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Feuilleton

Daddelnd durch die Apokalypse

Computerspiele mit hohem Weltuntergangswert gibt es bereits viel länger als Corona. Wir stellen einige davon vor.

©  Screenshot: SZ

Wenn die Natur sich die Welt zurückholt, dann ist es längst zu spät. Man kennt das auch aus unzähligen Filmen: Hochhäuser, die von Pflanzen überwuchert und von tiefen Rissen durchzogen sind. Lebensfeindliche Sandwüsten, in denen Menschen auf primitive Weise in archaischen Gesellschaftsstrukturen leben und mit absurden Schrott-Fahrzeugen durch das Bild rauschen. Postapokalyptische Szenarien kombinieren die Angst vor dem Untergang mit der Lust auf Zerstörung und Willkür in einer Art Naturzustand. Solche Ansätze funktionieren nicht nur in Corona-Zeiten beim Computer- bzw. Videospiel sehr gut. Hier sind vier Spiele, mit denen man das vermeintliche Ende der Welt schon einmal vorfühlen kann.

Überleben zu zweit: The Last Of Us

Es ist das wohl bislang erfolgreichste Spiel aus der Überlebens-Sparte. Innerhalb von drei Wochen wurden weltweit 3,4 Millionen Exemplare von The Last Of Us verkauft. Der Nachfolger soll im Mai erscheinen und eine HBO-Serie ist ebenfalls in Arbeit. Die Faszination ist so simpel wie spannend umgesetzt: Das Spiel handelt von zwei Überlebenden im Jahr 2033, dem erwachsenen Texaner Joel, der mit der jungen und vermutlich gar immunen Ellie gemeinsam durch die postapokalyptischen Vereinigten Staaten von Amerika zieht. 

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Die meisten Menschen sind einer fiesen Pilz-Infektion zum Opfer gefallen. Die befällt ihre Gehirne und verwandelt sie in ziemlich aggressive Mutanten, deren Körper mit fortschreitender Infektion zunehmend verfallen. Nach dem Zusammenbruch der Regierung kontrolliert das Militär die von den meisten Überlebenden bewohnten Quarantänezonen. Die Gruppierung der „Fireflies“ lehnt den totalitären Polizeistaat ab und führt einen Guerillakampf gegen das Militär. 

Die immer noch sehr gelungene grafische Umsetzung, die Ursprungsversion ist von 2013, wird nur von der nahezu perfekt inszenierten Mimik und Gestik der Charaktere übertroffen. Das Spiel ist aber nichts für schwache Nerven: Zuweilen fühlt man sich derart verbunden mit Joel und Ellie, dass es durchaus schwerfällt, alleine des Nachts spielen zu können, ohne das Gefühl zu haben, der Schrecken könnte jeden Moment auch die Realität befallen.

Nach dem Atomkrieg: Fall Out 76

Sieht düsterer aus, als es ist: Fall Out 76
Sieht düsterer aus, als es ist: Fall Out 76 ©  Screenshot: SZ

Fallout 76 spielt nach einem fiktiven Atomkrieg, in dem die Welt fast zerstört wurde. Als Überlebender vegetierte man zunächst in einem riesigen Bunker vor sich hin. Dieser „Vault 76“ wird nun als einer der ersten geöffnet. Man übernimmt die ehrenvolle Aufgabe, das Land neu aufzubauen. Eine liebevoll gestaltete, detailreiche Welt darf nun stundenlang erforscht werden. Zudem hebt sich das Spiel mit  teils schrägem Humor und skurrilen Szenarien von anderen Vertretern der Gattung ab.

Der Survival-Aspekt im Ödland ist relativ einfach: Wer ein wenig auf seine Versorgung von Wasser und Nahrung achtet und sich nicht zu sehr verstrahlen lässt, findet meist genügend Lebensmittel. Besonders Entdecker haben mit Fallout 76 ihren Spaß. Die Pixelwelt ist eine der besten Eigenschaften des Spiels und bietet viel, wenn man bereit ist, sich umzusehen. Dadurch kommen besonders Einzelspieler mit Entdeckerdrang auf ihre Kosten, aber auch Gruppenspieler können mit Freunden ihren Spaß haben.

Paketbote, einsam: Death Stranding

Es nutzt ja nichts: Auch nach der Katastrophe muss die Post ausgeliefert werden.
Es nutzt ja nichts: Auch nach der Katastrophe muss die Post ausgeliefert werden. ©  Screenshot: SZ

Es ist eines der faszinierendsten Spiele der letzten Zeit. Auch weil es hochaktuell auf unsere Art des Zusammenlebens anspielt. Zudem ist Schauspieler Mads Mikkelsen dabei. In Death Stranding gibt es nach einer rätselhaften Katastrophe nur noch wenig Leben in dem Land, das mal die USA war. Man schlüpft in die Rolle von Sam Porter Bridges, einem Kurier, der zwischen den wenigen noch mit Leben gefüllten Orten reist und wichtige Dinge liefert – mit dem Ziel, diese Orte an ein Netzwerk anzuschließen, das die sogenannten Vereinigten Städte Amerikas erweitern und wieder zu einer funktionierenden Gemeinschaft machen soll.

Dafür bekommt er zudem ein in einem mobilen Brutkasten aufbewahrtes Baby umgeschnallt und macht sich auf den Weg – mal wieder nach Westen, wo er auf Einsiedler, Pioniere und ängstliche Überlebende trifft. Er kämpft gegen Banditen oder weicht ihnen aus und entkommt Wesen, die aus öligem Schlamm kriechen. Zudem muss sich der einsame Bote vor dem Regen schützen, der die Zeit schneller laufen und Dinge altern lässt. Je länger man durch die kargen Landschaften wandert, desto mehr freut man sich über den rettenden Unterstand, den ein Unbekannter dort hinterlassen hat.

Die Wildnis ruft: Don‘t Starve

Eine nette kleinen Anspielung auf Tom Hanks in "Verschollen" und seinen Ball Wilson.
Eine nette kleinen Anspielung auf Tom Hanks in "Verschollen" und seinen Ball Wilson. ©  Screenshot: SZ

Im kleinen, feinen und etwas betagteren Indie-Überlebens-Spiel Don’t Starve muss man im einsamen Wald überleben und sich gegen Waldbewohner, die Nacht, die Langeweile und den Hunger wappnen. Ziel des Spiels ist das Überleben über einen möglichst langen Zeitraum, durch das Aufrechterhalten von Sättigung, geistiger Gesundheit und Lebensenergie. Zu diesem Zweck können, wie in anderen Vertretern des Genres, Ressourcen abgebaut, Nahrungsmittel gesammelt, angebaut, Gegenstände hergestellt und Gegner bekämpft werden. 

Dem Spieler setzen dabei Nahrungsmangel, Dunkelheit und verschiedene Gegner zu. Mit der sympathisch-schrägen, ein wenig düsteren Comic-Optik, den guten Spielfluss und die anhaltende Motivation appelliert das Spiel an die menschlichen Urinstinkte, den Selbsterhaltungstrieb. Man kann also in diesen Zeiten mit Don’t Starve durchaus noch etwas lernen.

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