst auf Inländer: „Wir reden über Fachkräftemangel und haben gleichzeitig 1,3 Millionen Jugendliche zwischen 20 und 30 ohne jede Berufsausbildung.“ Zudem würden jährlich rund 50.000 Jugendliche die Schulen ohne Abschluss verlassen: „Das inländische Potenzial ist das wichtigste, das es zu erschließen gilt.“ Darauf müsse man sich nun in erster Linie konzentrieren.

Dennoch sei auch eine qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland nötig. Laut dem Nürnberger Bundesagentur-Chef Detlef Scheele braucht Deutschland eine „gezielte Zuwanderung“ von rund 400.000 Menschen pro Jahr.

Mehr zum Thema Wirtschaft