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„Da droht etwas zu verpuffen, was dringend gebraucht wird“

Der sächsische Wohnungs-Verband will einen Kurswechsel bei der Förderung von Teilabriss und Umbau.

© Claudia Hübschmann

Von Lars Radau

Eigentlich ist Rainer Seifert ganz zufrieden. Der Direktor des sächsischen Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) präsentierte am Donnerstag in Dresden die Jahresstatistik für 2017. Weil die 126 Mitgliedsunternehmen des vdw gut ein Viertel des Mietwohnungsbestandes im Freistaat verwalten, sind die Zahlen des Verbandes durchaus repräsentativ für Wohnungswirtschaft in Sachsen. Ebenso wie die Forderungen und Verbesserungsvorschläge, die Seifert trotz allem hat.

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Die Lage: Investitionen steigen flott, die Mieten deutlich langsamer

Die vdw-Mitglieder investieren tüchtig und werden es weiter tun. 365 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr in den Neubau, die Modernisierung und die Instandhaltung der 316 000 Wohnungen der Mitgliedsfirmen. Unter ihnen sind viele kommunale Wohnungsgesellschaften, aber auch private Vermieter wie das Branchen-Schwergewicht Vonovia. In diesem Jahr sollen noch einmal 102 Millionen Euro mehr investiert werden, 62 davon allein in Neubauten. Werden alle Pläne umgesetzt, sei das Investitionsvolumen seit 2015 um mehr als die Hälfte gewachsen. Parallel dazu, so Seifert, seien die Mieten nur „absolut moderat“ gestiegen – zwischen 2014 und Ende 2017 gerade einmal um knapp acht Prozent. Im Schnitt koste der Quadratmeter Wohnfläche bei den vdw-Mitgliedern 5,04 Euro kalt. Hinzu kämen noch einmal 2,50 bis drei Euro Betriebskosten. Seiferts Fazit: Die Mietkosten in Sachsen seien „überwiegend erschwinglich“.

Der Leerstand: Die befürchtete Welle bleibt aus, der Schnitt ist verträglich

Vor allem für die ländlichen Regionen hatte der vdw für 2017 eine regelrechte „Leerstandswelle“ befürchtet. Die, so Seifert, sei glücklicherweise ausgeblieben. Insgesamt hätten zum Jahresende bei den Mitgliedsunternehmen wie schon im Vorjahr rund 29 000 Wohnungen leer gestanden. Auf dem Land habe die Quote fast unverändert bei rund 14 Prozent gelegen, in den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz, von Seifert konsequent „Metropolen“ genannt, sei sie sogar gesunken – von 4,9 auf 4,4 Prozent. Dieses Niveau sei insgesamt „verträglich“, sagt der Verbandschef. Gleichwohl seien „weitere Anstrengungen in die richtige Richtung“ notwendig.

Die Forderung: Kurswechsel bei Teilabriss- und Umbauförderung

Diese „richtige Richtung“ hat für Rainer Seifert natürlich auch mit Geld zu tun. Der vdw-Verbandsdirektor fordert auch für den Teilabriss von Wohnhäusern eine staatliche Förderung. „Für das Bild der Städte ist es wesentlich besser, mehrheitlich bewohnte Gebäude zu haben als ganze leer stehende Hausabschnitte“, findet Seifert. Für die Unternehmen sei das allerdings nicht wirtschaftlich, sie ließen nicht vermietbare Bereiche lieber leer stehen. Bekämen sie staatliche Unterstützung dafür, etwa die oberste und kaum noch vermietbare fünfte Etage eines Fünfgeschossers ohne Aufzug abzunehmen, sähe das „deutlich anders“ aus.

Auch die Förderung des seniorengerechten Umbaus müsse dringend angepasst und von der teuren Maximallösung „barrierefrei“ gelöst werden, mahnt Seifert. Auch von „barrierearm“ profitierten schon die Betroffenen. „Ein Aufzug ist heutzutage extrem wichtig.“ Für viele Mitgliedsunternehmen sei es schlicht zu aufwendig, ihre oft aus DDR-Zeiten stammenden Gebäudebestände so anzupassen, dass sie das bestehende Förderprogramm des Freistaates nutzen können. „Da droht etwas zu verpuffen, was eigentlich dringend gebraucht wird.

Sozialer Wohnungsbau: Sinnvoller Einsatz für die Zukunft

Ein ausdrückliches Lob zollt Reiner Seifert dem Freistaat für sein Förderprogramm für den Bau von bezahlbaren Wohnungen – und der Stadt Dresden für die Entscheidung, mit der „Wohnen in Dresden“ wieder eine kommunale Wohnungsgesellschaft aufzubauen. Die will bis Ende 2021 800 neue Sozialwohnungen in der Landeshauptstadt errichten. „Das ist ein sinnvoller und absehbar auch nötiger Schritt.“