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Countdown am Neumarkt

Volker Knöll organisiert das heutige Konzert. Erfahrung hat er bereits vom Kirchentag.

© Norbert Millauer

Von Kay Haufe

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Der eisige Wind fährt den Bühnenbauern am Neumarkt bis in die Knochen. Ihre Gesichter sind rot vor Kälte, doch sie gönnen sich keine Pause. Stück für Stück setzen sie die Metall-Elemente der Bühne zusammen, hängen in Seilen unterm Dach, um Planen für Seiten- und Rückwand anzubringen. „Jungs, ihr liegt spitze in der Zeit. Wenn alles klappt, sind wir schon zwei Stunden eher als geplant fertig“, ruft Volker Knöll den Leuten zu. Gedanklich macht der 44-Jährige einen Haken auf seiner langen Checkliste. Bei ihm laufen sämtliche Fäden zur Vorbereitung des Konzertes „Offen und bunt – Dresden für alle“ zusammen. Am Sonntagmittag checkt er bereits ab, wie der Bühnen-Abbau bis Dienstagabend klappen könnte. Dabei sind vor dem heutigen Konzert noch tausend kleine Dinge zu organisieren. Wie der Soundcheck für Herbert Grönemeyer. Mit dem startet die intensivste Vorbereitungsphase auf dem Platz vor der Frauenkirche.

„Ich kann mich auf jeden einzelnen der Leute verlassen. Am Ende bin ich nur der Abhaker, der kontrolliert, ob alles passt. Und bisher läuft die Arbeit absolut reibungslos“, sagt Knöll und schaut bewundernd auf zu den Bühnenbauern. „Das sind Profis, sowohl bei der Logistik als auch beim Aufbau“, sagt er und zeigt auf die großen Lkw, von denen Stück für Stück der Bühnentechnik abgeladen wird.

Eigentlich wollte Knöll jetzt bei seiner Frau und seiner Familie sein. Das dritte Kind ist gerade angekommen, Unterstützung dringend nötig. „Aber dann hat mich Gerhard Ehningner vom Verein ,Dresden – Place to be´ angerufen und gefragt, ob ich ihm helfe, das Konzert vorzubereiten. Meine Frau war zwar nicht begeistert. Aber sie hat gesagt, wenn das einer schaffen kann, dann ich“, sagt Knöll und lächelt. Eine Zeit lang hat er mit Familie in Dresden gelebt, als er den Kirchentag 2011 organisiert hat. Außerdem ist er Geschäftsführer einer Firma, die auch in Dresden eine Niederlassung betreibt. Er kennt die Stadt und besser noch: Gemeinsam mit Gerhard Ehninger kennt er viele Menschen, die mithelfen wollen, den Ruf Dresdens in der Welt angesichts der Pegida-Demonstrationen wieder zu verbessern.

So sei es vergleichsweise einfach gewesen, eine riesige Bühne samt Crew nach Dresden zu ordern, die kurz zuvor in Magdeburg stand. Oder für die Lichtinstallation eine Dresdner Firma zu gewinnen, die Knöll noch vom Kirchentag kennt. Oder eine Bochumer Firma, die die Rückwand für die Bühne mit dem Motto des Konzertes bedruckt. „Mitarbeiter des Dresdner Staatsschauspiels übernehmen die Dramaturgie für das Konzert, in dem nicht nur gesungen wird, sondern es auch Videobotschaften von Menschen geben wird, die sich Dresden weiterhin als weltoffene Stadt wünschen“, so Knöll. Er lobt außerdem die Dresdner Stadtspitze, der er verkürzte Genehmigungsfristen und eine perfekte Ämterabsprache verdankt. Das sei nicht selbstverständlich.

Während er sich um alles Organisatorische kümmert, setzt Gerhard Ehningner weitgehend die inhaltlichen Akzente des Konzertes. Politik und Kirche soll es heute nicht auf der Bühne geben, dafür gute Unterhaltung. Die Mischung aus den sogenannten Topacts wie Herbert Grönemeyer und Dresdner Bands mache es attraktiv. „Und erstmals wird die Bühne nicht vor der Frauenkirche sondern ihr gegenüber stehen. Damit steht die Kirche nicht im Mittelpunkt, sondern gibt im übertragenen Sinn den Gästen Schutz“, sagt Medizin-Professor Ehninger. Für ihn, der die deutsche Knochenmark-Spenderdatei DKMS ins Leben gerufen hat, sind Auftritte und Abstecher ins Showgeschäft mittlerweile selbstverständlich. „Wenn man für Unterstützung wirbt, kommt man zwangsläufig mit Künstlern zusammen, die Botschaften transportieren. Das hilft mir für diese Veranstaltung“, so Ehninger. Er bedauert, dass Jan Josef Liefers absagen musste. Der Schauspieler mit Dresdner Wurzeln konnte seine vertragliche Verpflichtung nicht mehr absagen. „Er wollte danach wie ein Verrückter nach Dresden rasen, wäre aber trotzdem zu spät gekommen. Es ist schade, dass er nicht dabei sein kann. Aber das passiert, wenn man einen Termin so kurzfristig ansetzt wie wir“, sagt Ehningner.

Er betont, dass der Verein komplett für die Kosten des Konzertes aufkommt und sogar Umsatzsteuer zahlt. „Wir nutzen dafür keine Steuermittel, sondern zahlen noch in die Staatskasse ein“, sagt er all denen, die ihm Verschwendung vorwerfen. Damit das Gedränge heute Abend auf dem Neumarkt nicht zu groß wird, die Veranstalter rechnen mit mehr als 40 000 Gästen, wird eine Leinwand auf dem Schlossplatz aufgebaut.

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