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Crystal im Fahrradlenker

Ein arbeitsloser Volkswirt wurde wegen Handels mit und Einfuhr von Drogen verurteilt. Er hofft auf eine Therapie.

© Symbolfoto: dpa

Von Alexander Schneider

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Dippoldiswalde. Die Crystal-Geschichte von Alexander H. ist ein vergleichsweise bizarrer Fall. Der 38-jährige diplomierte Volkswirt hat lange gebraucht, um zu seiner Sucht zu stehen. Angeblich hat er vor Jahren gekündigt, um seinen kranken Hund zu pflegen. Tatsächlich ist seine Abhängigkeit der Grund für die Erwerbslosigkeit. Ganz erwerbslos jedoch soll der Deutsche aber nicht gewesen sein, denn vor Kurzem musste er sich wegen Handels mit Betäubungsmitteln und Einfuhr von 23 Gramm Crystal aus Tschechien verantworten.

Die Anklage legte dem 38-Jährigen vier Telefonate zur Last, in denen er mit seinen Gesprächspartnern je ein Crystal-Kleingeschäft abgesprochen haben soll. Demnach soll er Mengen von einem halben beziehungsweise einem Gramm angebahnt haben. Ausgemacht war ein Preis von 30 bis 70 Euro pro Gramm. Ob es tatsächlich zu einer Übergabe gekommen war, blieb offen. Das Gericht musste zugunsten des Angeklagten davon ausgehen, dass keine Drogen den Besitzer gewechselt hatten. Einzige Beweise waren vier abgehörte Telefonate zwischen März 2016 und Oktober 2017. Alexander H. schwieg zu diesen Vorwürfen.

Schwerwiegender war Tat Nummer fünf. Im November vergangenen Jahres soll H. mit seinem Mountainbike 23 Gramm Crystal aus Tschechien eingeschmuggelt haben. Die Droge habe er im Lenker versteckt. Der Bundespolizei war der Radler aufgefallen, als er bei Neurehefeld ins Nachbarland radelte und anschließend auf verschlungenen Pfaden die Rückreise antrat. H. behauptete, er habe das Rad einem guten Bekannten geliehen, den er natürlich nicht näher nannte.

Das Schöffengericht verurteilt den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Darüber hinaus droht ihm eine weitere Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten aus Dippoldiswalde vom November, die noch nicht rechtskräftig ist. Aktuell war es nicht möglich, aus beiden Urteilen eine Gesamtstrafe zu bilden. Richter Arnd Fiedler sagte, H. nehme seit dem Jahreswechsel keine Drogen mehr und hoffe nun auf eine Therapie.