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Da lacht selbst Oldie-Fan Harry Wijnvoord

Beim Tag der offenen Tür präsentiert die Stema einen beliebten DDR-Hänger im Retro-Stil. Er passt zum Jubiläum.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

Großenhain. Unternehmen in Deutschland erreichen ein Durchschnittsalter von 17 Jahren. Vor allem, weil viele Neugründungen nie richtig auf die Beine kommen und bald aufgeben müssen. So gesehen war es durchaus von Vorteil, dass der Großenhainer Betrieb zur Wendezeit ein deutschlandweit verkaufsfähiges Produkt vorweisen konnte: den Pkw-Anhänger. Und dass er ihn nach der Privatisierung im Jahr 1991 ständig weiterentwickelte. 1997 erreichte die Stema auf dem deutschen Anhängermarkt bereits einen Anteil von 30 Prozent. Heute produziert das Unternehmen jährlich im Schnitt um die 43 000 Hänger in den verschiedensten Ausführungen. Zunächst wurden sie fast ausschließlich über Baumärkte vertrieben, aber in den vergangenen Jahren konnte die Stema zunehmend den Fachhandel für ihre Produkte interessieren. Heute läuft circa ein Drittel des Gesamtgeschäfts über ein Netz von 175 Fachhändlern. Das liegt vor allem an der großen Zahl der Spezial-Transportlösungen, die vom Kasten- und Kofferanhänger über den Fahrzeug-, Motorrad- und Bootstransporter bis hin zum Kipper und hydraulischen Absenkanhänger reicht. Wie beim Autokauf kann man Stema-Anhänger mittlerweile nach seinen individuellen Wünschen konfigurieren. Da passt selbst ein Retro-Anhänger ins Bild – vom Outfit her exakt der Urvater aus dem Jahr 1969, allerdings mit zeitgemäßer Ausstattung.

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Ein Retro-Hänger aus DDR-Zeiten. Das einst sehr beliebte Modell wurde neu konstruiert und soll nun wieder produziert werden.
Ein Retro-Hänger aus DDR-Zeiten. Das einst sehr beliebte Modell wurde neu konstruiert und soll nun wieder produziert werden. © Klaus-Dieter Brühl

65 Jahre Stema – das klingt ein wenig nach dem Eintritt ins Rentenalter. Beim Tag der offenen Tür am Sonnabend wurde genau das Gegenteil sichtbar. Vor einer beachtlichen Besucherkulisse präsentierte sich das Unternehmen modern und innovativ. Erst voriges Jahr hat die Stema rund zwei Millionen Euro in neue Technik investiert. In Kantmaschinen etwa, in ein lasergesteuertes Winkelmesssystem für die Kanttechnik und in CNC-gesteuerte Stanzmaschinen. Dazu wurde eine Produktionshalle komplett neu ein- und hergerichtet. Das alles konnten die Jubiläumsgäste bei mehreren Führungen durch den Betrieb erfahren. Draußen auf dem Hof hatte die Firma ein kleines Volksfest organisiert – mit Swing-Musik und dem „Fliegenden Holländer“ Harry Wijnvoord. Der ehemalige Fernseh-Showmaster, bekannt aus der Sendung „Der Preis ist heiß“, ist seit fast einem Jahr Werbegesicht für das Großenhainer Unternehmen. Der Kontakt zur Stema kam zustande, weil Wijnvoord einen absenkbaren Anhänger für sein Wohnmobil suchte. Am Samstagnachmittag gab es sogar eine Art Neuauflage der Kult-Sendung des begnadeten Entertainers.

Dass die Großenhainer trotz einiger Nieselregen-Einlagen in Scharen zum Tag der offenen Tür kamen, liegt auch daran, dass die Stema seit jeher eng mit der Region verbunden ist. Der größte Teil der 127 Beschäftigten kommt aus der Röderstadt oder den umliegenden Dörfern. Überdies ist die Firma Hauptsponsor des Großenhainer Fußballvereins, der größten Kickertalente-Schmiede ringsum.

Da der Anhängerbau ein Saisongeschäft ist, kommen in der Stema auch Leiharbeiter zum Einsatz, manchmal bis zu 40 Beschäftigte. „Wir produzieren im Mai um die 8000 Anhänger“, erklärt Geschäftsführer Michael Jursch, „im Dezember dann mal wieder nur 800.“ Darauf müsse das Unternehmen flexibel reagieren.

Jüngeren Großenhainern dürfte kaum noch bekannt sein, dass die Firmengeschichte des erfolgreichen Anhänger-Produzenten mit kohlebeheizten Waschkesseln begann. Darauf beruht auch das Namenskürzel „Stema“, das aus der Bezeichnung „Stanz- und Emaillierwerk“ gebildet wurde. Der 1951 gegründete Stema Ofenbau hatte sein Firmengelände zunächst mitten in Großenhain – er produzierte in den Räumen des heutigen Kulturschlosses. 1967 erfolgte der Umzug auf die Riesaer Straße im Stadtteil Großraschütz. Aufgrund eines staatlichen Beschlusses zur Konsumgüterproduktion wurde 1969 der erste Pkw-Anhänger hergestellt, der ein Jahr später in Serie ging. Bald gab es die ersten Exporte, auch ins westliche Ausland, und 1985 lag die Jahresproduktion schon bei 17 300 Pkw-Anhängern.

Das konnte die Firma nach der Privatisierung noch toppen – mittlerweile haben mehr als eine Million Anhänger die Stema-Hallen verlassen.