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Däbritz fordert de Maizière heraus

Am Montag „spazierte“ Pegida wieder in Dresden. Der Zuspruch war geringer als am vergangenen Demo-Tag. Zu hören gab es Altbekanntes und Erheiterndes - und interessante Neuigkeiten.

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© SZ

Dresden. Am Montagabend trafen sich die Anhänger von Pegida wieder im Zentrum der Landeshauptstadt. Sammelpunkt für den „Großen Dresdner Abendspaziergang“ des Bündnisses war zum wiederholten Mal der Schlossplatz.

Eröffnet wurde die Kundgebung gegen 18.45 Uhr von Pegida-Mitglied Ines Gemeinert, da die Orgateam-Mitglieder Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz bis 2021 in Dresden keine Versammlungen mehr anmelden dürfen. Gemeinert verlas die Auflagen für die Veranstaltung und begrüßte die anwesenden Polizeibeamten, was die Menge mit dem Ruf „1, 2, 3 - danke, Polizei!“ quittierte. Weiterhin bat sie die Anwesenden darum, sich in die „Trump-Rolle“ einzutragen, mit der Pegida „unserem Donald“ zu seiner Wahl zum US-Präsidenten gratulieren möchte. Die Rolle soll am 19. Dezember in der US-Botschaft in Berlin übergeben werden.

Anschließend sprach Siegfried Däbritz. Hauptsächliche Zielscheibe der Rede war dieses Mal Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und das von ihm bzw. den „Toleranzkaspern“ im Stadtrat für „Umerziehungsveranstaltungen“ ausgegebene Geld der Steuerzahler. Die Anwesenden zeigten sich verärgert und skandierten unter anderem „Volksverräter!“. Beklagt wurde von Däbritz auch die seiner Meinung nach mangelhafte Unterstützung der Bewegung durch AfD-Stadtratsmitglieder, die nicht bei den Veranstaltungen sprechen dürften. Schlussendlich lobte Däbritz Dresden und Sachsen als „leuchtendes Beispiel für Widerstand“.

Nach dem Redebeitrag begaben sich die Kundgebungsteilnehmer gegen 19 Uhr auf ihren Rundkurs. Nach dem Wiedereintreffen der Demonstranten auf dem Schlossplatz betrat Gastredner Engelbert Merz die Pegida-Bühne. In einer hauptsächlich geschrienen Kurzrede nahm er unter anderem den Chef der Bautzener Polizei in Schutz, der in der DDR hauptamtlicher Mitarbeiter der Staatssicherheit war. Der Mann mache schließlich „gute Arbeit“. Außerdem forderte Merz, ein nach eigener Aussage seit 26 Jahren in der Lausitz lebender Westdeutscher, die Abschiebung von 500 000 Menschen, die ohne korrekte rechtliche Grundlage vom Geld der Deutschen lebten.

Dann betrat Lutz Bachmann die Bühne. Themen seiner Rede waren unter anderem die Wahlbetrugsvorwürfe, die in den USA derzeit sowohl von Donald Trump als auch vom gegnerischen politischen Lager erhoben werden, E-Mails von Anwälten, die ihm untersagen würden, „bestimmte Dinge“ zu thematisieren, sowie das diesjährige „Weihnachtsliedersingen“ der Pegida-Unterstützer, das in diesem Jahr am 18. Dezember auf dem Theaterplatz stattfinden soll.

Weiter kündigte Bachmann an, dass Pegida-Orgateam-Mitglied Siegfried Däbritz bei der kommenden Bundestagswahl im Wahlkreis Meißen als unabhängiger Kandidat gegen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) antreten wird. Däbritz selbst sagte einschränkend, dass er zwar am 4. Dezember bei einer AfD-Veranstaltung in Meißen „seinen Hut in den Ring werfen“ wolle, er aber nicht gegen einen AfD-Kandidaten antreten werde. Er wolle „einen, nicht spalten“.

Lutz Bachmann dankte Däbritz dafür, dass dieser sich für Pegida lange „den Arsch aufgerissen“ habe, und zeigte sich gleichzeitig hoch erfreut darüber, dass sein Mitstreiter dem Bundesinnenminister „in den Arsch treten“ wolle.

Nicht durch ihn thematisiert wurde Bachmanns erneuter Gerichtstermin am Mittwoch. Das Landgericht Dresden entscheidet dann in einem Berufungsprozess über eine Verurteilung wegen Volksverhetzung des bereits mehrfach vorbestraften Pegida-Wortführers.

Gegen 20 Uhr wurde als Abschluss der Veranstaltung die deutsche Nationalhymne gesungen, dieses Mal in Abwesenheit der sonst ansingenden Ramona. Anschließend ergriff noch kurz ein „Rico aus Nürnberg“ das Mikro und bedankte sich bei den Dresdner Pegida-Demonstranten für ihren allmontäglichen Einsatz für die gemeinsame Sache. In seiner Heimat lasse die Aktivität der Patrioten nämlich zu wünschen übrig - in Nürnberg waren bei der letzten Pegida-Kundgebung nur 38 Menschen auf der Straße.

Nach Angaben der Gruppe „Durchgezählt“ mobilisierte Pegida „zwischen 1 900 und 2 200 Menschen“, bei einer Gegendemonstration auf der Brühlschen Terrasse waren „20-30“ Personen anwesend. Nach bisherigen Informationen gab es bei den Demonstrationen keine Zwischenfälle. (szo)