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Da ist der Bandwurm drin

Politiker fordern einfache Sprache und tun das Gegenteil. Wieder nur Floskeln?

© André Wirsig

Von Andreas Weller

Ja, Amtsdeutsch wirkt ziemlich bekloppt. Warum eine Ampel Lichtsignalanlage heißen muss, erschließt sich wie bei vielen anderen Begriffen nicht. Einfache Sprache soll Veröffentlichungen und Bescheide der Stadt verständlicher machen. Leichte Sprache ist vor allem für Menschen mit geistigen Behinderungen gedacht.

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Linke, Grüne und SPD erklären in ihrem Antrag dazu lang und breit, dass Sätze künftig maximal 15 Worte (einfache Sprache) oder acht Worte (leichte Sprache) haben sollen – und möglichst wenige Kommata. Nur übertreffen sich die Verfasser mit Bandwurmsätzen. Der Antrag selbst besteht aus drei Sätzen, mit 28, 24 und 20 Worten. Die Begründung enthält neun Sätze mit 16 bis 28 Worten.

In einfacher Sprache gedacht, würde man sich fragen: Stadtrat völlig ballaballa? Vielleicht ist es umgekehrte Psychologie. Sie schreiben lange Sätze, um kurze bei der Verwaltung zu erreichen. Oder es ist missglückte Ironie: Schaut mal, wie lange Sätze wir bilden können, um zu zeigen, wie blöd sich das liest. „Verwaltung mach mal anders“, könnte der Antrag in einfacher Sprache verständlich lauten.

Bevor wir uns aber auf das Niveau „Stadtrat gut – Verwaltung böse“ begeben, sollten sich alle bemühen, verständlicher zu werden. Deshalb muss man ja nicht gleich in Babysprache kommunizieren. Aber kurze Sätze in klarer Sprache wären schön. Denn mit Politiker-Floskeln wie „ich nehme das mit“, „ich bin da völlig bei Ihnen“ oder „wir werden das ernsthaft prüfen“ können die Bürger genau so wenig anfangen wie mit der Lichtsignalanlage.