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Zwei neue Corona-Fälle an Dresdner Schule

Das Gesundheitsamt ermittelt nun die Personen, die Kontakt zu den Schülern hatten. Wie das funktioniert und wie Dresden auf eine neue Welle vorbereitet ist.

In Dresden ist nun eine fünfte Schule von Infektionen in der Schülerschaft betroffen.
In Dresden ist nun eine fünfte Schule von Infektionen in der Schülerschaft betroffen. © Armin Weigel/dpa (Symbolbild)

Dresden. In Dresden ist eine weitere Schule von Corona-Infektionen betroffen. Das teilte die Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag mit.

Es handelt sich um die 62. Oberschule "Friedrich Schiller" in Loschwitz. Dort seien zwei Schüler einer sechsten und siebten Klasse positiv auf das Virus getestet worden. Zwischen beiden Fällen bestehe ein Zusammenhang.

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"Das Gesundheitsamt geht den Fällen nach und ermittelt die Kontaktpersonen", so die Stadt. Die Schulleitung sei informiert worden. Die Eltern werden schnellstmöglich benachrichtigt. Über die Zahl der Kinder und eventuell Lehrer, die nun in Quarantäne geschickt werden, machte die Stadt noch keine Angaben. Fest steht aber, dass diejenigen, die einen Quarantänebescheid erhalten, bis einschließlich 28. September zu Hause bleiben müssen und das Haus nicht verlassen dürfen.

Damit gibt es seit Schuljahresbeginn vor zwei Wochen insgesamt sechs Corona-Fälle an fünf Dresdner Schulen. Das sind neben der 62. Oberschule das St. Benno-Gymnasium, das Cottaer Gymnasium, die 25. Grundschule in Striesen sowie die 19. Grundschule "Am Jägerpark" in der Radeberger Vorstadt. 

Aktuell befinden sich bereits mehr als 230 Schüler und Lehrer in Quarantäne - an manchen Schulen ganze Jahrgänge, an anderen einzelne Klassen. Warum macht das Gesundheitsamt derartige Unterschiede? "Der Unmut unter Schulleitern, Lehrern, Eltern und vielleicht auch unter den Schülern ist da", gibt Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) zu. Sie ist für das Gesundheitsamt zuständig. Die Kollegen dort würden sich jedoch streng nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts richten. "Damit ist klar, wie man die Umfelder von corona-positiv getesteten Menschen ermittelt. Das heißt aber auch, dass man von Fall zu Fall unterschiedlich entscheidet."

Dresdner Sozialbürgermeisterin: "Da gibt es keine Spielräume"

Was heißt unterschiedlich? Beispiel Grundschule, wo möglicherweise nur einzelne Klassen isoliert werden: Ein Grundschüler arbeitet im Klassenverband, er ist also immer mit denselben Schülern am Tag zusammen. Das heißt, er hat tendenziell weniger engen Kontakt zu Schülern anderer Klassenstufen und Parallelklassen. Das spielt eine Rolle, sollte einer von ihnen positiv getestet werden. 

Außerdem mache es in der Risiko-Beurteilung einen Unterschied, ob dieser Schüler drei Tage nach Schulstart aus der Klasse gezogen werde oder nach anderthalb Wochen, so Kaufmann. "Es macht außerdem einen Unterschied, wie die Schule – und darauf haben wir als Gesundheitsamt keinen Einfluss – ihre Hygienevorschriften organisiert." Von Schule zu Schule würden das Abstandhalten, Lüften und die Pausenzeiten anders gestaltet. "Das bedeutet, jede Situation ist individuell." Indem man vor Ort Menschen befrage, schaue, in welcher räumlichen Nähe, in welchem zeitlichen Maß Schüler und Lehrer zusammengekommen sind, entscheide das Gesundheitsamt, wie viele Menschen in Quarantäne kommen.

Und beim St. Benno-Gymnasium und dem Cottaer Gymnasium? An beiden Schulen wurde gleich für alle Elftklässler eine häusliche Isolation angeordnet. "Hier haben wir das Phänomen des Kurssytems der Sekundarstufe II", erklärt Kaufmann. Das heißt, dass sich die Schüler jede erste, jede zweite, jede dritte Stunde neu mischen und damit über den Tag in immer wieder unterschiedlichen Konstellationen mit anderen Menschen treffen. 

Auch dort entscheide der Lehrer, ob er durch die Klasse geht oder den entsprechenden Abstand wahrt. Und er entscheide, ob er während des Unterrichts lüftet. Schließlich zeige die Analyse des Gesundheitsamtes, ob man einen Kurs oder den gesamten Jahrgang aus dem Verkehr ziehen muss. Bei den beiden betroffenen Dresdner Gymnasien habe die Behörde nicht nur einen Kurs, sondern die komplette Klassenstufe in Quarantäne geschickt. "Das passiert mitnichten mit Willkür, sondern mit sehr großer Sorgfalt. Da gibt es keine Spielräume", so die Sozialbürgermeisterin.

Ministerium will Schulen nicht komplett schließen

Laut Robert-Koch-Institut ist ein weiteres entscheidendes Kriterium, ob Schüler und Lehrer über einen Zeitraum von mindestens fünf Minuten einen Gesichtskontakt zueinander hatten, also zum Beispiel gegenüberstanden und miteinander gesprochen haben.

Anders als im März sieht das Sächsische Kultusministerium derzeit keinen Anhaltspunkt dafür, dass komplette Schulen geschlossen werden müssen. Es gelte die festgelegte Zahl von 35 Infektionen pro 100.000 Einwohnern in Dresden innerhalb von sieben Tagen. Erst wenn dieser Wert überschritten wird, sollen Schließungen wieder in Betracht gezogen werden. Bei bis zu 20 Infektionen spricht das Ministerium von einer Normallage. In Dresden lag der Sieben-Tage-Wert am Dienstag bei 5,5 Infektionen je 100.000 Einwohner.

Trotz der vier Fälle an den Dresdner Schulen und der allgemein steigenden Corona-Zahlen in der Stadt schätzt Kristin Kaufmann die Lage aktuell noch als moderat ein. "Europaweit rutschen wir in eine recht dynamische Phase. In Frankreich gibt es täglich 10.000 neue Fälle – so viele wie noch nie." Auch innerhalb Deutschlands gebe es kontinuierlich um die 1.000 neue Fälle täglich. "Ich denke in Sachsen und Dresden haben wir aktuell ein moderates Wachstum, aber es ist ein Wachstum. Insbesondere auch die Zahl der noch nicht Genesenen steigt kontinuierlich und damit auch die Zahl der Corona-Träger."

Zweite Welle? Stadt geht von kontinuierlichem Anstieg der Fallzahlen aus

Ob Dresden eine zweite Welle droht, könne Kaufmann nicht sagen. "Aber ich sehe es sehr sensibel, denn Coronaviren sind saisonale Viren wie Influenzaviren. Das bedeutet: Wenn wir wieder enger zusammenrücken, wenn die Nase sowieso tropft und läuft, dann sind auch Coronaviren aktiver." Momentan sei es so, dass sich die Dresdner aufgrund der warmen Temperaturen viel draußen bewegten. Das ermögliche Abstände. "Spätestens ab Oktober, November wird das nicht mehr der Fall sein. Daher gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten kontinuierlich corona-positive Fälle haben werden. Wir werden in dieser Grippesaison mit Coronaviren leben müssen." 

Es gelte immer wieder zu sagen: Haltet den Abstand ein, haltet die Hygieneregeln ein, tragt eure Masken. "Es ist kein Spaß. Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass wir gut durch diese unbestimmte Phase kommen. Keinem kann daran gelegen sein, dass wir wieder in einen Lockdown kommen."

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