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Cottbuser demonstrieren für friedliches Miteinander

Nach vermehrten Übergriffen kommen Hunderte Cottbuser zu einer Kundgebung, die ein Flüchtling anmeldete. Aber es wird noch eine weitere Demo an diesem Tag in der Stadt geben – unter ganz anderem Motto.

© dpa/Bernd Settnik

Cottbus. Nach den vermehrten Übergriffen zwischen Deutschen und Flüchtlingen in Cottbus haben geschätzt mehr als 600 Menschen für ein friedliches Miteinander in der brandenburgischen Stadt demonstriert.

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Am Samstagvormittag zog es viele Flüchtlinge, Familien mit Kindern, ältere Ehepaare, Schüler und brandenburgische Politiker auf den zentralen Altmarkt zu einer Kundgebung. Die Stimmung war entspannt, die Polizei sprach zu Beginn von einer friedlichen Lage.

Die Demonstration hatte ein syrischer Flüchtling angemeldet, unterstützt vom Verein „Cottbus Nazifrei“, wie es von der Polizei hieß. Das Motto war: Leben ohne Hass - gemeinsam gegen die Angst. Auf dem Altmarkt, der von Cafés und Geschäften umgeben ist, wurden Anstecker mit diesem Motto sowie bunte Luftballons verteilt. Ein Flüchtling gab Rosen aus.

Zuletzt war es geballt zu Auseinandersetzungen in der Stadt gekommen. Unter anderem hatten jugendliche Syrer ein Ehepaar vor einem Einkaufszentrum attackiert. Zum Jahreswechsel hatten Unbekannte Flüchtlinge in ihrer Unterkunft angegriffen. Die Stadt nimmt momentan keine weiteren Flüchtlinge auf. Sozialarbeiter und mehr Polizeipräsenz sollen die Lage entspannen. Cottbus war wegen der Attacken bundesweit in die Schlagzeilen gekommen.

„Das hat Cottbus nicht verdient“, sagte ein Mann, der extra aus dem Spreewald angereist kam. Das Image der Stadt leide. Auch aus weiteren umliegenden Orten zog es Demonstranten an, wie zum Beispiel aus der Kleinstadt Peitz in Südbrandenburg. Eine Frau von dort sagte: „Wir brauchen einfach ein bisschen mehr Frieden.“ Ein Vater aus Afghanistan, der seit mehr als zwei Jahren in Cottbus lebt, betonte, dass er die Angriffe von Flüchtlingen auf Deutsche bedauere. Er sagte: „Nicht alle Flüchtlinge sind gleich.“

Zwei Zehntklässlerinnen aus Cottbus erzählten, dass die Auseinandersetzungen auch im Schulunterricht besprochen worden seien. Für sie sei es wichtig, ein Zeichen für Toleranz zu setzen.

Einige Vertreter von wichtigen Institutionen aus der Stadt zog es auch auf die Demonstration - darunter vom Regionalligisten FC Energie Cottbus und vom Menschenrechtszentrum, das eine Gedenkstätte in einem ehemaligen DDR-Gefängnis betreibt. Kritik gab es von vielen Seiten daran, dass der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) nicht anwesend war. Nach Angaben der Stadtverwaltung war er wegen schon länger geplanten Terminen verhindert.

Unter den brandenburgischen Politikern, die es nach Cottbus zur Demo zog, waren zum Beispiel der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD), der Linken-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Ralf Christoffers, und Grünen-Landeschefin Petra Budke. Sie sagte, dass es sehr gut sei, dass ein Flüchtling die Demonstration angemeldet habe. Das zeige, dass Flüchtlinge Verantwortung in der Stadt wahrnehmen. Sie selbst wolle ein Zeichen der Solidarität setzen. „Für ein Cottbus, in dem alle willkommen sind“, sagte Budke.

Unlängst hatte es als Reaktion auf die Angriffe von jugendlichen Syrern eine rechtsgerichtete Demonstration vor dem besagten Einkaufszentrum gegeben. Der Verein „Zukunft Heimat“ aus dem Spreewald hatte in der Vergangenheit immer wieder in Cottbus Demos gegen die Ausländerpolitik organisiert, wohin es auch AfD-Vertreter und Rechte gezogen hatte. Am Samstagmittag (14.00 Uhr) war eine erneute Demonstration des Vereins geplant. Die Oberkirche - Ort der Kundgebung - befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Altmarkt. (dpa)