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Countdown im Kulturkraftwerk

© René Meinig

Auf den Bühnen wird fast rund um die Uhr geprobt. Damit von dort bald wieder Energie in die Stadt kommt.

Von Kay Haufe

Eine Schaltwarte im Kraftwerk ist nichts Besonderes. In diesem schon. Wenn Dresdens Kulturkraftwerk am 16. Dezember öffnet, wird sich die Schaltwarte in der Studiobühne des Theaters Junge Generation (TJG) als Wundertüte entpuppen, innen und außen. Gestaltet und gefüllt mit Gucklöchern, Videobotschaften und Inszenierungen. Damit alles klappt, hatten die Techniker Donnerstagabend Stress. Bei der Beleuchtungsprobe musste jede Szene ins rechte Licht gerückt werden. Nicht einfach in einer Schaltwarte, in deren Wände Bildschirme eingebaut sind, die laufen. „Sie dürfen gespannt sein auf Tanz, Puppentheater und noch viel mehr, was sich hier abspielen wird“, sagte Lutz Hofmann, der Technische Leiter des TJG.

Sage und schreibe acht Premieren bringt sein Theater zur Eröffnung bis zum 18. Dezember auf die drei neuen Bühnen. Auch für die ganz Kleinen ab vier Jahren ist mit „Ein Märchen“ ein Angebot dabei. Damit sie ohne Probleme in die Kleine Bühne kommen, sind die Türklinken besonders niedrig angebracht. „Das ist nur ein Detail von sehr vielen außergewöhnlichen, auf das wir beim Theaterbau achten mussten“, sagte Torsten Teichgräber.

Sein Unternehmen Züblin hat das Kulturkraftwerk als Generalunternehmer gebaut. „Und wir sind sehr stolz auf dieses Ergebnis“, so Prokurist Teichgräber. Züblin habe sowohl die Bauzeit als auch den finanziellen Rahmen eingehalten. „Die Mehrkosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro haben sich weitgehend durch neue Ausstattungswünsche sowie Denkmalschutz- und Brandschutzauflagen ergeben“, sagt Axel Walther, Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft Stesad GmbH und gleichzeitig Chef der Kommunalen Immobilien Dresden GmbH & Co. KG (KID).

Die KID ist Bauherr der Bühnen für Staatsoperette und Theater Junge Generation. Bei solch einem großen Kulturbau seien drei Millionen Nachschlag in der Relation nicht viel, so Walter. Insgesamt hat das Haus jetzt 103,5 Millionen statt veranschlagter 100 Millionen Euro gekostet.

Mit im Budget sind auch Nachbesserungen im Orchesterprobenraum der Staatsoperette. Weil es darin zu sehr hallt, zieht es das Orchester vor, kleinere Proben noch immer im ehemaligen Haus in Leuben anzusetzen. „Wir haben jetzt Schienen und Vorhänge bestellt, durch die sich eine bessere Akustik im Probesaal ergeben soll“, sagt Axel Walther. Es sei normal bei Kulturbauten, dass sich bei der Nutzung noch bestimmte Nacharbeiten ergeben. „Im Computer kann man viel simulieren, was in natura dann doch anders ist.“

Für Züblin war der Neubau der Bühnen und die Sanierung der alten Maschinenhalle eine Herausforderung. „Seit im Frühjahr 2014 die ersten Bagger anrollten, arbeiteten in Spitzenzeiten bis zu 280 Personen auf der Baustelle. Allein aus der Maschinenhalle haben wir 1 500 Tonnen Schutt abtransportiert“, sagt Teichgräber. Wenn er heute in das Foyer komme, erlebe er noch immer den Charme des alten Industriestandortes. Für das Unternehmensportfolio sei dieses Projekt wichtig. Damit könne man sich nun auch woanders als Generalunternehmer für Kulturbauten bewerben.

Die erste öffentliche Probe hat auch der Operettensaal bereits hinter sich. Die Gäste waren des Lobens voll über die Akustik, die dabei überprüft werden sollte. „Aber je näher die Eröffnung rückt, desto aufgeregter werden die Regisseure“, sagt Mario Radicke, Technischer Direktor der Operette. Immerhin wird jetzt auch die bessere technische Ausstattung genutzt, so kommen beim Bühnenbild zum Beispiel sechs Beamer zum Einsatz. Drei Premieren stehen an: am 17. Dezember die Operette „Orpheus in der Unterwelt“, am 22. Dezember das Musical „Wonderful Town“ und am 30. Dezember die Eröffnungsgala mit Stargast René Pape. Viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Das wünschen sich die Intendanten auch für 2017.